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Aktien : Bankaktien aus den Schwellenländern gewinnen an Bedeutung

Die russische Sberbank Bild: REUTERS

Durch die Finanzkrise rücken nun auch Kreditinstitute aus Asien und Lateinamerika in den Fokus der großen internationalen Investoren. Der addierte Aktienwert ist ähnlich groß wie in Europa.

          Der wirtschaftliche Aufstieg aufstrebender Schwellenländer ist auch an der Entwicklung der börsennotierten Banken zu beobachten. Die Marktkapitalisierung, also der addierte Aktienwert aller in Schwellenländern beheimateter Institute, ist mittlerweile so groß wie die der den Weltmarkt dominierenden Wettbewerber aus Europa, den Vereinigten Staaten und Japan, haben Ökonomen der Citigroup ausgerechnet. Beide Gruppen bringen einen kumulierten Marktwert von jeweils rund 2 Billionen Dollar auf die Börsenwaage. Noch 2007, bevor die Finanzkrise erst in den Vereinigten Staaten ausbrach und sich in Europa fortsetzte, waren die Banken der Industrieländer an der Börse zusammen ungefähr 5 Billionen Dollar wert, was ungefähr dem Dreifachen des Börsenwertes der Schwellenländerbanken entsprach.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das Bild hat sich gewandelt, als infolge der Finanzkrise auch große internationale Banken in Schieflage gerieten, mitunter von Staaten vor der Insolvenz gerettet wurden und an der Börse daraufhin nahezu der gesamte westliche Finanzsektor hohe Kursverluste verzeichnete. Zugleich haben zumal im Euroraum beheimatete Banken internationales Geschäft zurückgefahren und tun dies weiter. 2011 haben alleine die französischen Banken nach Angaben der Citigroup ihre internationalen Aktiva um rund 11 Prozent reduziert, prozentual am stärksten zogen sie sich aus Asien und Lateinamerika zurück.

          Penetration mit Finanzdienstleistungen

          In diese Bresche gesprungen sind amerikanische und japanische Wettbewerber, nicht unwesentlich aber auch jeweils heimische Institute, die kaum von der Finanzkrise betroffen worden sind. Ihnen hilft die Tatsache, dass in vielen Schwellenmärkten die Penetration mit Finanzdienstleistungen vergleichsweise geringer ist als in den Industrieländern und darum wachsendes Geschäft zum Beispiel durch einfache Kredite chancenreich erscheint.

          Zu den fünf von den Bankanalysten der Citigroup derzeit am attraktivsten eingestuften Bankaktien der Welt zählen deswegen auch die Anteile an der Credicorp in Peru. Unter dem Dach dieser Holding befinden sich die größte Bank, der zweitgrößte Versicherer und außerdem der drittgrößte Pensionsfonds des Landes. Die Citigroup-Analysten gehen davon aus, dass Credicorp aufgrund der steigenden wirtschaftlichen Aktivität in dem Land von einem wachsenden Kreditgeschäft profitieren wird. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr rechnen sie mit einer Eigenkapitalrendite von mehr als 20 Prozent.

          Kursziel von 128 Dollar

          Eine Credicorp-Aktie kostet derzeit ungefähr 120 Dollar, 2005 waren es weniger als 20 Dollar gewesen. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt 11 Milliarden Dollar. Die Citigroup-Analysten nennen 166 Dollar als fairen Wert für eine Aktie. Ihr Wettbewerber von Goldman Sachs äußern sich zwar ebenfalls zuversichtlich über die Geschäftsaussichten. Sie bewerten die Aktie derzeit allerdings mit Neutral, weil ihrer Ansicht nach die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau beinahe richtig bewertet ist - ihr Kursziel beträgt 128 Dollar. Goldman Sachs empfiehlt unter den lateinamerikanischen Banken derzeit die brasilianische Banco Panamericano zum Kauf.

          Wiederum zu den fünf von den Bankanalysten der Citigroup am attraktivsten befundenen Bankaktien zählen die Titel der russischen Sberbank. Maßgeblich sei in diesem Fall die niedrige Börsenbewertung gemessen etwa an einem Verhältnis zwischen aktuellem Börsenkurs und erwartetem Jahresgewinn pro Aktie (KGV) von 5 und einem Verhältnis von Marktwert zu aus der Bilanz ermitteltem Buchwert von 1,1. Wie schon bei der Credicorp erwartet die Citigroup ein wachsendes Kreditgeschäft zumal mit Privathaushalten. Schließlich gehört nach Ansicht der Citigroup-Analysten mit der britischen Großbank HSBC eine Industrieländerbank zu den interessantesten fünf Bankaktien derzeit, weil sie viel Geschäft in Schwellenländern macht. Zugleich ist HSBC aber zum Beispiel wesentlich daran beteiligt, in London einen Markt für spezielle Anleihen in chinesischer Währung („Dim-Sum“-Bonds) zu schaffen.

          Und schließlich zählen die Marktbeobachter der Citigroup mit den Aktien von JP Morgan und der japanischen Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) auch zwei „klassische“ Industrieländerbanken zu den besten fünf Banktiteln im Moment. Besonders MUFG profitiere davon, dass europäische Banken ihre Bilanzen verringern und könne darüber international Marktanteile hinzugewinnen.

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