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Metro : Preissenkungen belasten Ergebnisse

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Der Handelskonzern Metro schreibt weiter Verluste. Die großen Preiszugeständnisse bei der Elektroniktochter Media-Saturn belasteten die Bilanz. Der Trend geht zu neuen Tiefs.

          Die Preissenkungen der Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie höhere Kosten für die Expansion haben Deutschlands führenden Handelskonzern Metro im ersten Quartal noch tiefer in die Verlustzone gedrückt. Der Nettoverlust stieg von 3 auf 82 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis rutschte von plus 142 auf minus 9 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich hingegen um 2,2 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro.

          Die vorgelegten Zahlen haben Marktteilnehmer enttäuscht. Der neue Metro-Chef Olaf Koch hatte dem Konzern eine neue Strategie verordnet, die klar auf Umsatzwachstum setzt. Allerdings belasten die Investitionen das Ergebnis. Das erste Quartal könne man jedoch nicht als Maßstab für das Gesamtjahr nehmen, sagte Koch. Die ersten drei Monate machten weniger als 5 Prozent des Betriebsergebnisses für das Gesamtjahr aus. Im zweiten Quartal werde das Ergebnis wieder steigen, ebenso der Umsatz.

          Media-Saturn in der Krise

          Die größten Preiszugeständnisse machte der Düsseldorfer Konzern bei der Elektroniktochter Media-Saturn. Auf rund 50 Millionen Euro bezifferte Koch diese im ersten Quartal. Metro hat Kritikern zufolge zu spät damit begonnen der Konkurrenz aus dem Internet Paroli zu bieten und muss nun verstärkt investieren, um den Vorsprung anderer Händler aufzuholen.

          m ersten Quartal fiel das operative Ergebnis von Media-Saturn von plus 65 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 20 Millionen Euro. Aber auch die Großmärkte Cash & Carry, die Lebensmittelkette Real und die Kaufhaustochter Kaufhof wiesen einen operativen Verlust aus. Die Umsätze hingegen legten bei allen Vertriebslinien zu. Dabei kam Metro auch zu Gute, dass das erste Quartal einen Verkaufstag mehr hatte. Aber auch im April hätten die Erlöse zugelegt, sagte Koch.

          Die Preissenkungen werden auch in den kommenden Quartalen weiter gehen. Um die Effekte auf das Ergebnis abzufedern, bleibt die Metro auf Sparkurs. Zunächst soll in den bestehenden Märkten der Umsatz gesteigert und die Auslandsexpansion in ausgewählten Ländern beschleunigen werden. Außerdem gab der Vorstand bekannt, dass das Investitionsbudget für 2012 um 200 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro gekürzt wird. Im Gesamtjahr soll so das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis stabil bleiben. Der Konzernumsatz soll steigen.

          Strategiefragen

          Der Kurs der Metro-Aktie steigt am Donnerstag trotz der eher enttäuschenden Zahlen leicht. Offenbar scheinen die Anleger der Argumentationslinie des Metro-Vorstands zu folgen, dass das erste Quartal wenig bedeutend für das Gesamtjahr sei. Das trifft zwar zu, doch das Ausmaß der Ergebnisverfehlung ist schon frappierend.

          Auch ist fraglich, ob Kochs Strategie aufgehen wird. Sortimentsbereinigung, Preissenkung, Umsatzsteigerung, Sparmaßnahmen: Das sind Patentrezepte im Kampf gegen das Bedeutungswachstum des Online-Handels. Doch in vielen Fällen sind sie nicht aufgegangen. Die Preissenkungen waren oft nicht von echten Kostenvorteilen getragen, so dass die Unternehmen Umsatz durch Gewinn erkauften. Inwieweit Metro tatsächlich Kosten sparen kann und weiter wettbewerbsfähig bleiben, muss sich noch zeigen.

          Natixis-Analyst Pierre-Edouard Boudot findet die Strategie indes gewitzt, rechnet aber zumindest mit niedrigeren Margen. Er erwartet ein ungünstigeres Produkt- und Ländermix.

          Trend zum Fünf-Jahres-Tief

          Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 8 für das laufende und 7,7 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit zwar verhältnismäßig günstig, doch ist in der Bewertung ein Restrukturierungsabschlag enthalten. Zu negativ waren jüngste Entwicklungen im deutschen Einzelhandel mit der Schieflage bei Praktiker oder der Insolvenz von Schlecker. Beide Unternehmen hatten ebenfalls lange Zeit Strategieanpassungen verzögert.

          Der Trend der Aktie in Richtung des Fünf-Jahres-Tiefs ist nicht zu verkennen und es ist damit zu rechnen, dass die Marke von 20 Euro noch getestet werden wird, wenn es Metro nicht gelingt, im zweiten Quartal überzeugende Belege für ein Fruchten der neuen Strategie zu bringen.

          Der Trend geht zum Fünf-Jahres-Tief

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