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Aktie von BASF : Nach massiven Kursgewinnen fair bewertet

  • Aktualisiert am

Hochregallager von BASF Bild: BASF

Mit gewaltigen Kursgewinnen reagiert am Mittwoch die Aktie des Chemieriesen BASF auf die sehr optimistische Stimmung an den Weltbörsen, vor allem jedoch auch auf die völlig überraschend vorgelegten vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal.

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          Mit gewaltigen Kursgewinnen von bis zu sieben Prozent auf 40,53 Euro in der bisherigen Tagesspitze reagiert am Mittwoch die Aktie des Chemie- und Agrarriesen BASF auf die allgemein sehr optimistische Stimmung an den Weltbörsen, vor allem jedoch auch auf die völlig überraschend vorgelegten vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Jahres.

          Eigentlich war die Veröffentlichung der Zahlen erst für Ende des Monats vorgesehen. Und es wäre ein Wehrmutstropfen, wenn das bisher traditionell und solide wirtschaftende Unternehmen sich nun plötzlich dem allgemeinen Unsitte angeschlossen hätte, künstlich ein positives Bild zu zeichnen, indem es Zahlen dann veröffentlicht, wenn sei besonders gut aussehen.

          Wachstum im Quartalsvergleich, aber deutlich unter dem Vorjahresniveau

          Tatsächlich werden die Umsatz- und Ertragszahlen an den inzwischen längst euphorisierten Börsen deswegen so gefeiert, weil sie natürlich „besser als erwartet“ sind und auch vom Unternehmen selbst so bezeichnet werden. Das ist schade, hat es die Konsenserwartungen der Analysten im Vorfeld offensichtlich doch informativ so gesteuert, dass sie übertroffen werden mussten.

          Bild: FAZ.NET

          Tatsächlich lagen die Erlöse im dritten Quartal mit 12,8 Milliarden Euro 2,4 Prozent über dem Umsatz des Vorquartals, allerdings noch satte 19 Prozent unter der Vergleichsperiode des Vorjahres. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen lag mit 1,25 Milliarden Euro 20 Prozent unter dem Niveau des Vergleichszeitraumes des Vorjahres, aber 9,5 Prozent über dem Vorquartal.

          Die verbesserten Ergebnisse des dritten Quartals spiegelten die operative Stärke der BASF wider, erklärte das Unternehmen sich selbst lobend. Dazu der Vorstandsvorsitzende der BASF Jürgen Hambrecht: „Unsere Strategie stimmt. Unsere konsequent und frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen zur Anpassung der Kapazitätsauslastung und zur Kosteneinsparung zeigen ihre Wirkung. Dies ist eine überzeugende Leistung des weltweiten BASF-Teams.“ Wachstumsimpulse kämen aus Asien, insbesondere aus China, sowie aus Teilen Südamerikas. Insgesamt hätten sich die Märkte auf niedrigem Niveau stabilisiert, hieß es weiterhin optimistisch.

          Auf der anderen Seite bleibe die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate weiterhin schwer einzuschätzen. Selbst wenn sich die Stimmung leicht aufgehellt habe und das Rezessionstal wohl verlassen worden sei, bleibe die Erholung langsam und fragil, erklärte Jürgen Hambrecht weiter. Tatsächlich dürfte eine gewisse Skepsis dieser Art berechtigt sein. Denn das Unternehmen profitiert derzeit von vielen Sondereffekten, die sich aus extrem lockeren Geldpolitiken und staatlichen Stützungsmaßnahmen - vor allem auch in Asien - auf Pump ableiten. Diese dauern jedoch nicht ewig, so dass noch unsicher ist, ob sich die Weltwirtschaft tatsächlich wird so rasch und deutlich wird erholen können, wie die Anleger das derzeit unterstellen.

          Aktie allenfalls fair bewertet - Dividende noch reizvoll

          Tatsächlich ist BASF stark europa- und amerikalastig. In diesen Regionen jedoch stehen die Konsumenten aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, stagnierender Einkommen und der zunehmenden Belastung durch Steuern und sonstigen Abgaben, die alleine schon wegen der rasant zunehmenden Staatsverschuldung wahrscheinlich werden, in der Defensive. So stellt sich die Frage, wo letztlich die Endnachfrage nach Produkten herkommen soll, auf die die zunehmende Zahl exportorientierter Staaten, die ihre Währungen vielfach künstlich tief halten, herkommen sollte.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 22,4 und knapp 17 auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr, die unter anderem eine Gewinnsteigerung von knapp 40 Prozent im kommenden Jahr unterstellen, ist die Aktie nach den massiven Kursgewinnen fair bewertet. Gewisse Reize bietet noch die Dividendenrendite von 4,9 Prozent. Nachdem sich der Kurs der Aktie seit März beinahe verdoppelt hatte, empfehlen sich Absicherungsstrategien gegen Rückschläge, obwohl der Aufwärtstrend eindeutig ist.

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