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Aktien-Analyse : Gebeutelte Citron-Aktie hat Chancen auf Kurserholung

  • Aktualisiert am

Reyclinganlage bei Citron Bild: Citron

Die Aktie des Schweizer Recycling-Spezialisten Citron Holding hat seit Mai 2006 schwere Kusverluste erlitten. Begleitet von einer verbesserten Nachrichtenlage versuchen die Papiere nun aber eine Trendwende einzuleiten.

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          Seit Mitte 2006 haben die Aktien der auf das Recycling schwermetallhaltiger Sonderabfälle spezialisierten Citron Holding AG (Isin CH0006242272) einen schweren Stand an der Börse. In Euro gerechnet hat sich der Wert in der Spitze fast um 60 Prozent gegenüber dem Rekordhoch vermindert.

          Zurückzuführen waren die Verluste auf technische Schwierigkeiten am Produktionsstandort im französischen Le Havre. Dort gab es Probleme, weil die Behörden im Jahr 2006 den Kohlenstoffgehalt im Ausstoßprodukt der thermischen Recyclinganlage auf fünf Prozent limitierten, was umfangreiche Produktionsänderungen erforderlich machte. Außerdem musste man sich mit zwei Klagen des französischen Recyclingsverbands Sypred (Syndicat Professionnel du Recyclage et de l'Elimination des Déchets) herumschlagen.

          Halbjahresbericht belegt Rückkehr zu profitablem Wachstum

          Doch inzwischen sind nicht nur die technischen Probleme behoben, sondern auch die Klagen wurden abgewiesen. Die Richter wiesen bei ihrer Entscheidung darauf hin, die beiden Konkurrenten Véolia Environnement und Tredi-Séche (beide Mitglieder von Sypred) seien vor allem darauf ausgewesen, Citrons Geschäfte zu behindern. Unter dem Strich arbeiten die Schweizer nun wieder profitabel, wie sich aus dem jüngsten Zwischenbericht ersehen lässt. Demnach steigerte das Unternehmen in der ersten Hölfte des Geschäftsjahres 2007/2008 den Umsatz um 60 Prozent auf 14,1 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 8,1 Millionen auf drei Millionen Euro, der konsolidierte Reingewinn stieg von minus 3,5 Millionen auf plus 1,22 Millionen Euro.

          Für das gesamte Geschäftsjahr 2007/2008 wurde vom Vorstand ein Reingewinn von 3,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Veranschlagt man auf dieser Basis den Gewinn je Aktie auf rund 14 Euro, errechnet sich ein Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von knapp dreizehn. Das erscheint moderat zu sein. Zumindest dann, wenn man davon ausgehen kann, dass es in den kommenden Jahren mit den Gewinnen bei Citron weiter aufwärts gehen wird.

          Die ausgegebenen finanzielle Ziele für 2008/2009 sehen eine Kostensenkung von fünf bis zehn Prozent vor sowie eine Umsatzsteigerung von ebenfalls fünf bis zehn Prozent. Zudem wird angestrebt, die Jahresproduktion der bestehenden Anlage um zehn Prozent zu erhöhen und einen Trockner mit einer Kapazität von rund 50.000 Tonnen zu bauen, welcher mit der Energie der bestehenden Anlage betrieben wird. Auf dieser Basis scheint ein gewisser Optimismus gerchtfertig zu sein.

          Aktie arbeitet an einer Bodenbildung

          Charttechnisch gesehen ist der langfristige Abwärtstrend zwar noch nicht überwunden. Der Titel ist aber seit einiger Zeit dabei, einen Boden auszubilden. Gelingt der Sprung über die Hürde von 200 Euro könnte es anschließend relativ zügig bis in den Bereich von 240 bis 260 Euro gehen. Ob dieser Sprung schon jetzt in der aktuell schwierigen Börsenphase gelingt, bleibt zwar abzuwarten. Das Schlimmste dürfte die Citron-Aktie aber hinter sich haben. Sollte sich das Börsenklima verbessern, besteht die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss der Bodenbildung.

          Immerhin spricht die Bewertung sowie das robuste Geschäft für die Aktie. Ein Manko stellt allerdings die nur halbjährliche Berichterstattung und das damit verbundene Informationsdefizit dar. Anleger sollten ferner die relativ geringen Börsenumsätze beachten. Sie dürften angesichts einer relativ geringen Aktienanzahl im freien Handel kaum überraschen. Etwaige Aufträge sollten deshalb unbedingt limitiert werden.

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