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Aktie im Blick : Die Börse feiert Fielmann

Fielmann freut die Aktionäre. Bild: dpa

Die Optikerkette vereint die Hälfte des deutschen Brillenmarktes auf sich. In Zukunft sollen Hörgeräte für Wachstum sorgen.

          Niemand verkauft in Deutschland mehr Brillen als die Optikerkette Fielmann. Das börsennotierte Familienunternehmen aus Hamburg bringt jedes Jahr mehr als sieben Millionen Sehhilfen unter das Volk, von der Lese- bis zur Sonnenbrille. Damit vereint Fielmann mit seinem dichten Netz an Läden in ganz Deutschland die Hälfte des gesamten Brillenmarktes auf sich. Weil die Mitarbeiter in den Filialen aus Sicht des 74 Jahre alten Gründers und Firmenpatriarchen Günther Fielmann nicht nur Servicekräfte, sondern zugleich auch so etwas wie Werbeträger sein müssen, sollen möglichst alle Beschäftigten in den Filialen eine Brille tragen, ob sie nun schlecht sehen oder nicht. Wer gesunde Augen hat, trägt eben ein Modell mit Fensterglas. Hauptsache, der Kunde sitzt im Beratungsgespräch einem Brillenträger gegenüber.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Wie wichtig solche Kosmetik für den Erfolg des Unternehmens ist, lässt sich schwer sagen. Fest steht: Das Geschäft läuft wie geschmiert. Während die Branche in Deutschland mit Absatzeinbußen kämpft, verkauften die Hamburger im vergangenen Jahr fast 4 Prozent mehr Brillen. Das Ergebnis wuchs sogar noch stärker, weil Kunden zu teuren und damit margenstärkeren Modellen griffen. Und auch für die Zukunft sind die Perspektiven vielversprechend. Weil die Leute immer älter werden, brauchen immer mehr Menschen eine Sehhilfe.

          Seit Anfang Januar hat die Aktie rund 12 Prozent an Wert gewonnen und kostet zurzeit etwa 96 Euro. Damit hat das Papier den Mittelwerteindex M-Dax klar geschlagen, in dem Fielmann seit fünf Jahren notiert ist und der seit Jahresbeginn kaum vorangekommen ist. Einen so starken Anstieg haben die Aktionäre der Fielmann AG, die als grundsolide, aber ein wenig langweilig gilt, schon lange nicht mehr gesehen. Dazu dürfte die steigende Gewinnspanne beigetragen haben. Fielmann hat 2013 vor Steuern knapp 200 (Vorjahr: 180) Millionen Euro verdient. Das waren etwa 17 Prozent des Konzernumsatzes von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Rendite hat sich damit zum ersten Mal seit Jahren signifikant verbessert. Analysten wie Anna Patrice und Rupert Trotter von der Berenberg Bank glauben, dass sich diese Tendenz in den kommenden Jahren fortsetzt. Fielmann verkaufe mehr Gleitsichtbrillen, die bis zu fünfmal teurer seien als normale Sehhilfen. Zudem griffen Kunden auch bei den Standardgläsern verstärkt zu teureren Varianten. Zusätzliches Potential für Wachstum sehen die Analysten auf dem Markt für Hörgeräte.

          Auf stabilen Füßen

          Allerdings birgt der starke Kursanstieg der vergangenen Wochen auch die Risiken einer Korrektur. Gemessen am erwarteten Unternehmensgewinn im Verhältnis zum Kurs der Aktie (KGV), gehört die Fielmann AG momentan zu den am höchsten bewerteten Unternehmen im M-Dax. Analysten der Baader Bank befürchten deshalb, dass ein Rücksetzer kommt. Sie raten zum Verkauf der Aktie. Gestützt wird der Kurs hingegen durch das niedrige Zinsniveau. Wer auf seine Spareinlagen nur noch 1 Prozent bekommt, für den wird die Aktie von Fielmann mit einer Dividendenrendite von gut 3 Prozent attraktiver. Zumal die Aktie ein defensiver Wert ist, der in turbulenten Börsenzeiten wie diesen als sichere Bank angesehen wird.

          Bilanziell steht das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 70 Prozent auf sehr stabilen Füßen. Und im Tagesgeschäft drohen kaum größere Rückschläge. Internetanbietern wie Mister Spex fehlt noch die Durchschlagskraft, um dem Branchenprimus größere Marktanteile abzujagen. Im stationären Handel schützt allein die schiere Größe des Filialnetzes mit 680 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allzu angriffslustigen Neueinsteigern.

          Eine offene Flanke ist die zumindest nach außen hin nicht geklärte Nachfolge an der Konzernspitze. Zwar hat Günther Fielmann schon seinen Sohn Marc für höhere Aufgaben in Stellung gebracht. Dieser ist allerdings erst 24 Jahre alt und damit wohl noch weit entfernt davon, tatsächlich die Führung zu übernehmen. Momentan laufen in der Firma jedenfalls noch alle Fäden bei dem umtriebigen Gründer zusammen.

          Wann er das Zepter abgeben will, dazu hat er sich nie konkret geäußert. Allerdings hat er auch nie einen Zweifel daran gelassen, dass das Unternehmen auch nach seiner Zeit maßgeblich von der Familie gesteuert werden soll. Sie kontrolliert insgesamt gut 70 Prozent der Unternehmensanteile. Die Zahl der Aktien, die breit gestreut sind, ist also recht klein. Dies vermindert grundsätzlich die Attraktivität der Papiere.

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