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Air France-KLM : Gewinneinbruch schön geredet

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Eine Maschine der Air France im Landeanflug - das Ergebnis zeigt auch nach unten Bild: AFP

Das Betriebsergebnis der französischen Fluglinie ist im zweiten Geschäftsquartal um fast die Hälfte eingebrochen. Unterdessen versucht der Vorstand von Air France-KLM, die Zahlen schönzureden. An der Börse verfangen die schönen Worte nicht - zu Recht.

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          Ist es für Anleger wirklich beruhigend, wenn Air France-KLM mitteilt, besser als die europäische Konkurrenz durch die Krise zu kommen? Kann es beruhigen, wenn ein Schiffbrüchiger mitteilt, sein Floß sinke weniger schnell als das der anderen?

          Halten wir uns zunächst an die Fakten: Die französische Fluggesellschaft verzeichnet einen kräftigen Gewinneinbruch. Um 44 Prozent auf 405 Millionen Euro ist das Betriebsergebnis im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, das jeweils am 30. September endet, gesunken. Dies sei „vom Ergebnis wie von der Marge her das beste in Europa“, teilte der Vorstandsvorsitzende Jean-Cyril Spinetta unverdrossen mit.

          Aktienkurs stürzt weiter ab

          An diese Fakten halten sich vorläufig auch die Anleger an diesem Donnerstag. Der Aktienkurs der Linie ist kräftig unter Druck geraten. Da half auch die trotzige Bemerkung nicht: „Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.“ Um zeitweise 8,5 Prozent auf 9,20 Euro stürzte der Aktienkurs im frühen europäischen Handel. Dies zeigt, wie wenig Spinettas Einschätzung an der Börse überzeugen konnte. Mittlerweile notiert die Aktie auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als fünf Jahren.

          Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt. Damit kommt die Aktie an der Börse sogar, gemessen am Geschäftsverlauf, noch glimpflich davon. Der Überschuss sank von 736 auf 28 Millionen Euro. Um Sondergrößen bereinigt halbierte er sich von 479 auf 244 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr buchte Air France-KLM einen Rückgang des bereinigten Überschusses um 48 Prozent auf 385 Millionen Euro.

          Kapazitäten werden weniger stark ausgedehnt

          Bei einem Passagierwachstum von 1,7 Prozent stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 3,2 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte wäre der Umsatz sogar um 7,1 Prozent gestiegen. Im gesamten Halbjahr expandierte das Geschäft um 4,4 Prozent auf 12,98 Milliarden Euro. Die Treibstoffkosten stiegen um 700 Millionen auf fast 3 Milliarden Euro.

          Wegen der Preisschwankungen und der Marktabschwächung dehnt der Konzern die Kapazitäten für das Wintergeschäft weniger stark aus als geplant und spart zusätzlich 260 Millionen Euro ein. „Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden“, sagte Spinetta. Für das gesamte Geschäftsjahr strebt Air France-KLM angesichts einer „neuen Verschlechterung des Umfelds“ nur ein „klar positives Betriebsergebnis“ an.

          Allerdings sollten Anleger, die auf Spinettas Aussagen vertrauen und ein Engagement in den Aktien eingehen wollen, bedenken, dass sich die Geschäfte von Fluglinien sehr eng im Gleichlauf mit der allgemeinen Konjunktur entwickeln. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich in eine Rezession abrutschen, müssen die Air-France-Aktionäre befürchten, dass Touristen weniger Einkommen für Urlaubsreisen zur Verfügung steht und Geschäftsleute ebenfalls weniger Flüge buchen. Es wäre ja schon eine gute Nachricht für die Anleger, wenn der steile Absturz, in dem sich die Aktie seit bald zwei Jahren befindet, allmählich in einen Sinkflug überginge.

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