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United Internet : Doppelt so gut wie Apple – und noch Luft nach oben?

Ralph Dommermuth: Das Unternehmen United Internet machte ihn zum Milliardär. Bild: dpa

Ausgerechnet eine deutsche Internetaktie läuft zur Zeit glänzend. Der Umsatz und der Gewinn steigen von Quartal zu Quartal und der Gewinn speist eine millionenfache Kundenbasis.

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          Wer sich für Internetaktien interessiert, hat üblicherweise Apple, Facebook und Google im Blick. Dabei residiert ein Unternehmen in Deutschland, das das Wort Internet sogar im Namen trägt. United Internet fällt aber gerne mal durchs Investorenraster. Liegt es am fehlenden Glamour des im Tec-Dax vertretenen Konzerns? Sein Standort Montabaur ist mindestens so unauffällig wie sein Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär Ralph Dommermuth, der eher das Charisma eines Steuersachbearbeiters verbreitet als das eines Steve Jobs.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Börsianer sollten sich von solchen Faktoren nicht täuschen lassen. Wer als Anleger United Internet in letzter Zeit links liegen ließ oder sogar ignorierte, hat etwas falsch gemacht. Auf Fünf-Jahres-Sicht entwickelte sich der Aktienkurs des Westerwälder Unternehmens doppelt so gut wie der führender Silicon-Valley-Stars. Während Aktien von Apple und der Google-Muttergesellschaft Alphabet heute rund 150 Prozent mehr kosten als Ende 2010, beträgt die Steigerungsrate bei United Internet mehr als 300 Prozent. Seit Anfang 2013, als sich der Kurs um ein Niveau von 16,50 Euro bewegte, ging es beständig bergauf. Am Dienstag notierte die United-Internet-Aktie bei 47,80 Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Dieser ungebrochene Aufwärtstrend überrascht, wenn man einen schnellen Blick auf die Angebotspalette wirft. United Internet hat weder ein Produkt wie Google zu bieten (ohne Suche keine Orientierung im Netz) noch wie Apple (das Handy als „Musthave“-Produkt). Stattdessen bringt es seine Kunden mit DSL-Anschlüssen ins Internet (bringen viele andere auch), bietet E-Mail-Konten (bieten viele andere auch) oder verkauft Mobilfunkverträge (verkaufen viele andere auch). Was also macht den Erfolg aus?

          Die Homepage klärt auf: „Durch jeden neuen Kunden wird die Internetfabrik profitabler. Die Investitionen in die Fabrik sind bereits getätigt, die Produkte in Form von webbasierten Applikationen erstellt. Nun kommt es darauf an, diese so gut wie möglich auszulasten. Je mehr Kunden Produkte nachfragen, die wir in unserer Internetfabrik erstellen können, desto größer der Gewinn.“ Für Betriebswirte in aller Kürze: Economy of Scale lautet im Hause United Internet das „Zauberwort“.

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          Zuletzt konnten sich Analysten und Börsianer am Dienstag überzeugen, dass das Konzept funktioniert. Im dritten Quartal legten dank zahlreicher Neukunden Erlöse und Ergebnis deutlich zu. Der Umsatz stieg im Neunmonatszeitraum um 27 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro, der Gewinn (Ebitda) um 46 Prozent auf 555 Millionen Euro. Den Gewinn speist eine millionenfache Kundenbasis: Mehr als 15 Millionen kostenpflichtige Kundenverträge und 32 Millionen werbefinanzierte Gratis-Konten, verteilt auf Marken wie 1&1, GMX und Web.de.

          Auch wenn die Aktie inzwischen nahe ihrem Allzeithoch notiert, sind die Analysten noch immer zuversichtlich: Im Consensus-Rating von Bloomberg empfehlen nur drei einen Verkauf des Papiers, sechs raten, die Aktie zu halten, und 16 zu einem Kauf. Großaktionär Dommermuth stimmt ein: Fragt man ihn, hat die Aktie noch viel Luft nach oben. Kein Wunder: Das Unternehmen hat ihn zum Milliardär gemacht. Und das will er bleiben.

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