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Autozulieferer : Aktie von Pankl Racing Systems könnte langfristig weiter steigen

  • Aktualisiert am

Auch für den Eurocopter AS 355 liefert Pankl zu... Bild: Pankl Racing systems

Einen deutlichen Ergebniseinbruch verzeichnete der Autozulieferer Pankl Racing Systems im abgelaufenen Geschäftsjahr. Indes war dies aufgrund der Restrukturierung erwartet worden. Erste Zeichen für einen Erfolg der Strategie lassen Hoffnung aufkeimen.

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          Mit dem Spekulieren auf Unternehmensergebnisse ist es immer so eine Sache. Geht alles gut, profitiert man von den Käufen konservativ agierender Anleger. Geht die Spekulation aber nicht auf, so kann es zu deutlichen Verlusten kommen.

          Auf über den Erwartungen liegende Ergebnisse dürften die Anleger auch bei Pankl Racing Systems spekuliert haben. Seit Vorlage der Ergebnisse für die ersten neun Monate des im September zu Ende gegangenen Geschäftsjahres legte der Aktienkurs bis vor wenigen Tagen rund 44 Prozent auf 27,57 Euro und damit ein neues Vier-Jahres-Hoch zu. Allerdings scheint die Investoren dann vor einigen Tagen doch die Courage verlassen zu haben, und die Notiz gab wieder bis auf 26,35 Euro ab.

          Erwartungen übertroffen

          Indes hat das Unternehmen aus Österreich die Erwartungen durchaus übertroffen. Der Konzernumsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 13,4 Prozent auf 93,4 Millionen Euro, wobei das Wachstum in erster Linie auf die Bereiche Aerospace- und Antriebssysteme zurückzuführen sei. Analysten hatten lediglich mit einem Umsatz von 90,7 Millionen Euro gerechnet.

          ... zum Beispiel Heckrotorwellen
          ... zum Beispiel Heckrotorwellen : Bild: Pankl Racing Systems

          Das operative Ergebnis (Ebit) vor Berücksichtigung von einmaligen Sonderbelastungen belief sich auf fünf Millionen Euro nach 3,5 Millionen im Vorjahr, was einer Ebit-Marge von 5,3 Prozent entsprach. Diese Ergebnisverbesserung sei zurückzuführen auf eine anhaltend hohe Nachfrage verbunden mit einem günstigen Produktmix im Antriebsbereich, zudem auf Produktivitätssteigerungen, Preiserhöhungen und auf die plangemäße Erhöhung des ertragreicheren Serienfertigungsanteils im Aerospacebereich.

          Erfreulicherweise, so heißt es bei Pankl, habe man auch den angestrebten Turnaround im Aerospacebereich realisieren können. Das Nettoergebnis fiel indes von 3,82 Millionen Euro im Vorjahr auf lediglich 145.000 Euro zurück.

          Hoher Restrukturierungsaufwand

          Dies war aber erwartet worden. Im Gegenteil hatten Analysten zum Teil mit Verlusten gerechnet. Hintergrund des Ergebnisrückgangs sind Strategieänderungen beim Konzern, deren Folgen sich mit einer Belastung von 4,6 Millionen Euro negativ niederschlugen.

          So hat Pankl Racing Systems das Geschäft mit Konvertern und Getrieben restrukturiert und erwartet im neuen Geschäftsjahr daraus keine weitere Ergebnisbeeinträchtigung mehr. Im Bereich Konverter wurde die Entwicklung komplett eingestellt, künftig sollen nur mehr die bereits vorhandenen Patente verwertet werden. Der an sich sehr erfolgreiche Renngetriebebereich werde künftig aus wirtschaftlichen Gründen mit strategischen Partnern abgedeckt. Unter Berücksichtigung der Einmalaufwendungen ergab sich ein Ebit von 422.000 Euro.

          Künftig will sich Pankl auf die Kerngeschäftsfelder konzentrieren. Der Zulieferer für die Motorsportindustrie sieht diese im Motor- und im Antriebsbereich, konkret in der Entwicklung, Prototypenfertigung und Produktion mechanischer Teile für Motoren wie Kolben, Pleuel und Kurbelwelle sowie die Produktion verschiedener Komponenten und Systeme zwischen Motor und Reifen: Radaufhängung, Antriebsstrang, Kardanwelle, Getriebe, Fahrwerk und Auspuff.

          Pankl will noch konkurrenzfähiger werden

          Seit Mitte der neunziger Jahre ist Pankl zudem als Zulieferer für die Luftfahrtindustrie tätig und stellt hier zum Beispiel Rotorwellen für Helikopterbauer wie Agusta/Westland, Eurocopter oder Sikorsky her. Darüber hinaus beliefert Pankl Aerospace Hersteller von Luftbetankungssystemen mit Luftbetankungsrohren für Militärflugzeuge.

          Im Motorsport will man versuchen, den Technologievorsprung zu erhalten und „wenn möglich“ auszubauen. In der Automobilzulieferung will man mit der Errichtung einer Fabrik in der Slowakei konkurrenzfähigere Strukturen und damit die Voraussetzungen für profitables Wachstum schaffen. Insgesamt sollen durch diesen Strategiewechsel künftig deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Dazu gehört auch die weitere Erhöhung des Serienfertigungsanteils im Luftfahrtbereich.

          Obgleich Pankl ein Spezialist ist, hat der Druck auf Zulieferer in den vergangenen Jahren auch Pankl erfaßt. 2001 hatte man bei 54,1 Millionen Euro Umsatz noch einen Gewinn von 6,7 Millionen Euro verbucht. Zwei Jahre später schrieb man trotz höheren Umsatzes deutliche Verluste.

          Kurzfristig verhaltene Kursentwicklung möglich

          Zwar verbesserten sich die Ergebnisse in den Folgejahren deutlich, doch offenkundig sah das Management die dringende Notwendigkeit, sich langfristig zu positionieren. Auf den Erfolg dieser Strategie hoffen auch die Analysten, die für das kommende Jahr bei einer moderateren Umsatzsteigerung von einer deutlichen Gewinnverbesserung ausgehen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der aktuellen Schätzungen bei etwa 15 taxieren.

          Das ist zwar nicht mehr ausgesprochen preiswert, erscheint aber noch nicht überteuert. Charttechnisch befindet sich die Aktie seit Anfang des Jahres 2003 im langfristigen Aufwärtstrend. Indes verlief die Kursentwicklung im zu Ende gehenden Jahr 2006 doch recht volatil und verdankt ihr Plus den Gewinnen vom Jahresanfang sowie den vergangenen Monaten.

          Am Donnerstag startet das Papier mit einem Plus von rund 1,5 Prozent in den Handel und kann damit das Dezemberhoch nicht erreichen. Im Handelsverlauf der kommenden Tage muß sich zeigen, ob sich das Dezemberhoch als hartnäckige Hürde erweist oder ob es geknackt werden kann. Das wäre die Voraussetzung für eine weiterhin positive Kursentwicklung.

          Eine zentrale Rolle dürfte dabei den Ergebnissen des ersten Quartals zukommen. Können diese die erhofften Erfolge aus der Restrukturierung bestätigen, so dürfte neuen Hochs nichts im Wege stehen. Der Turnaround im Luftfahrtbereich stimmt schon einmal hoffnungsvoll. Bis dahin aber könnte die Kursentwicklung so wie am Donnerstag etwas verhalten verlaufen.

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