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Aktie und Alphabet : A wie Apple läuft besser als V wie Volkswagen

Namen sind mehr als Schall und Rauch: Der Anfangsbuchstabe einer Aktie entscheidet auch über ihren Erfolg. Bild: dpa

Wenn eine Aktie im Alphabet weit vorne steht, ist sie beliebter. Denn Investoren lesen die Kursliste von oben nach unten. Für Aktionäre bringt das sogar einen kleinen Vorteil.

          Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sagt das Sprichwort. Und wer im Alphabet vorne steht, der hat meist Vorteile. Denn Namen werden aus Konvention oft in alphabetische Reihenfolge gebracht. Das ist schon in der Schule so: Da wird ein Schüler namens „Becker“ oder „Bauer“ auch eher aus dem Klassenbuch aufgerufen als ein „Schulze“. Studien haben diesen Effekt in der Politik und in der Wissenschaft nachgewiesen. Dass das ABC auch an den Aktienmärkten nicht zu unterschätzende Auswirkungen hat, zeigt nun eine empirische Untersuchung der Finanzforscher Heiko Jacobs und Alexander Hillert von der Universität Mannheim.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für die Studie wurde die Entwicklung von Aktien im Zeitraum von Januar 1995 bis Dezember 2009 untersucht. Das Ergebnis: Aktien von Unternehmen, deren Namen am Beginn des Alphabets stehen, werden von Investoren auffallend besser wahrgenommen und haben bessere Chancen am Aktienmarkt. So werden die Titel am Beginn des Alphabets (die ersten 5 Prozent) laut der Studie gemessen in Umschlägen 13 Prozent stärker gehandelt. Mehr Handel ist gut für die Aktionäre, denn es verbessert An- und Verkaufspreise gleichzeitig: Wo mehr Angebot ist, finden sie eher eine günstige Aktie zum Kauf - und wo mehr Nachfrage ist, können sie eine Aktie eher teuer verkaufen. So sparen Anleger beim Aktienhandel rund 11 Prozent gegenüber Unternehmen, die erst im letzten Viertel des Alphabets auftauchen.

          Auch auf die Unternehmensbewertung, die Berichterstattung durch Analysten und die lokale Presse wirkt sich eine vordere Position im ABC positiv aus, obwohl dieser Effekt kleiner ausfällt. Besonders bei Privatanlegern oder anderen weniger erfahrenen Investoren ist dieses Phänomen zu beobachten.

          Für Fonds können Jacobs und Hillert diesen Zusammenhang ebenfalls nachweisen: So verzeichnen Fonds im vorderen Teil des Alphabets im Untersuchungszeitraum von 1992 bis 2012 höhere monatliche Zuflüsse. Besonders stark zeigt sich das bei kleinen Fonds, die schwerer zu finden sind: Hier erhalten Fonds vorn im ABC pro Jahr etwa 2,5 bis 3,5 Prozent mehr Nettozuflüsse.

          Für die Beobachtungen haben die Forscher eine einfache Erklärung: Kulturell bedingt beginnen wir eine Liste von oben nach unten zu lesen. Viele Kursteile, Internetseiten oder Datenbanken, mit denen Anleger nach geeigneten Aktien suchen können, stellen die Titel in alphabetischer Reihenfolge dar. Aus Zeitmangel und Ungeduld nehmen die potentiellen Anleger die zuerst genannten Aktien stärker wahr als die Papiere am Ende der Liste. Denn haben sie auf dem Weg schon etwas Passendes gefunden, kommen sie selten bis zum letzten Buchstaben.

          Ganz oben auf einer Liste zu stehen, könne dem Anleger darüber hinaus suggerieren, es handele sich bei dem Anlageprodukt um ein besonders hochwertiges Angebot. Hinzu komme, dass die ständige Sichtbarkeit der oben stehenden Aktien ihm genau diese Titel immer vertrauter macht und die Anlageentscheidung des Aktionärs langfristig beeinflusst.

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