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Agrarunternehmen : Agrarpreisinflation hat nicht nur Gewinner

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Mit dem Höhenflug der Agrarrohstoffpreise sind mit zunehmender Investitionsbereitschaft die Aktienkurse vieler Agrartechnik- oder -zulieferunternehmen deutlich gestiegen. Wer allerdings die hohen Preise bezahlen muss, hat immer mehr Probleme.

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          Der unglaubliche Preisauftrieb bei Agrarrohstoffen in den vergangenen Monaten und das anhaltend hohe Preisniveau sorgen sowohl für Schlagzeilen als auch für eine überaus robuste operative Entwicklung bei Maschinenherstellern und Zulieferern.

          Das zeigt sich unter anderem daran, dass der amerikanische Landmaschinenherstellers Deere & Co am Mittwoch die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr ein weiteres Mal anhob, nachdem er nach dem ersten auch im zweiten Quartal die Erwartungen des Marktes übertraf.

          John Deere erhöht die Gewinnprognose erneut

          Bis ende Oktober sollen die Erlöse im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 21 bis 23 Prozent auf etwa 28,8 Milliarden Dollar gesteigert werden können. Der Nettogewinn werde voraussichtlich 2,65 Milliarden Dollar liegen, erklärte das Unternehmen weiter. Bis zum ersten Quartal war man von einem Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar ausgegangen, danach hatte man die Prognose auf 2,5 Milliarden Dollar angehoben.

          Bild: F.A.Z.

          Im zweiten Quartal konnte Deere den Umsatz bis Ende Januar im Vergleich mit dem Vorjahr um 25 Prozent auf einen Rekordwert von 8,91 Milliarden Dollar steigern. Der Nettogewinn konnte sogar um 65 Prozent auf 904,3 Millionen Dollar oder 2,12 Dollar je Aktie auf verwässerter Basis verbessert werden. Die weiteren Aussichten seien positiv, da knapp Lagerbestände bei verschiedenen Agrarrohstoffen die Preise und indirekt die Investitionsbereitschaft der Landwirte beflügelten - vor allem in den Vereinigten Staaten, Kanada und Brasilien.

          Die Aktie des Unternehmens reagiert am Mittwoch in Europa allerdings mit leichten Kursverlusten mit Kursgewinnen von bis 1,8 Prozent auf diese Nachricht, nachdem sie sich in den vergangenen Tagen schon mit Kursverlusten von bis zu zwölf Prozent vom noch im April erreichten Allzeithoch zurückgezogen hat. Bei anderen Aktien des Agrarbereichs sind anlaoge Kursermüdungen auf hohem Niveau zu beobachten.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 14 und zwölf auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sehen die Aktien des Unternehmens zwar optisch noch günstig aus. Das gilt vor allem auch dem Umstand, dass es angesichts der trockenen Böden in Europa zu einer weiteren Spekulationswelle bei Agrarrohstoffen kommen könnte.

          Allerdings haben die hohen Agrarrohstoffpreise auch ihre Kehrseiten. Denn sie führen vor allem in den Schwellenländern zu starken inflationären Impulsen, da dort die Nahrungsmittelpreise in den Inflationsindizes stark gewichtet sind. Sie werden die Zentralbanken dazu zwingen, geldpolitisch restriktiver als bisher werden zu müssen. Schon seit längerem sind die Realzinsen in weiten Teilen der Welt schon - vor allem in den Schwellenländern Asiens - sehr negativ sind, den Spekulationswahn im Rohstoffbereich beflügeln und auf diese Weise zu einem Teufelskreis führen können (siehe auch: Am Rohstoffmarkt droht ein Teufelskreis). Steigende Zinsen jedoch bremsen die wirtschaftliche Dynamik und damit die Investitionsbereitschaft.

          Wer auf den Kauf teurer Agrarrohstoffe angewiesen ist, hat ein Problem

          Auf der anderen Seite bringen sie jene Branchen und Regionen unter Margendruck, die auf den Zukauf der teuren Agrarrohstoffe angewiesen sind und die die Preissteigerungen nicht oder nicht voll an ihre Kunden weitergeben können. Dazu zählen weite Teile der Veredelungswirtschaft und der Textilbranche, die massengüterartige, nicht oder nur wenig unterscheidbare Produkte herstellen. Anleger werden dazu tendieren, ihre Aktien und Anleihen zu meiden. Dagegen stehen Markenartikler wie Nestlé oder die Brauereien besser da.

          Besonders starke Kursgewinne erzielen und halten konnten in den vergangenen Monaten die Papiere des Agrar-Recyclingunternehmens Darling, der verschiedenen Düngemittelunternehmen, des Herstellers von Beregnungsanlagen Lindey, des Maisstärkeunternehmens Corn Products, des Futtermittelunternehmens Glanbia und nicht zuletzt der Maschinenbauer AGCO, Deere und CNH.

          Während kurzfristig bei aufkommenden Konjunktursorgen immer mit Preis- und Kursrückschlägen gerechnet werden muss, profitieren die großen und weltweit tätigen Unternehmen des Agrarbereichs grundsätzlich und langfristig vom Wachstum der Weltbevölkerung. Führt das alleine schon dazu, dass die Nachfrage nach Agrargütern im engeren und weiteren Sinne zunimmt, so wird diese Entwicklung noch verstärkt durch Wohlstandseffekte. Denn mit zunehmenden Einkommen verändern sich die Ernährungsgewohnheiten der Menschen und die Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln - zum Beispiel in Form von Fleisch, Milchprodukten und so weiter - nimmt zu.

          Indirekt führt das zu einem zunehmenden Bedarf an pflanzlichen Rohstoffen, seien es die verschiedenen Getreidesorten oder auch Genussmittel wie Kaffee, Kakao und Zucker. Da agrarische Rohstoffe zudem auch energetisch verwendet werden können, nimmt die Preiskorrelation zu den Energiepreisen zu. Vor allem auch dann, wenn solche Prozesse trotz aller berechtigten Zweifel an der Energiebilanz mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Die Nachfrage kumuliert sich nun ausgerechnet in einer Phase, in welcher sich die Investitionsdefizite und die planwirtschaftlichen Maßnahmen der vergangenen Jahre zusammen mit klimatischen Turbulenzen in Form zunehmend strapazierter Lagerbestände und einer eingeschränkten Produktionsfähigkeit zeigen.

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