https://www.faz.net/-gv6-7ub0v

Börsengang : Ist die Rocket-Aktie gut?

Oliver Samwer will eine Rakete steigen lassen Bild: dpa

Die Zalando-Großaktionäre Samwer bringen ihre Holding Rocket Internet an die Börse. Was diese wert ist, lässt sich schwer beziffern. Es geht um die Phantasie vom Erfolg.

          4 Min.

          Nun scheint es fast Schlag auf Schlag zu gehen. Nach dem Online-Modehändler Zalando bietet jetzt auch der ehemalige Eigentümer, die Internet-Holding Rocket Internet, im Zuge eines Börsengangs ihre Aktien feil. Von Mittwoch an bis zum 7. Oktober können Anleger Angebote für 32,9 Millionen Aktien zu einem Preis von 35,50 Euro bis 42,50 Euro abgeben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          1,4 Milliarden Euro könnte der Börsengang damit brutto einbringen. Das ist fast doppelt soviel wie ursprünglich geplant. Bislang strebte Rocket Internet Einnahmen von rund 750 Millionen Euro an. Nachdem aber nun ein Investmentfonds der Gesellschaft Baillie Gifford, der Vermögensverwalter JP Morgan Securities und andere institutionelle Investoren Aktien im Wert von insgesamt 582,5 Millionen Euro erwerben werden, wurde das Volumen ausgeweitet. Damit könnte es der größte Börsengang des Jahres in Deutschland werden.

          Rocket Internet ist eine Holding, die an rund 100 Unternehmen weltweit beteiligt ist. Das macht die Bewertung naturgemäß schwierig. Substanz ist zweifelsohne vorhanden. Es stellt sich die Frage, wie viel und ob sie den Preis wert ist.

          Die Holding unterscheidet ihre Beteiligungen nach bestimmten Gruppen. Die wichtigste davon ist die Gruppe der 11 „Proven Winners“, die 2013 insgesamt 757 Millionen Euro umsetzte, gleichzeitig aber einen kumulierten Verlust von 442 Millionen verzeichnete.

          Keine dieser Beteiligungen arbeitet gewinnbringend. Auf operativer Basis stecken all diese Beteiligungen in der Verlustzone. Die vier großen Umsatzbringer sind die Modehändler Dafiti und Lamoda, die in Südamerika oder Russland aktiv sind sowie die Möbelanbieter Westwing und Home24, die fast zwei Drittel der Umsätze der „Proven Winners“ erbrachten, aber nur ein Drittel der Verluste.

          "Proven Winners" von Rocket Internet
          Unternehmen Branche Region Umsatz Operativer Verlust Reinverlust
          Dafiti Mode Südamerika 146,00 72,00 0,80
          Lamoda Mode Russland 122,00 45,50 40,10
          Zalora Mode Südamerika 68,90 68,30 71,10
          Jabong Mode Indien 57,00 32,20 37,90
          Namshi Warenhaus Afrika 11,00 10,05 10,40
          Lazada Elektronik Südostasien 56,80 50,70 51,80
          Linio Warenhaus Südamerika 47,90 34,10 35,90
          Jumia Mode Asien-Pazifik 29,00 33,60 35,10
          Westwing Möbel International 111,40 39,50 41,50
          Home24 Möbel Europa 92,80 37,90 41,80
          Hellofresh Lebensmittel Nordamerika 14,20 5,20 5,40
          Quelle: Rocket Internet; Umsatz und Verluste in Millionen Euro

          Vor allem Dafiti steht mit einem Verlust von umgerechnet 800.000 Euro knapp an der Gewinnschwelle. Allerdings war man 2012 schon einmal näher daran, Gewinn zu erwirtschaften. Angesichts eines Umsatzplus‘ von 88 Prozent ist der höhere Verlust allerdings zu verschmerzen. Besser entwickeln sich die Möbelhändler, die ihre Verluste trotz eines Umsatzanstiegs um 90 Prozent fast halbieren konnten.

          In der Erfolgsrechnung von Rocket Internet schlägt sich dies mit einem Umsatz von 72,5 Millionen Euro nieder. Dabei machte die Holding einen Gewinn von rund 174 Millionen Euro. Dies ist dadurch begründet, dass zum einen knapp 200 Millionen Euro als Einkünfte von assoziierten Unternehmen vereinnahmt wurden sowie sonstige betriebliche Einkünfte von 65,9 Millionen Euro anfielen. Letztere stammten fast ausschließlich aus dem Verkauf von Anteilen an Zalando, erstere sind das Ergebnis von Eigenkapitalfinanzierungen an Beteiligungsunternehmen.

          Beteiligungswerte nicht übermäßig verlässlich

          Rocket Internet postuliert als Strategie, die größte Internetplattform außerhalb der Vereinigten Staaten und China zu werden. Dazu müssen sich die bestehenden Beteiligungen gut entwickeln und neue Geschäftsfelder erschlossen werden, wozu auch die durch den Börsengang eingenommenen Mittel dienen sollen. Online-Händler zum Erfolg zu führen ist möglich, wenngleich nicht einfach, wie auch die schwankende Ertragsentwicklung von amazon.com belegt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.