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Aktien-Analyse : Charttechnik spricht gegen die Biotest-Aktie

  • Aktualisiert am

Pharmaproduktion bei Biotest Bild: Biotest AG

Der Pharmahersteller Biotest muss die bisherige Gewinnprognose stutzen. Das beschert der Aktie ein Tagesminus von mehr als 10 Prozent. Das Chartbild des SDax-Wertes sieht dadurch jetzt alles andere als gut aus.

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          Die Gesundheitsreform und sinkende Preise für Blutplasma-Produkte setzen dem Pharmaunternehmen Biotest zu. Und zwar so sehr, dass der Vorstand zur Wochenmitten die bisherige Gewinnprognose wegen einer unerwartet schlechten Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr und Belastungen in der zweiten Jahreshälfte kappen musste.

          Der Gewinn vor Steuern und Zinsen(Ebit) wird demnach im Jahr 2010 voraussichtlich auf rund 45 Millionen Euro sinken, wobei diese Marke um bis zu zehn Prozent über- oder unterschritten werden könne. In den ersten sechs Monaten schrumpfte das Ebit auf 23,7 von 31,2 Millionen Euro vor Jahresfrist. Bislang hatte Biotest für 2010 vor Steuern und Zinsen mit einem Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres von 61,6 Millionen Euro gerechnet.

          Preisverfall bei Plasmaproteinen belastet

          Schuld an dem Preisverfall bei Plasmaproteinen ist den Angaben zufolge vor allem der bereits seit längerem absehbare Angebotsüberhang. Zudem seien in der ersten Jahreshälfte nicht in allen Vertriebsregionen die geplanten Produktmengen verkauft worden. In der zweiten Jahreshälfte sei mit einer weiterhin verhaltenen Marktentwicklung sowie moderaten zusätzlichen Belastungen durch die jüngsten Änderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung zu rechnen, begründete der Vorstand die Prognosekorrektur. Die politisch verordneten Zwangsrabatte für Heilmittel träfen auch Produkte von Biotest. Die Belastungen beliefen sich voraussichtlich auf jährlich fünf bis sechs Millionen Euro.

          Bild: Tai-Pan

          Vor dem Hintergrund dieser negativen Nachrichten überrascht es nicht, dass der Titel am Mittwoch kräftig verprügelt wird. Die im Kleinwerteindex SDax gelisteten Vorzugsaktien fallen am Nachmittag um 10,6 Prozent auf 29,35 Euro. Da hilft es auch nicht, dass der Pharmahersteller beim Umsatz mit einem Umsatzplus im ersten Geschäftshalbjahr von vier Prozent auf 227,1 Millionen Euro auf einem guten Weg ist, bis Jahresende das angestrebte Umsatzwachstum im einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zu erreichen.

          Ungünstiges Timing für eine Commerzbank-Kaufempfehlung

          Ärgern dürften die negativen Meldungen nicht nur die Aktionäre sondern auch die Analysten der Commerzbank. Denn die haben Mitte Juni die Biotest-Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 43 Euro in die Bewertung aufgenommen. Zur Begründung hieß es in der Studie noch, ein stärkerer Fokus auf das Plasmaprotein-Geschäft sollte helfen, einen vorübergehenden Preisdruck zu mindern und die Weichen für eine Expansion zu stellen. Zudem sollte Biotest von einer zyklischen Markterholung sowie einer Ausweitung des Portfolios in Amerika im kommenden Jahr profitieren.

          Wenn sich diese Erwartungen erfüllen, dann könnte der von 2003 bis 2008 sehr stark gestiegene Aktienkurs mittelfristig auch wieder bessere Zeiten sehen. Doch darauf schon jetzt zu wetten erscheint verfrüht. Das Chartbild hat sich durch die jüngsten Verluste und dem damit verbundenen Rückfall auf ein 14-Monatstief jedenfalls deutlich eingetrübt. Denn dadurch ist es jetzt nicht mehr ausgeschlossen, dass die Notiz auch noch weiter in Richtung des Vorjahrestiefs bei 25,30 Euro fallen wird.

          Damit sich der Kurs irgendwann wieder stabilisieren kann, werden aber bessere Nachrichten aus dem Unternehmen nötig sein, als das leider aktuell der Fall ist. Außerdem werden die Anleger erst Klarheit darüber haben wollen, wie es mit dem geplanten, aber derzeit zurückgestellten Verkauf der Aktienmehrheit durch die Großaktionärin weitergeht.

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