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Aktie für eine alternde Gesellschaft : Schindlers Lifte

  • Aktualisiert am

Rentner wollen keine Treppen steigen, hier im Landtagsgebäude in Düsseldorf Bild: dpa

In neuen Mehrfamilienhäusern zählt der Aufzug fast schon zum Standard. Aber auch in Altbauten werden in Zukunft Alternativen zum Treppensteigen gefragt sein. Das unterstützt das Geschäft von Aufzugsherstellern wie Schindler oder Kone. Die Aktienkurse haben sich in diesem Jahr gut entwickelt.

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          Gehhilfen, Aufzüge, Hörgeräte, Medikamente - Aktien für eine alternde Gesellschaft werden allmählich auch ein Thema für langfristig denkende Anleger. Besonders der schweizerische Aufzughersteller Schindler dürfte von dem Trend profitieren, dass immer mehr Hausbesitzer über den Einbau eines Aufzugs nachdenken müssen, wenn sie solvente Mieter finden wollen.

          Auf dem deutschen Wohnungsmarkt beklagt die Immobilienbranche längst einen gravierenden Investitionsrückstand. Dies betrifft Wärmedämmung und überfällige Erneuerungen der technischen Installationen, aber auch Aufwertungen, die heute zum gehobenen Wohnkomfort zählen.

          Verstärkte Nachfrage für Altbauten

          Der Aufzug im Mietshaus zählt im gehobenen Neubau längst zum Standard. Künftig werden sich jedoch wohl auch Eigentümer von alten Mehrfamilienhäusern um den Einbau eines Aufzugs immer weniger drücken können, nachdem ein Balkon vielerorts schon nachträglich angebaut worden ist.

          Allerdings sind die Anlagemöglichkeiten dünn gestreut. Die meisten Hersteller von Aufzügen sind Teil größerer Einheiten. So gehört Otis, mit 11,8 Milliarden Dollar der weltgrößter Anbieter, zum amerikanischen Konzern United Technologies, stellt dort allerdings nur den drittgrößten Geschäftsbereich. Auch der größte deutsche Hersteller, Thyssen-Krupp Elevator, ist genauso wenig selbstständig wie Mitsubishi Elevator.

          Kartellstrafe verzerrt Jahreszahlen 2007

          Lediglich die Aktien des finnischen Schindler-Konkurrenten Kone werden an der Börse gehandelt und sind eine Alternative für jene Anleger, denen der schweizerische Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von aktuell 37,4 zu teuer ist. Immerhin beträgt dieses auf Basis der Gewinnschätzung für 2008 nur noch 15,3, was allerdings immer noch recht hoch ist.

          Das Geschäftsjahr 2007 ist jedoch nicht repräsentativ für die Geschäftsentwicklung von Schindler. Denn im Februar 2007 hatte die EU-Kommission gegen die Branche eine Rekordkartellstrafe von knapp einer Milliarde Euro verhängt (Fast eine Milliarde Bußgeld für Fahrstuhlkartell). Alle fünf großen Anbieter Thyssen-Krupp, Otis, Schindler, Kone und Mitsubishi haben laut EU-Kommission zwischen 1995 und 2004 ihre Preise abgesprochen.

          In der Schindler-Bilanz schlug sich die Geldbuße mit 293 Millionen Franken (183 Millionen Euro) nieder. Schindler verzeichnete nach der Kartellbuße am Ende noch einen Nettogewinn von 278 Millionen Franken. Ohne diesen Einfluss und andererseits ohne den Gewinn aus einem Grundstücksverkauf im Jahr 2006 hätte Schindler gut ein Fünftel mehr verdient, hieß es einer Unternehmensmitteilung. Der Umsatz stieg 2007 um nahezu ein Viertel auf 13,8 Milliarden Franken (8,6 Milliarden Euro). Im Kerngeschäft mit Aufzügen und Rolltreppen steigerte Schindler den Umsatz um 12 Prozent auf 8,6 Milliarden Franken.

          Kurseinbruch in diesem Jahr wettgemacht

          Zwar wird ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum und eine nachlassende Bautätigkeit auch das Geschäft von Schindler belasten. Dennoch stellt der Konzern für dieses Jahr einen Nettogewinn von mehr als 630 Millionen Franken in Aussicht. Das wären mindestens 10 Prozent mehr als der bereinigte Wert im vergangenen Jahr.

          Gegen Ende des Jahres erlitt die Schindler-Aktie einen kräftigen Kurseinbruch, den der Titel in der Zwischenzeit jedoch wieder wettmachen konnte. Seit Jahresanfang hat der Kurs um 6,6 Prozent auf zuletzt 77,80 Franken zugelegt.

          Zwar hält die Analystin Julia Varesko von JP Morgan den Titel auf diesem Niveau für sehr hoch bewertet und setzte ihr Kursziel schon Anfang des Monats auf 77 Franken. Doch die meisten Aktienexperten, die das Unternehmen regelmäßig beobachten, behalten eine Kaufempfehlung bei. Das Kursziel liegt nach der Konsens-Meinung bei gut 92 Franken.

          Kone ist eine Alternative

          Etwas größeres Kurspotential sieht die JP-Morgan-Analystin bei Kone. Derzeit notiert der Kurs des Titels bei rund 22 Euro. Sie traut ihm einen Anstieg bis auf 29 Euro zu. Auch ist die Kone-Aktie mit einem KGV von 14 auf Basis der Konsens-Gewinnschätzung etwas günstiger bewertet als Schindler. Kone ist damit auch eine Alternative für jene Anleger, die sich um die Kursentwicklung des Schweizer Franken zum Euro sorgen wollen.

          Der finnische Aufzughersteller gehört zu mehr als 50 Prozent Antti Herlin, der das Unternehmen selbst von 1996 bis 2006 geführt hatte und heute dem Aufsichtsrat vorsitzt. Ebenfalls im Aufsichtsrat vertreten ist Sirkka Hämäläinen-Lindfors, die am Finanzplatz Frankfurt noch gut aus ihrer Zeit von 1998 bis 2003 als Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) bekannt ist.

          Trotz der schwierigen Konjunktur scheint es für die beiden europäischen Aufzughersteller auch an der Börse nach oben zu gehen - und zwar ziemlich geräuschlos, wie es auch die Nutzer gerne haben.

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