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Akquisition : Übernahmewelle an Wall Street

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Gleich vier Konzerne meldeten vergangene Woche milliardenschwere Übernahmen an. Sie gelten als Zeichen wirtschaftlicher Zuversicht - auch wenn der Markt sich mitunter schizophren gibt.

          3 Min.

          In den Vereinigten Staaten werden Fusionen und Übernahmen von Unternehmen wieder populärer. In der vergangenen Woche kündigten an der Wall Street gleich vier Konzerne den milliardenschweren Kauf eines Konkurrenten an. Übernahmen gelten unter Börsianern als Zeichen von wirtschaftlicher Zuversicht in den Vorstandsetagen von Unternehmen, obwohl die Kursverluste an den Aktienbörsen und die gefallenen Zinsen an den Rentenmärkten das Gegenteil suggerieren. „Bei den Transaktionen in dieser Woche ging es um den ultimativen Ausdruck von Zuversicht“, kommentierte Jeffrey Kaplan, der bei der Bank of America den Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A) leitet.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Donnerstag überraschte der große Halbleiterkonzern Intel die Börse mit dem geplanten Kauf des auf Sicherheitssoftware spezialisierten Unternehmens McAfee für 7,7 Milliarden Dollar. Das wäre für Intel die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte. Am gleichen Tag gab die Regionalbank First Niagara den Kauf des Konkurrenten New Alliance bekannt. Der Kaufpreis von 1,5 Milliarden Dollar wirkt zwar niedrig. Dennoch wird das die größte Bankenfusion seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008. Der Computerhersteller Dell kündigte die Übernahme der auf Netzwerkrechner für Datenspeicherung spezialisierten Gesellschaft 3PAR an. Kaufpreis: 1,2 Milliarden Dollar.

          Viele große Transaktionen in Asien

          Auch grenzüberschreitendes Interesse gab es. Der Verpackungskonzern Rank Group aus Neuseeland will für 4,6 Milliarden Dollar den amerikanischen Mülltütenhersteller Pactiv kaufen. Dazu hat der australische Bergwerkskonzern BHP Billiton ein feindliches Übernahmeangebot im Wert von 38,6 Milliarden Dollar für den kanadischen Düngemittelhersteller Potash Corp. of Saskatchewan unterbreitet. Weltweit belief sich das Volumen angekündigter Übernahmen nach Angaben des Informationsdienstes Dealogic auf knapp 85 Milliarden Dollar. Das ist die höchste Summe in nur einer Woche, seit der Ölgigant Exxon Mobil Mitte Dezember 2009 den Kauf des Konkurrenten XTO Energy avisiert hatte.

          Global ist das Volumen angekündigter Fusionen und Übernahmen in diesem Jahr gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 24 Prozent auf 1,7 Billionen Dollar geklettert. Viele der großen Transaktionen gab es allerdings in Asien. In den Vereinigten Staaten ist das Volumen bisher nur um 1 Prozent auf 498 Milliarden Dollar geklettert.

          „Der Markt ist schizophren“

          Das Volumen könnte aber weiter steigen, wenn man jüngsten Hinweisen amerikanischer Vorstandschefs Glauben schenkt. Doug Oberhelman, der Chef des großen Baumaschinenherstellers Caterpillar, sagte kürzlich, dass die Zeit für Akquisitionen angesichts der starken Bilanz des Unternehmen gut sei. Im Mai hatte auch der Vorstandschef des Technologiekonzerns IBM, Samuel Palmisano, eine Einkaufstour seines Unternehmens angekündigt. Zwischen 2011 und 2015 will IBM 20 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgeben. „In fünf Jahren werden wir mehr für Akquisitionen ausgeben als in den vergangenen zehn Jahren“, sagte Palmisano.

          Für eine möglicherweise anschwellende Welle von Fusionen und Übernahmen gibt es mehrere Gründe. Zum einen haben Unternehmen in den vergangenen Quartalen nach solidem Gewinnwachstum ihre Barbestände erhöht, die sie für Investitionen nutzen können. Am Ende des ersten Quartals beliefen sich die Barmittel amerikanischer Aktiengesellschaften auf rund 2 Billionen Dollar, heißt es beim Informationsdienst Factset Research. Die Summe liegt um 57 Prozent höher als noch vor vier Jahren. Unternehmen können Übernahmen zudem wegen der niedrigen Zinsen derzeit günstig mit der Ausgabe von Anleihen finanzieren. Gleichzeitig bieten die gefallenen Kurse an den Aktienmärkten den an einem Zukauf interessierten Konzernen günstige Gelegenheiten. Als die Beteiligungsgesellschaft Blackstone kürzlich die Übernahme des Stromversorgers Dynegy für 550 Millionen Dollar bekanntgab, notierte der Aktienkurs von Dynegy um seinen Tiefstpunkt.

          Trotz des wachsenden Interesses agieren viele potentielle Käufer wegen der unsicheren Konjunkturaussichten aber immer noch sehr vorsichtig. „Der Markt ist schizophren“, sagte Robert Profusek, der bei der Anwaltskanzlei Jones Day das M&A-Geschäft leitet, dem „Wall Street Journal“. Kaufinteressenten prüften potentielle Transaktionen sehr gründlich, um ihre Risiken so gering wie möglich zu halten. Sie sorgten sich wegen des schleppenden Konjunkturwachstums, der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit und wegen der wenig robusten Verbraucherausgaben. Investmentbanker rechnen daher zunächst mit weiteren Fusionen in Branchen, die nicht so stark von der Stimmung der Verbraucher abhängen wie Technologie, Energie, Gesundheit oder Rohstoffe – zu denen auch einige der jüngsten Übernahmeziele gehörten.

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