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Aktien-Analyse : KSH Holdings steht auf einem soliden Fundament

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Bild: FAZ.NET

Einige Kursübertreibungen lassen in Asien auf Übertreibungen an manchen Börsen schließen. In der zweiten Reihe sind aber trotzdem noch günstige Werte zu finden. Zu ihnen zählt der Börsenneuling und Bauwert KSH Holdings.

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          An einigen Börsen in Asien lassen sich Anzeichen für eine Überhitzung finden. Ableiten lässt sich das nicht nur an den massiv gestiegenen Kursen, sondern beispielsweise auch an dem Ansturm von Anlegern, die Neuemissionen zeichnen wollen.

          Einer überaus großen Nachfrage erfreute sich auch der kürzlich vollzogene Börsengang der KSH Holdings (ISIN: SG1U50933969). Die 25 Millionen zum Kauf angebotenen Aktien (die Zahl der Aktien wurde von bisher 63.122.500 auf 88.122.500 erhöht) waren 19-fach überzeichnet, die Retailtranche sogar 433-fach. Und am Tag der Erstnotiz in Singapur am 8. Februar stand am Handelsende ein sagenhaftes Plus von fast 171 Prozent zu Buche. Vergleichsweise riesig waren auch die Umsätze. Mit 30,7 Mio. Aktien wurde die gesamte Emission an einem Tag mehr als einmal umgesetzt.

          Noch immer günstige Bewertung

          Nach dieser Kursexplosion war zu erwarten, dass anschließend Gewinnmitnahmen einsetzen, zumal sich dies auch wegen der kurz danach anstehenden Neujahrs-Feierlichkeiten in Asien anbot, an denen die Börsen einige Tage lang geschlossen blieben. In der Tat kam es nachfolgend zu einer deutlichen Korrektur, mit aktuell 0,64 Singapur-Dollar notiert der Titel aber noch immer um fast 78 Prozent über dem Ausgabepreis von 0,36 Singapur-Dollar.

          Das klingt zwar noch immer nach viel, das deutliche Kursplus lässt sich aber rechtfertigen. Denn die Bewertung des Bauunternehmens ist günstig. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2007 errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zehn. Unterstellt man zudem in den kommenden beiden Jahren weitere Gewinnzuwächse, dass sinkt das Kurs-Gewinn-Verhältnis in den Jahren 2008 und 2009 sogar auf 7,4 und 6,1 (siehe Grafik).

          Einen vorteilhaften Eindruck gewinnt man auch beim Blick auf weitere Bewertungskennziffer. So liegt der Börsenwert von 56,4 Millionen Singapur-Dollar deutlich unter dem 2006 erzielten Umsatz von 118,0 (2005: 91,6) Millionen Singapur-Dollar. Zudem notieren die Anteilsscheine nicht weit entfernt vom Buchwert von knapp 0,50 Singapur-Dollar. Wobei in dieser Zahl noch nicht einmal die vorhandenen stillen Reserven eingeflossen sind. So steht die Beteiligung an einem 36-stöckigen Büroturm in der zehn Millionen-Einwohner großen Stadt Tianjin nur zum Teil abgeschriebenen Anschaffungswerten in der Bilanz.

          Renommiertes Unternehmen

          Doch bei KSH stimmen nicht nur die Bewertung, sondern auch die Unternehmensgeschichte sowie die Zukunftsperspektiven. Denn bei dem Börsenneuling, der auf eine 27 Jahre alte Historie zurückblicken kann, handelt es sich um eine der führenden Baufirmen in Singapur (erwähnenswert ist auch noch, dass die Gesellschaft auch eine Fabrik für Stahlträger betreut, die im Hochbau eingesetzt werden. Die Kapazitäten sollen hier auch mit Hilfe des Emissionserlöses verdoppelt werden).

          Als Qualitätsbeweis kann dabei neben zahlreichen durchgeführten Vorzeigeprojekten auch die Tatsache gewertet werden, dass KSH in einem auf dem Singapurer Baumarkt vor nicht allzu langer Zeit schwierigen Umfeld - anders als viele inzwischen ausgeschiedenen Konkurrenten - stets profitabel gearbeitet hat. Die Solidität der Firma wird zudem auch durch den höchstmöglichen Status A1 verdeutlicht, den KSH bei der Regierungsstelle BCA in Singapur hat. Der Status A1 ermöglicht KSH die Teilnahme an den Ausschreibungen für die größten Projekte im reichen Stadtstaat in unbegrenzter Höhe.

          Günstig ist die Ausgangslage für KSH deshalb, weil die Baukonjunktur in Singapur wieder angesprungen ist. Abgesehen davon tummelt sich die Gesellschaft mit Luxusimmobilien in einem Bereich, der angesichts einer schnell zunehmenden Zahl an reichen Asiaten gute Wachstumsperspektiven hat. das derzeitige Vorzeigeprojekt ist der Aufbau wesentlicher Teile eines neuen Stadtviertels für Superreiche auf der Singapur vorgelagerten Insel Sentosa.

          Neuer Großinvestor sorgt für Phantasie

          Phantasie geht zudem von der bereits eingeleiteten Expansion in Länder wie Malaysia und China aus. Mut macht in Sachen Expansion auch ein neuer Großaktionär. Das Unternehmen Emirates Tarian aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat beim Börsengang 2,7 Millionen KSH-Aktien gekauft hat und nach dem IPO wurde zwischen dem Fonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und KSH eine strategische Partnerschaft angekündigt. Das ist deshalb sehr spannend, weil die Emirate wie andere Ölstaaten in dieser Region einen Teil ihres Petrodollar-Vermögens nach Asien umschichten. Sie nutzen dazu das englischsprachige und von allen internationalen Ratingagenturen als einziges Land Asiens mit der Kreditbestnote “AAA“ benotete Land Singapur als Ausgangsbasis. Die Emirate planen zudem auch umfangreiche Immobilieninvestments in Singapur, was den Reiz der Zusammenarbeit noch einmal zusätzlich erhöht.

          Wie gut die Geschäfte aber unabhängig von dieser Kooperation schon jetzt laufen, lässt sich auch am Oderbuch ablesen. Die bestehenden Aufträge sind nämlich mit 233,8 Millionen Singapur-Dollar mehr als doppelt so hoch wie der Vorjahresumsatz. Und das Ende der Fahnenstange dürfte mit dieser Zahl angesichts der boomenden Baukonjunktur noch lange nicht erreicht sein.

          Fazit: Trotz der aufgeheizten Stimmung an einigen asiatischen Börsen kann die Aktie der KSH Holdings noch als Schnäppchen bezeichnet werden. Die Bewertung ist günstig und die Geschäftsperspektiven sind viel versprechend. Das spricht für langfristig steigende Kurse, sobald der Kurssprung nach der Emission verdaut ist und sich abzeichnet, dass es mit der geplanten Expansion wie geplant vorangeht. Die Aktie wird auch an deutschen Börsen gehandelt. Aufträge sollten hier aber immer mit einem Kauflimit versehen werden und auch der allgemein übliche Stopp-Loss-Kurs sollte nicht vergessen werden.

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