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Aktien-Analyse : Aufspaltungspläne beflügeln die Aktie von Kraft Foods

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Der weltweit zweitgrößte Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods will sich in zwei eigenständige Unternehmen aufspalten. Trotz einem schwachen Marktumfeld verhilft das dem Hersteller von Marken wie Jacobs-Kaffee, Milka oder Mirácoli zu einem Tagesplus.

          Den Plänen des Vorstandes zufolge sollen das nordamerikanische Lebensmittelgeschäft und das etwa doppelt so große Snackgeschäft als eigenständige Unternehmen an der Börse notiert werden.

          Für den Hintergrund: Im nordamerikanischen Nahrungsmittelgeschäft erzielt Kraft Foods einen Umsatz von rund 16 Milliarden Dollar. In dem wesentlich größeren Snackgeschäft erlöst der Konzern aus Northfield rund 32 Milliarden Dollar. Diesen Bereich hatte Kraft in den vergangenen Jahren massiv durch Übernahmen, wie etwa dem Keksgeschäft LU von Nestlé oder Cadbury, ausgebaut.

          „Wir haben zwei starke, aber unterschiedliche Bereiche aufgebaut“, erläuterte CEO Irene Rosenfeld. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sollen die Bereiche nun voneinander getrennt werden. Vor Jahresende 2012 soll die Aufspaltung vollzogen sein.

          Geschäftszahlen überzeugen ebenfalls

          Investoren finden Gefallen an den Plänen: Die Aktie von Kraft verteuert sich gegen 17.00 Uhr um Prozent auf Dollar. Ein schwacher Gesamtmarkt verhindert aber eine noch bessere Bilanz. Im vorbörslichen Handel in Amerika lag der Titel teilweise jedenfalls schon 7 Prozent vorne und im europäischen Handel war das Plus teilweis sogar noch größer gewesen.

          Honoriert werden mit diesem Kursverhalten aber auch die ebenfalls am Donnerstag für das zweite Quartal vorgelegten Geschäftszahlen. Denn diese sind so ansprechend ausgefallen, dass man sich ermutigt sah, den Jahresausblick zu erhöhen. Trotz der Belastungen, die aus den höheren Rohstoffpreisen resultieren, ist es Kraft gelungen, den Gewinn von April bis Juni zu steigern.

          Das Nettoergebnis stieg um 4 Prozent auf 976 Millionen oder 0,55 (0,54) Dollar je Aktie. Kräftiger als die Gewinnsteigerung fiel das Umsatzwachstum aus. Die Erlöse kletterten um 13 Prozent auf 13,9 Milliarden Dollar. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten mit Erlösen von 13,2 Milliarden Dollar und einem Ergebnis von 0,58 Milliarden Dollar je Aktie gerechnet.

          Für das laufende Geschäftsjahr bleibt Kraft optimistisch. Das organische Wachstum soll mindestens 5 Prozent betragen. Bisher hatte Kraft 4 Prozent angepeilt. Das Ziel für den operativen Gewinn je Aktie erhöhte Kraft auf mindestens 2,25 Dollar von zuvor 2,20 Dollar. „Trotz steigender Kosten und eines schwankungsanfälligen Konjunkturumfelds wird 2011 dank unserer Maßnahmen zur Kostenkontrolle gepaart mit steigenden Umsätzen ein erfolgreiches Jahr“, so CFO David Brearton.

          Details zu den Aufspaltungsplänen

          Die nun überraschende Ankündigung zur Aufspaltung folgt rund 18 Monate nach der Übernahme von Cadbury, mit der sich Kraft seinerzeit zur Nummer zwei in der Riege der Nahrungsmittelbranche weltweit katapultierte. Den Zukauf des britischen Süßwarenherstellers hatten sich die Amerikaner 16,7 Milliarden Dollar kosten lassen.

          Den Planungen von Kraft zufolge soll nun das globale Snack-Unternehmen aus der derzeitigen Kraft Foods Europe, den Töchtern in den Schwellenländern sowie dem nordamerikanischen Snack- und Süßwarengeschäft bestehen. Das nordamerikanische Lebensmittelunternehmen werde das derzeitige amerikanische Getränke-, Käse-, Convenience- und Lebensmittelaktivitäten beinhalten.

          Kraft folgt mit der Aufspaltung zahlreichen anderen Unternehmen, die in den vergangenen Monaten ähnliche Pläne publik gemacht haben. Dazu gehören unter anderem Sara Lee, Fortune Brands oder Motorola. Auch eine Reihe von Energieunternehmen hatten jüngst entsprechende Vorhaben angekündigt.

          Charttechnik passt - Bewertung aber nicht wirklich günstig

          Neben einer noch schlagkräftigeren Aufstellung (die beiden Konzernteile könnten alleine besser wachsen, begründete auch Rosenfeld den Schritt) zählt es in der Regel zu den wichtigsten Zielen von Aufspaltungsmaßnahmen, den Börsenwert des Unternehmens zu steigern. Ob das gelingt, wird auch davon abhängen, wie es künftig gelingen wird, Preissteigerungen bei der Herstellung an die Kunden weiterzugeben.

          Außerdem soll die Zweiteilung erst bis Ende 2012 über die Bühne gehen. Denn zur Umsetzung müssen auch noch die Behörden und der Verwaltungsrat endgültig zustimmen. Und erst danach wird sich zeigen können, ob die beiden Gebilde getrennt agierend tatsächlich noch einen Zahn werden zulegen können.

          Charttechnisch gesehen bewegt sich der Titel in einem seit Ende März 2009 gültigen Aufwärtstrend. Mit den heutigen Gewinnen könnte es zudem auch auf Schlusskursbasis gelingen, auf ein neues Jahreshoch vorzustoßen. Das wäre ein ermutigendes Signal.

          Ganz langfristig betrachtet muss aber konstatiert werden, dass der Wert nun schon seit einem Jahrzehnt praktisch nur auf der Stelle tritt. Und damit sich daran grundsätzlich etwas ändert, wird das Unternehmen in der Tat etwas Gas geben müssen. Denn die Bewertung ist mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2011 von knapp 16 maximal als neutral zu bezeichnen.

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