https://www.faz.net/-gv6-7nigo

Aktie im Blick : American Express ist der Superstar der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Der Aktienkurs von American Express hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verneunfacht. Bild: AP

Der Aktienkurs des Kreditkartenkonzerns hat sich in den vergangenen Jahren verneunfacht. Analysten glauben an den Erfolg neuer Strategien.

          Warren Buffett sollten Privatanleger nie ignorieren. Der berühmte Investor empfahl mitten in der nervenzerrüttenden Finanzkrise kühl den Kauf von Aktien. Für angstfreie Anleger hat sich das ausgezahlt. Der beste Kauf unter den großen amerikanischen Aktiengesellschaften war damals der Kreditkartenkonzern American Express, der seit vielen Jahren zu den Favoriten von Buffett gehört. Nach der Großbank Wells Fargo und dem Getränkekonzern Coca-Cola ist American Express die drittgrößte Position im Aktienportfolio von Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs von American Express hat sich seit den Tiefstständen der amerikanischen Börsen vor gut fünf Jahren fast verneunfacht. Mit einem Kursanstieg von fast 800 Prozent haben die Titel alle anderen Werte im Standardwertebarometer Dow Jones deklassiert. Der Index selbst hat in den vergangenen fünf Jahren rund 150 Prozent zugelegt.

          Auch kurzfristiger betrachtet, gehört American Express zu den Lieblingen der Wall Street. Mit einem Kursplus von rund 40 Prozent zählten die Titel in den vergangenen zwölf Monaten zu den besten Werten im Dow-Jones-Index. Für deutsche Aktionäre von American Express - die Aktien werden an allen Börsen in Deutschland gehandelt - fiel der Kursgewinn allerdings etwas geringer aus. Der Grund: Der amerikanische Dollar wertete im gleichen Zeitraum gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um etwas mehr als 6 Prozent ab.

          Wohlhabende Klientel im Blick

          Der Kreditkartenriese führt die Liste der Gewinner im Dow Jones seit der Finanzkrise an, weil er am stärksten von der konjunkturellen Erholung profitierte. American Express richtet sich traditionell an eine vergleichsweise wohlhabendere Klientel, die besser durch die Krise gekommen ist als der Durchschnittsamerikaner. Dennoch agierten auch Kunden von American Express nach der Finanzkrise konservativer und reduzierten ihren Verschuldungsgrad, was die Einnahmen des Finanzkonzerns belastete. American Express betreibt ein eigenes Kreditkartennetzwerk und vergibt selbst Kredite. Der Konzern kassiert damit sowohl Gebühren für die Nutzung des Netzwerks als auch Zinsen und Gebühren für die Darlehen. Das ist ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu Konkurrenten wie Visa oder Mastercard, die keine eigenen Kredite vergeben.

          Das Kreditvolumen von American Express war im vierten Quartal leicht gestiegen. Der Vorstandsvorsitzende Kenneth Chenault sagt zwar, dass die Besitzer von Amex-Karten weiterhin vorsichtig agieren und sich nicht stärker verschulden wollen. Dennoch spürt American Express eine wachsende Zuversicht der Verbraucher. Kreditkarten sitzen insgesamt lockerer. Mit Plastikgeld von American Express getätigte Ausgaben waren im vierten Quartal vergangenen Jahres - in welches das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt - im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gestiegen. Um weiter zu wachsen, bemüht sich American Express um eine stärkere Verbreitung.

          Analysten wie Betsy Graseck von der Investmentbank Morgan Stanley glauben an den Erfolg eines neuen Programms, das es für kleine Einzelhändler günstiger und einfacher macht, Amex-Karten an der Kasse anzunehmen. Die Karte hatte bei Kleinhändlern bisher den Ruf, teurer und umständlicher zu sein. Graseck prognostiziert zudem, dass American Express überdurchschnittlich profitieren wird, wenn die Ausgaben der Verbraucher stärker steigen und deren Appetit auf Kredite größer wird. Das Kursziel der Analystin liegt bei 100 Dollar. Die Aktien notierten zuletzt bei etwas weniger als 92 Dollar. Von April an wird American Express zudem eine neue Kreditkarte auf den Markt bringen, die Kunden für normale Ausgaben wie einen Einkauf im Supermarkt nutzen sollen. Die Spitzenmanager des Konzerns versprechen sich davon ein wachsendes Kreditvolumen und höhere Zinseinkünfte.

          Positiv reagierten Börsianer in dieser Woche auch auf die Nachricht, dass American Express die Hälfte seiner Geschäftsreisesparte für 900 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft hat. Der Kreditkartenriese will das Geld für neue Investitionen nutzen - etwa in mobile Angebote. American Express hatte Anfang des Jahres 2013 eine Umstrukturierung seiner Reisesparte und die Kürzung von 5400 Stellen angekündigt. Die für ihre Reisebüros bekannte Sparte litt stark unter der Konkurrenz von Online-Anbietern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes im brasilianischen Amazonasgebiet.

          Vor G-7-Gipfel : Es brennt

          Werden die Tage in Biarritz vom Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Fest steht schon jetzt: Der Westen hat gerade nicht seine stärksten Tage.
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Asteroid Ryugu : Poröser Schutthaufen in den Tiefen des Alls

          Der Landesonde „Mascot“ blieben im vergangenen Jahr nur wenige Stunden, um die Oberfläche des Asteroiden „Ryugu“ zu erkunden. Die Zeit reichte, um sich ein Bild von dem urtümlichen Himmelskörper zu machen, wie die nun veröffentlichte Daten und Fotos zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.