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Aktien-Analyse : Mit der Swatch-Aktie tickt das Depot langfristig richtig

  • Aktualisiert am

Swatch im Rampenlicht Bild: AFP

Die Swatch-Aktie ist zuletzt an der Schweizer Börse etwas aus dem Takt geraten. Doch langfristig scheinen die Aussichten gut zu sein für den weltgrößten Uhrenhersteller: Die Produkte aus der Schweiz sind ein Exportschlager.

          Uhren aus der Schweiz sind weltweit ein Exportschlager. Im vergangenen Jahr verkauften sich Uhrenprodukte aus der Schweiz sogar so gut wie noch nie. Die dortige Uhrenindustrie legte beim Export im Jahresvergleich um 16,2 Prozent auf den neuen Rekordwert von rund 16 Milliarden Franken zu. Zugleich verzeichnete die Branche die höchste Wachstumsrate seit 18 Jahren. Insgesamt exportierte die Schweiz 25,9 Millionen Armbanduhren, das waren eine Million Einheiten oder 4,2 Prozent mehr als 2006.

          Richtig gut lief es im Vorjahr auch für den Schweizer Uhrenkonzern Swatch. Der weltgrößte Uhrenhersteller hat 2007 den Umsatz um 17,6 Prozent auf den Rekordwert von 5,9 Milliarden Franken gesteigert. Den Angaben zufolge ist das Wachstum in allen Konzernbereichen stark ausgefallen. Der Konzern erwartet auf der Basis der Umsatzzahlen eine überproportionale Steigerung des operativen Resultates und des Konzerngewinns für 2007, der im März bekannt gegeben werden soll. Das schwierige Währungsumfeld und die höheren Preise für Edelmetalle und andere Rohstoffe, welche die Margen beeinträchtigen, sowie gewisse Engpässe in der Produktion, konnten demnach aufgefangen werden.

          Aktienkurs zuletzt im allgemeinen Abwärtsstrudel gefangen

          Auch für das laufende Jahr ist Swatch optimistisch, da im Januar bereits wieder zweistellige Zuwachsraten erzielt wurden, da auf einen rekordhohen Auftragsbestand aufgebaut werden kann und da auch die Kapazitätsengpässe abgebaut wurden. Trotz der Finanzkrise werde deshalb mit einer Fortsetzung des Wachstums in allen Unternehmensbereichen gerechnet, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. CEO Nick Hayek sagte zudem unlängst, sein Unternehmen könne den Umsatz auf 8 bis 10 Milliarden Franken steigern.

          Trotz der offensichtlich positiven Geschäftsentwicklung sind die Inhaberaktien der Swatch Group (ISIN: CH0012255151) in den vergangenen Monaten kräftig unter die Räder geraten. Gemessen an dem Anfang Oktober 2007 markierten Rekordhoch bei 391,75 Franken hat der Wert in der Spitze 32 Prozent eingebüsst und selbst beim aktuellen Kurs beträgt der Kursrückgang noch immer 24 Prozent. Die Kursschwäche hat neben der allgemeinen Börsenkrise mit der Sorge der Anleger zu tun, dass auch die Nachfrage nach Uhren von einer möglichen Rezession in Amerika und einer deutlich abgeschwächten Weltkonjunktur in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

          Nun sind zwar in der Tat Dellen in der Nachfrage im Falle eines stärkeren wirtschaftlichen Abschwungs nicht auszuschließen. Aber im Grunde genommen stehen die Chancen nicht schlecht auf eine anhaltend robuste Nachfrage nach den Swatch-Uhren. Denn erstens sind Uhren für viele Menschen ein Prestigeobjekt und zweitens haben es die Schweizer in der 25-jährigen Firmengeschichte (mittlerweile ist der Konzern in mehr als 50 Ländern mit rund 20.000 Mitarbeitern aktiv) bisher noch immer verstanden, die richtigen Antworten auf veränderte Marktbedingungen zu geben.

          Bewertung nach Kursrutsch wieder vertretbar

          Was an Swatch zudem gefällt, ist die Chance auf weiter steigende Margen und das breit aufgestellte Produktportfolio. Denn das Unternehmen kann Uhren für jeden Geldbeutel anbieten. Zudem ist man auch geografisch weltweit gut positioniert. Dabei ist zu beachten, dass nur etwa acht Prozent des Gesamtgeschäfts in Amerika gemacht wird. Eine etwaige Schwäche der dortigen Wirtschaft sollte durch die zunehmende Nachfrage aus Osteuropa, Asien (in China ist man beispielsweise im Bereich Luxusuhren Marktführer) und der Goldregion kompensiert werden, zumal in diesen Regionen auch das Interesse an den hochpreisigen und höhermargigen Luxusuhren zunimmt. Schon zuletzt ragten diese Regionen mit deutlichen Zuwachsraten heraus.

          Mit einem KGV von knapp 16 und rund 14 auf Basis der für 2007 und 2008 geschätzten Gewinne ist die Aktie nach dem Kursrutsch angesichts der langfristig positiven Geschäftsaussichten wieder vernünftig bewertet. Das heißt aber nicht, dass sie im Falle einer weiter anhaltenden Marktschwäche nicht ebenfalls Federn lassen würde. Aber auf Sicht der nächsten Jahre dürfte das aktuelle Kursniveau schon eine ganz vernünftige Ausgangsbasis darstellen. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, wartet aber erst einmal ab, bis die allgemeine Börsenschwäche ausgestanden ist. Sollte sich das Umfeld schließlich normalisieren, dürfte eine Rückkehr in den Bereich von 400 Franken je Aktie machbar sein.

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