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Aktien-Analyse : Arques-Aktie nach wie vor nur etwas für echte Zocker

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Nach einer langen Talfahrt deutet der Chart der Arques-Aktie eine Bodenbildung an. Doch den Chancen auf einen Turnaround stehen auch erhebliche Risiken gegenüber. Ein Aktienkauf ist deshalb eher eine spekulative Wette als ein solides Investment.

          Lange haben die Anleger und die interessierten Beobachter warten müssen, denn immer wieder musste die Vorlage des Jahresabschlusses durch Arques Industries verschoben werden. Doch seit Ende vergangener Woche ist das Warten endlich vorbei. Denn da hat die Starnberger Beteiligungsgesellschaft, die auf die Restrukturierung von Unternehmen in Umbruchsituationen spezialisiert ist, das Zahlenwerk für 2009 vorgelegt. Und die darin gemachten Angaben bestätigen, dass die Verantwortlichen von Arques ihr Know How am sinnvollsten erst einmal auf das eigene Unternehmen konzentrieren, denn dabei handelt es sich um einen Sanierungsfall.

          Der Vorstand selbst spricht vom schwierigsten Jahr der Unternehmensgeschichte. Wie schwierig es war, zeigt sich auch an einem weiter von 5,5 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz. Zudem führten die für die Portfoliobereinigung erforderlichen Abschreibungen und Wertminderungen dazu, dass auch das Konzernergebnis mit minus 153,0 Millionen Euro noch einmal höher als das Vorjahresminus von 145,7 Millionen Euro ausgefallen ist.

          Verkauf von Gigaset soll ausreichend Geld in die Kassen spülen

          Dem Aktienkurs konnte das allerdings nicht mehr anhaben, denn die Anleger hatten sich bereits zuvor auf schlechte Nachrichten eingestellt. Außerdem dürften sich einige Marktakteure darauf konzentriert haben, dass der Arques-Vorstand erste Erfolge der Restrukturierungsarbeiten zu erkennen glaubt. So habe man im ersten Quartal 2010 ein über den Erwartungen liegendes positives operatives Ergebnis erwirtschaftet. Das Nachsteuerergebnis belief sich demnach auf plus 1,0 Millionen Euro nach minus 38,5 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und angesichts der sich aufhellenden Konjunktur und sichtbarer Restrukturierungserfolge bei den Beteiligungen hält man das Erreichen der operativen Gewinnschwelle in 2010 für realistisch.

          Viel wird dabei aber auch davon abhängen, ob es wie geplant gelingt, die größte Beteiligung Gigaset Communications GmbH, an der Arques 80 Prozent der Anteile hält, erfolgreich loszuschlagen. Derzeit macht der Anbieter für Schnurtelefone aber zumeist noch negative Schlagzeilen. Konkret wird mit dem früheren Mehrheitseigner Siemens um ausstehende Kaufpreisraten und Investitionszusagen gekämpft. Nach mehreren Zivil- und Schiedsgerichtsklagen erstattete der Technologiekonzern unlängst sogar Strafanzeige gegen Arques-Vorstand Michael Hütten wegen des Verdachts auf Untreue in seiner Zeit als Gigaset-Chef. Siemens fordert von Arques die ausstehende Kaufpreisrate von 15 Millionen Euro, Ulmke betrachtet den Betrag als erlassen.

          Noch immer gibt es viele Fragezeichen

          Das alles ist natürlich keine gute Publicity und schadet ganz allgemein dem Image von Arques. Nicht gerade zur Beruhigung der nervösen Gemüter der Anleger dürfte es beitragen, dass der eigene Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers wiesen im Geschäftsbericht 2009 darauf hindeutet, „dass der Bestand der Gesellschaft und des Konzerns bedroht“ sei. Dem Unternehmen drohe das Geld auszugehen, heißt es in dem Testat vom 9. Juli.

          Die Verantwortlichen bei Arques meinen zwar, diese Risiken seien inzwischen abgewendet. Aber die Eigenkapitaldecke spricht noch eine andere Sprache. Ende 2009 ist das Eigenkapital mit 25,5 Millionen Euro unter das Grundkapital von 26,4 Millionen Euro gerutscht. Das Unternehmen ist deshalb auf das Geld aus dem angepeilten Komplettverkauf von Gigaset angewiesen.

          Bringt der Verkauf die erhofften Erlöse, könnte das zu einer Art Befreiungsschlag für den Titel werden. Schon in den vergangenen Monaten hat der Wert charttechnisch gesehen versucht, einen Boden auszubilden. Doch selbst wenn der Verkauf gelingt, stellt sich nach der schwachen Bilanz der Vorjahre die Frage, ob das Management von Arques überhaupt in der Lage ist, das Unternehmenskonzept langfristig zum Erfolg zu führen. Außerdem weisen die Experten von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre noch darauf hin, dass sich bei der nächsten Bewertung der Werthaltigkeit der Beteiligungen zeigen muss, wie viel die verbliebenen Beteiligungen überhaupt noch wert sind.

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