https://www.faz.net/-gv6-7gn71

Aktien : Britische Bankaktien hängen deutsche Rivalen ab

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Britische Bankaktien ragen in diesem Jahr an der Börse in London positiv heraus.Im Gegensatz zu ihren deutschen Pendants auf dem Frankfurter Parkett.

          3 Min.

          Britische Bankaktien ragen in diesem Jahr an der Börse in London positiv heraus. Deutsche Bankaktien dagegen entwickeln sich seit Jahren schlechter als der gesamte deutsche Aktienmarkt. Der britische Bankensektor, an der Börse ohnehin im Vergleich zu den deutschen Kreditinstituten ein Schwergewicht, hat damit seinen Vorsprung ausgeweitet: Im 101 Mitglieder umfassenden britischen Aktienindex FTSE 100 haben Banken 15 Prozent Gewicht. Im 100 Werte umfassenden deutschen F.A.Z.-Aktienindex dagegen machen Bankaktien nur 4 Prozent aus.

          Dieses geringe Gewicht deutscher Banken an der Börsenkapitalisierung hat damit zu tun, dass zwei wichtige Säulen des deutschen Bankenmarktes, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, nicht börsennotiert sind. Einschließlich ihrer Spitzeninstitute - Landesbanken, DZ und WGZ Bank - „fehlen“ mehr als die Hälfte des deutschen Bankenmarktes an der Frankfurter Börse. Umgekehrt wird das Gewicht britischer Banken am Aktienmarkt verstärkt durch HSBC und Standard Chartered. Für diese beiden Banken, obwohl stark asiatisch geprägt, ist London die Heimatbörse.

          Starkes Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren

          Diese Tatsachen erklären aber nicht auf Anhieb, warum sich die Aktienkurse der britischen Banken besser entwickeln als die der deutschen. Schließlich sind einige durchaus miteinander vergleichbar, sind sie doch in ähnlicher Position und kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten: Barclays zum Beispiel hat Ende 2008 das amerikanische Kapitalmarktgeschäft der insolventen Lehman Brothers übernommen und ist tief in den Libor-Skandal rund um manipulierte Zinssätze verwickelt. Im Jahr 2012 trug das Investmentbanking, ähnlich wie in guten Jahren bei der Deutschen Bank, zwei Drittel zum Vorsteuergewinn bei. Wie die Deutsche Bank ist auch Barclays besonders stark im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren.

          Bild: F.A.Z.

          Beide Banken müssen ihren Eigenkapitalanteil (Leverage Ratio) auf die bald geforderten 3 Prozent bringen und schrumpfen deshalb ihre Bilanzen. Nachdem die Deutsche Bank in diesem Jahr schon ihr Eigenkapital um 3 Milliarden Euro erhöht hat, plant nun auch Barclays den Verkauf neuer Aktien für 5,8 Milliarden Pfund (6,8 Milliarden Euro). Dies dürfte die viertgrößte Kapitalerhöhung in der Geschichte der britischen Börse werden (F.A.Z. vom 31. Juli). Obwohl dieses zusätzliche Aktienangebot aller Erfahrung nach auf den Kurs drückt, hat sich die Barclays-Aktie besser entwickelt als die der Deutschen Bank: Im Vergleich zu vor einem Jahr liegt der Barclays-Kurs um 55 Prozent höher, seit Jahresanfang hat er um 9 Prozent zugelegt. Die Aktie der Deutschen Bank kostet 34 Prozent mehr als vor einem Jahr und 3 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.

          Commerzbank vs Royal Bank of Scotland

          Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS). Der britische Staat hat die RBS mit 45 Milliarden Pfund (52 Milliarden Euro) in der Finanzkrise gestützt, die Commerzbank erhielt 18 Milliarden Euro Staatshilfe. Doch die RBS kommt schneller voran. Sie hat noch Kreditrisiken von umgerechnet 75 Milliarden Euro, die bald von einer internen Abbaueinheit in eine eigene Bad Bank ausgegliedert werden sollen. In der Commerzbank lagern immerhin noch 130 Milliarden Euro zum Abbau vorgesehene Risiken. Der britische Finanzminister hält es für unrealistisch, dass der Staat in den kommenden fünf Jahren aus der RBS aussteigen kann. Zwar hat die RBS-Aktie in diesem Jahr um 5 und seit einem Jahr um 54 Prozent zugelegt. Damit aber der Kurs den durchschnittliche Einstiegskurs des britischen Staates von 504 Pence wieder erreicht, wäre ein Kursanstieg um weitere 30 Prozent nötig. Trotz Kursgewinnen in den vergangenen Wochen ist ein Ausstieg mit Gewinn für den deutschen Staat bei der Commerzbank indes noch unrealistischer: Der Kurs der Commerzbank-Aktie, die seit Jahresanfang 24 Prozent verloren hat, müsste sich in etwa verdreifachen.

          Ein derartiger Kursgewinn ist nicht einmal der Lloyds Bank gelungen. Dabei ist diese Aktie mit einem Plus von fast 60 Prozent seit Jahresanfang und 140 Prozent seit einem Jahr der Star unter den britischen Bankaktien. Nachdem der Staat in der Finanzkrise 40 Prozent der Lloyds-Aktien für 20 Milliarden Pfund gekauft hatte, geht er nun den Ausstieg an (F.A.Z. vom 2. August). Nach dem ersten Halbjahresgewinn seit drei Jahren lockt die Bank schon mit einer Dividende. Während Investmentbanken wegen ihrer Eigenkapitallücken ihre Gewinne weitgehend einbehalten, will Lloyds 70 Prozent ausschütten. Dies treibt den Kurs derart, dass hierzulande allenfalls die Aktie der Aareal Bank ein Stück mithalten kann. Im Unterschied zu den britischen Banken, die alle stark im Privatkundengeschäft sind, ist die Aareal Bank Immobilienfinanzierer und damit ein Nischenanbieter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstranten auf dem Puschkin-Platz in Moskau am Samstag

          Demonstrationen für Nawalnyj : „Putin ist ein Dieb!“

          Zehntausende Menschen protestieren am Samstag gegen den russischen Staatspräsidenten und für die Freilassung Alexej Nawalnyjs. Die Staatsmacht geht hart gegen die friedlichen Demonstranten vor.
          Fertigungsstrecke von Geely in der chinesischen 6-Millionen-Einwohner-Metropole Ningbo.

          Autos aus Fernost : Chinas Einheitsfront gegen VW und Tesla

          Wie von Peking gewünscht, knüpft Milliardär Li Shufu ein Netzwerk mit chinesischen Technologiegiganten, um das Auto der Zukunft zu bauen. Auch Daimler darf helfen beim Projekt Welteroberung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.