https://www.faz.net/-gv6-11eqr

Aktien : Die Krise greift nach der Stahlbranche

  • Aktualisiert am

Stahlaktien dürften an der Börse vorerst zum Alteisen zählen Bild: dpa

Eine hohe Kartellstrafe trifft elf Stahlunternehmen in Frankreich, und jetzt sieht auch noch die OECD schwarz für die Branche. Die Kursgewinne vom Dienstag sollten nicht überbewertet werden. Die Aktien sind noch in der Abwärtsbewegung.

          Die Aussichten für Stahlaktien galten ohnehin nicht als berauschend. Doch jetzt dürfte der Druck auf Titel wie Arcelor Mittal, Salzgitter oder Thyssen-Krupp noch zunehmen. An dieser Einschätzung wird auch der Anstieg der Stahlwerte vom Dienstag wenig ändern. Der weltweite Wirtschaftsabschwung dürfte die Stahlhersteller besonders hart treffen, hieß es nach einem Treffen des Stahl-Ausschuss der internationalen Wirtschaftsorganisation OECD am Dienstag in Kuala Lumpur.

          Doch dies ist nicht die einzige Nachricht, die am Dienstag auf den europäischen Stahlaktien lastete. Wegen illegaler Preisabsprachen hat die französische Kartellbehörde Strafen von knapp 600 Millionen Euro gegen die französische Stahlindustrie verhängt. Neben dem französischen Ableger des Stahlriesen Arcelor Mittal sei auch ein Tochterunternehmen von Klöckner & Co. betroffen, teilte die Behörde am Dienstag in Paris mit.

          Arcelor Mittal soll eine Strafe von etwas mehr als 300 Millionen Euro bezahlen, die Klöckner-Tochter KDI SAS knapp 170 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe, die die Behörde je verhängt hat. Elf Stahlproduzenten und -händler sind betroffen.

          Kritik von Klöckner an der Strafe

          Klöckner kritisierte, dass die französische Kartellbehörde bei der Bemessung der Geldbuße die Weltumsätze des Klöckner & Co-Konzerns zu Grunde gelegt habe, obwohl die geahndeten Verstöße ausschließlich von der Tochtergesellschaft begangen worden seien. KDI SAS werde deshalb Rechtsmittel einlegen, um die Höhe der Geldbuße zu reduzieren und eine vorläufige Aussetzung der Zahlung zu erreichen. Auch Arcelor Mittal will in Berufung gehen.

          Diese Strafe dürfte nur vorübergehend auf den Aktienkursen der Branche lasten. Schwer wiegender ist der düstere Konjunkturausblick. Die Stahlnachfrage und damit auch die Preise seien stark eingebrochen, teilte die OECD mit. „Der kurzfristige Ausblick für die Nachfrage nach Stahl ist außergewöhnlich schwach“, wird der japanische Ausschussvorsitzende Risaburo Nezu zitiert. „Der starke Aufschwung der Stahlnachfrage, der 2002 einsetzte, ist abrupt zu Ende gegangen.“ Diese Schwäche spiegele die geringe Investitionsneigung der Unternehmen, der Rückgang auf dem Bau und der Einbruch in der Automobilproduktion.

          Thyssen-Krupp-Aktie bleibt zurück

          Während der Dax am Nachmittag 1,3 Prozent im Plus lag, vollzog die Aktie von Thyssen-Krupp diesen Anstieg nur zur Hälfte: Der Titel lag 0,6 Prozent im Plus bei 16,80 Euro. Die Aktie von Salzgitter dagegen verteuerte sich kräftig um 2,8 Prozent auf 50,12 Euro. Allerdings decken sich bei diesem Titel schon institutionelle Anleger ein, da die Salzgitter-Aktie in wenigen Tagen offiziell in den Dax aufsteigen wird.

          Die Aktie von Arcelor Mittal dagegen profitierte auch klar unterdurchschnittlich von der Aufwärtstendenz an den europäischen Aktienmärkten. Der Kurs rückte an der Börse Paris gerade einmal um 0,3 Prozent auf 17,55 Euro vor. Immerhin hat der Titel bei einem Niveau von rund 17 Euro einen Boden herausgebildet, der aus charttechnischer Sicht schon mehrere Belastungstests überstanden hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auch drei Düsen könnten genügen: Airbus A380 der Fluglinie Emirates.

          Airbus : Wann darf ein A380 mit drei Turbinen fliegen?

          Ein Airbus A380 braucht zum Fliegen nicht unbedingt vier Triebwerke. Er kommt auch mit einem weniger ans Ziel. Unter bestimmten Voraussetzungen und Vorschriften.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.