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Aktien-Analyse : Wird die Aktie von JP Morgan Chase zur Gewinnerin?

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Im Vorjahr hinkte der Aktienkurs von JP Morgan Chase dem Dow Jones Industrial Average noch hinterher. Doch in diesem Jahr könnte sich das ändern. Insbesondere wenn sich die amerikanische WIrtschaft wie erhofft erholen sollte.

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          In den vergangenen Wochen konnte der Titel bereits Boden gegenüber dem Dow Jones Industrial Average, in dem der Wert neben 29 anderen Aktien vertreten ist, wettmachen. Warum die Notiz zuletzt zu einem kräftigen Zwischenspurt ansetzen konnte, zeigt sich zum Wochenausklang. Denn da legt die mit einer Bilanzsumme von mehr als zwei Billionen Dollar zweitgrößte Bank in Amerika, die als Universalbank in über 60 Ländern tätig ist, überzeugende Geschäftszahlen vor.

          Dank gesunkenen Kreditausfällen ist es im vierten Quartal gelungen, ein Gewinnplus von 47 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar einzufahren. Im Gesamtjahr summierten sich die Gewinne auf 17,4 Milliarden Dollar. Die Einnahmen steigerte JP Morgan zum Vorjahr um sechs Prozent auf 26,7 Milliarden Dollar, zum Vorquartal legten sie sogar um zehn Prozent zu.

          Analysten veranschlagen Kurs-Gewinn-Verhältnis auf unter 10

          Vor allem im Kreditkartengeschäft besserte sich die Situation; hier konnte die Bank zwei Milliarden an Rückstellungen wieder auflösen. Allerdings konnte JP Morgan noch nicht alle Lasten der Finanzkrise abschütteln: Im weiterhin kriselnden Immobiliengeschäft legte die Bank vorsorglich zusätzliche 1,5 Milliarden Dollar zurück. Dennoch waren die vorgelegten Zahlen besser als erwartet und der Kurs legt am Freitagnachmittag um 1,33 Prozent auf 45,01 Dollar zu. Kein Wunder, schließlich stellte sich der Quartalsgewinn je Aktie auf 1,12 Dollar ein, während Analysten nur mit 0,99 Dollar gerechnet hatten.

          Die präsentierten Zahlen sollten dem Titel weiteres Kurspotenzial erschließen. Die Bewertung würde steigende Notierungen jedenfalls zulassen. Zumindest wenn die Analysten Recht behalten. Denn die erwarten beim Gewinn je Aktie für 2011 einen Wert von 4,60 Dollar. Das wäre gleichbedeutend mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 10.

          Diese Bewertung dürfte von den Marktteilnehmern insbesondere dann al zu niedrig eingeschätzt werden, wenn die amerikanische Wirtschaft sich wie erhofft in diesem Jahr deutlich erholen sollte. Und genau darauf deuten derzeit die konjunkturellen Frühindikatoren hin.So sagte Notenbankchef Ben Bernanke erst in dieser Woche für 2011 ein Wirtschaftswachstum von bis zu 4 Prozent voraus. Relativ optimistisch gibt sich auch JP Morgan Chase-Chef Jamie Dimon. „Obwohl wir immer noch mit großen Herausforderungen konfrontiert sind, gibt es Anzeichen dafür, dass Stabilität und Wachstum sowohl am globalen Kapitalmarkt als auch in der amerikanischen Wirtschaft zurückkehren.“

          Gut positioniert für Konjunkturaufschwung

          Stimmt diese Annahme, sollte JPMorgan davon besonders profitieren, besitzt der Finanzkonzern doch sowohl ein starkes Standbein im Investmentbanking als auch im Privatkundengeschäft. Außerdem zählt das Institut zu den Gewinnern der Finanzkrise. Die Großbank schrieb Gewinne zu einer Zeit, als die Konkurrenz vom Staat gestützt werden mussten oder pleite ging. Zudem wurde die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns sowie die zusammengebrochene Sparkasse Washington Mutual übernommen. Die Bank stehe vor diesem Hintergrund stärker da als jemals zuvor, glaubt Dimon.

          Dieser Ansicht scheint auch Finanzvorstand Douglas Braunstein zu folgen, denn sonst würde er den Aktionären wohl kaum eine Dividendenerhöhung und einen Aktienrückkauf in Aussicht stellten. Werden diese tatsächlich beschlossen, sollte das den Aktienkurs zusätzlich stützen. Insgesamt stehen damit die Chancen gut, zumal auch eine deutliche Belebung im Geschäftsbereich Fusionen und Übernahmen winkt. Allerdings sollte bei aller aktuell vorherrschender Zuversicht nicht vergessen werden, dass es bei neuen Schwierigkeiten an der Konjunkturfront auch ähnlich schnell wie im Jahr 2008 wieder nach unten gehen kann mit der Notiz.

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