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Schwache Kurse : Magere Ertragslage lastet auf Bankaktien

Bild: dpa

Die Stresstests der EZB haben den Bankaktien wenig geholfen. Das Filialgeschäft droht für die Deutsche Bank und die Commerzbank ein Mühlstein zu werden.

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          Deutsche und italienische Banken haben eines gemein: Die Anleger zweifeln an der Ertragslage. Während in Italien der konjunkturelle Stillstand die Kreditrisiken nach oben treibt, sind es in Deutschland die unprofitablen Strukturen im Filialgeschäft. Die mageren Börsenwerte der beiden größten Banken des Landes verdeutlichen dies: Die Deutsche Bank liegt mit 33 Milliarden Euro in Europa nur auf dem 13. Rang, im Euroraum reicht es nur für Platz sechs.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Sogar die italienische Intesa Sanpaolo ist 4 Milliarden Euro mehr wert. Die Deutsche-Bank-Aktie hat in diesem Jahr 27 Prozent verloren und ist damit schlechtester Wert im Euro Stoxx 50, dem Leitindex für den Euroraum. Die Commerzbank ist trotz einer guten Kursentwicklung in den vergangenen Jahren mit 13 Milliarden Euro noch immer weit von der europäischen Spitzengruppe abgeschlagen. Bislang hat es den Aktienkursen der beiden deutschen Großbanken wenig geholfen, dass sie den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) ohne Probleme bestanden haben.

          Die Big Player: Börsenwerte der Großbanken in Europa

          Es sind nicht nur die Altlasten wie komplexe Wertpapiere und Rechtsrisiken bei der Deutschen Bank oder riskante Schiffskredite bei der Commerzbank, die den Investoren missfallen. Es ist der problematische deutsche Bankenmarkt, wo fast zwei Drittel der Einlagen von Privatkunden auf Sparkassen und Volksbanken entfallen. Auf das im Vergleich zu anderen Ländern wenig attraktive Massengeschäft in Deutschland hat nun der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hingewiesen.

          In seiner Funktion als Präsident des privaten Bankenverbandes bezeichnete er es als keine gute Leistung, dass die Institute hierzulande nicht in der Lage sind, ihre Kapitalkosten zu erwirtschaften. „Es wird sich eine ganze Menge tun in den nächsten Jahren“, ist er überzeugt. Dabei verwies er auf die hohen Kosten für Personal und auf die Informationstechnologie.

          Unter Schnitt: Eigenkapitalrendite von 1,26 Prozent

          Seine Aussagen lenken den Blick auf die Ertragslage der Deutschen Bank in ihrem Filialgeschäft, das in der Sparte Privat- und Geschäftskunden gebündelt ist. Im dritten Quartal musste der Bereich 0,79 Euro aufwenden, um 1 Euro zu verdienen. Vor allem die eigenen Filialen, also die der Marke „Deutsche Bank“, schneiden mit 0,86 Euro schlecht ab. In der Postbank sind es 0,74 Euro und im Ausland 0,55 Euro. Die Commerzbank benötigt im Privatkundengeschäft 0,84 Euro.

          Das ist im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern schlecht: Die BNP Paribas muss in ihrem Filialgeschäft nur knapp 0,61 Euro einsetzen. Noch effizienter ist die amerikanische JP Morgan mit einem Verhältnis von Aufwand zu Ertrag von 56 Prozent. Die spanische Großbank Santander erreichte über alle Sparten hinweg sogar 46 Prozent. Hier hinkt die Deutsche Bank mit 80 Prozent auf Konzernebene weit hinterher, obwohl in dieser Berechnung die Altlasten außen vor bleiben.

          Der Vergleich mit internationalen Banken verdeutlicht die geringe Effizienz und damit die bescheidene Profitabilität deutscher Banken. Das besorgt Andreas Dombret, den für Bankenaufsicht zuständigen Bundesbankvorstand. Im vergangenen Jahr erzielten die deutschen Banken nach seinen Angaben im Durchschnitt nur eine Eigenkapitalrendite von 1,26 Prozent, was in Europa unterdurchschnittlich ist.

          Nur 6 Prozent erwirtschaften die Kosten für das eingesetzte Kapital. Als Ursache nennt Dombret die hohe Abhängigkeit von der Zinsentwicklung. Das drückt in Zeiten historisch niedriger Zinsen weiter auf die Erträge, die im ersten Halbjahr um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken sind. Gleichzeitig sind die Banken mit hohen Kosten zur Umsetzung neuer Aufsichtsregeln und den Investitionen in die nicht aufzuhaltende Digitalisierung des Bankgeschäfts konfrontiert.

          Stellungsstreichungen unumgänglich?

          Die Deutsche Bank hat vor zwei Jahren ein Kostenprogramm gestartet und will vom Jahr 2015 an jährlich 4,5 Milliarden Euro einsparen. Dies ist mit einmaligen Investitionen über insgesamt 4 Milliarden Euro verbunden, von denen schon 2,7 Milliarden getätigt wurden. Von dem Einsparziel wurden schon gut 64 Prozent erreicht. Doch stellt sich die Frage, ob noch weitere Anstrengungen notwendig sind. Denn das angestrebte Aufwand-Ertrag-Verhältnis von 65 Prozent ist im Vergleich zu Wettbewerbern im Ausland kein ambitioniertes Ziel.

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