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Aktien-Analyse : Porsche hat sich die schwachen Kurse selbst zuzuschreiben

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Der Porsche-Vorstand verspricht für 2010 wieder steigende Verkaufszahlen. Doch der Aktie hilft das bisher wenig. Der Kurs setzt seinen Abschwung auch zum Wochenausklang fort.

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          „Ende der Absatzkrise bei Porsche in Sicht.“ „Porsche kämpft sich langsam aus tiefem Absatztal heraus.“ „Porsche-Verkäufe ziehen wieder an.“ So oder so ähnlich lauten die Überschriften der Berichte über die an diesem Freitag vom Stuttgarter Autobauer abgehaltenen Hauptversammlung. Laut VW-Chef Martin Winterkorn, der gleichzeitig Chef der Porsche-Holding ist, sieht man nach einem schweren Einbruch der Verkäufe wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder Licht am Ende des Tunnels.

          Den Abgaben zufolge wurde bei den Verkäufen in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2009/10 nur noch ein Rückgang von rund 3,1 Prozent auf rund 33.200 Fahrzeuge verzeichnet. In den ersten vier Monaten hatte das Minus noch 25 Prozent betragen. Insgesamt sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 3,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Angaben zum Ergebnis der Porsche-Holding wurden nicht gemacht.

          Verkauft wurden im Berichtszeitraum nach vorläufigen Zahlen rund 33.200 Autos. Im gesamten Geschäftsjahr bis zum 31. Juli hofft Porsche, mehr als 75.283 Fahrzeuge zu verkaufen und damit die Zahl des vergangenen Geschäftsjahrs (2008/2009) zu übertreffen. Vor der Krise im Geschäftsjahr 2007/2008 hatte Porsche noch 98.650 Autos verkauft. Winterkorn bekräftigte zudem, der Absatz von Porsche solle mittelfristig auf jährlich bis zu 150.000 Autos erhöht werden.

          Aktienkurs verliert ein Drittel an Wert seit Oktober

          Bis jetzt sind die Börsianer allerdings auf diesen ausgelegten Köder noch nicht angesprungen. Trotz der ermutigend klingenden Aussagen verliert der Titel auch zum Wochenausklang 2,31 Prozent auf 40,75 Prozent an Wert. Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, der dem Titel seit dem 14. Oktober schon ein Minus von 33 Prozent beschert hat. Ganz zu schweigen von dem Minus, dass verglichen mit dem am 29. Oktober 2007 markierten Rekordhoch von 184,65 Euro zu Buche steht.

          Die Tagesverluste lassen sich dabei mit den Umsatzzahlen erklären, die unter den Erwartungen lagen und damit geht natürlich die Sorge einher, dass auch die übrigen Zahlen unter den Schätzungen liegen könnten. Außerdem wurde auch noch eine Herabstufung durch die Analysten von HSBC bekannt. Diese senkten die Einschätzung für den Wert von „Neutral“ auf „Underweight“ und das Kursziel von 56,00 auf 38,00 Euro. Zur Begründung hiet es, Porsche SE werde zu einer reinen Holdinggesellschaft und verdiene daher einen Bewertungsabschlag.

          Damit erweist sich auch in diesem Fall der Einstieg von VW als Bumerang. Bekanntlich hatte Porsche zunächst versucht, VW zu übernehmen, war dabei aber letztlich finanziell übernommen. Porsche brachte das nach Milliardengewinnen einen Milliardenverlust ein und an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Am Ende sind dann die Wolfsburger bei dem Sportwagenbauer eingestiegen. Sie haben in einem ersten Schritt fast 50 Prozent der Anteile gekauft. Bis 2011 soll die Fusion abgeschlossen sein und Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert sein.

          Milliardenklage in Amerika

          Kleinaktionäre sehen nicht nur die damit verbundenen Finanzprobleme kritisch sondern auch den Verlust der Unabhängigkeit. Auch deswegen wurde von ihrer Seite auf der Hauptversammlung deutlich Kritik an den Verantwortlichen geübt. Neben dem Aufsichtsrat wurden dabei vor allem die ehemaligen Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter kritisiert. Deren Treiben im Zuge der mit VW ausgefochtenen Übernahmeschlacht wird das Unternehmen auch noch eine Weile begleiten.

          Denn mehrere amerikanische Investmentfonds haben in New York Klage gegen Porsche wegen angeblicher Kursmanipulation eingereicht. Darin verlangen sie Schadenersatz für Kursverluste mit VW-Stammaktien von mehr als einer Milliarde Dollar. Die Klage richtet sich nach Angaben der Fonds auch gegen die beiden früheren Vorstände. Porsche habe Investoren von VW getäuscht, in die Ecke getrieben und damit mehrere Milliarden Euro verdient. Eine außergerichtliche Einigung sei mit Porsche nicht zustande gekommen. Porsche wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben uns immer an geltendes Kapitalrecht gehalten“, erklärte das Unternehmen. Und wegen der schwierigen Beweislage ist es auch am wahrscheinlichsten, dass die Klage letztlich im Sande verlaufen wird. Allerdings stellten sich viele Börsianer schon damals während dem Übernahmekampf oft die Frage, ob dabei wirklich immer mit offenen und dem Regelwerk entsprechenden Karten gespielt wurde.

          Kurserholung dürfte zunächst auf sich warten lassen

          Unter dem Strich haben alle diese Aktivitäten jedenfalls dazu geführt, dass eine ehemals sehr gefragte Aktie abgestraft wurde. Wer trotz aller Turbulenzen unbeirrt an dem Titel festgehalten hat, der ist jetzt wieder bei einer Kursnotiz angelangt, die schon im Oktober 2000 Gültigkeit hatte. Das ist natürlich wenig befriedigend. Und solange die Klage in Amerika nicht endgültig vom Tisch ist, wird es mit einer nachhaltigen Kurserholung zunächst wohl schwierig werden. Zumal ein relativ hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 17 auf Basis der für 2010 geschätzten Ergebnisse und eine Dividendenrendite von unter eins nicht gerade zum Kauf animieren.

          Richtig aufwärts gehen kann es mit der Notiz vermutlich erst dann wieder, wenn die Weltwirtschaft richtig Fuß gefasst hat und bei den Konsumenten beim Kauf eines teuren Sportwagens die Befriedigung des eigenen Egos wieder schwerer wiegt als die Spar- und Bescheidenheitszwänge.

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