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Europäische Standardwerte : Das Rennen um die Index-Aufnahme

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Der fränkische Sportartikelhersteller Adidas hat überraschend seine Prognose für 2016 erhöht und kämft um eine Aufnahme in den Euro Stoxx 50. Bild: dpa

Im europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 gibt es mehrere Kandidaten für einen baldigen Auf- und Abstieg. Auf die Kurschancen kann das großen Einfluss haben. Zwei Dax-Konzerne sind im Rennen mit dabei.

          Der Euro Stoxx 50 hat seine Position als einer der führenden Aktienindizes der Eurozone bei institutionellen und privaten Anlegern zuletzt weiter ausgebaut. Damit hat die reguläre jährliche Überprüfung der Indexzusammensetzung (jeweils im September), die auf Basis eines automatisierten, zweistufigen Selektionsverfahrens erfolgt, eine hohe Bedeutung. Dies wurde im Jahr 2015 durch die Kursentwicklung der Auf- und Entnahmetitel sowohl im mittelfristigen als auch im direkten zeitlichen Umfeld der Indexanpassung bestätigt.

          Mit Blick auf 2016 sollte der aus der angestrebten Fusion entstehende niederländisch-belgische Einzelhandelskonzern Royal Ahold Delhaize - die (neuen) Aktien dieses Unternehmens werden im Sommer 2016 in den Indizes erwartet - durchaus in die führende Position für eine Euro-Stoxx-50-Aufnahme kommen. Darüber hinaus sind zurzeit noch Adidas (gute technische Halteposition), Continental und (CRH) Cement Roadstone Holding (jeweils technische Haltepositionen) im Rennen um eine Index-Aufnahme. Demgegenüber läuft die französische Carrefour-Aktie (technischer Verkauf) Gefahr, ihre Indexmitgliedschaft zu verlieren. Auch Eon (technische Halteposition) sowie die italienischen Unicredit und Generali (jeweils technische Verkäufe) sind zurzeit im erweiterten Kreis der Entnahmekandidaten zu finden.

          Adidas kämpft um eine Index-Aufnahme

          Die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas gehört seit dem Jahr 2000 zu den technischen Marathonläufern. Dies steht für Aktien, die sich in einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung befinden und im Regelfall innerhalb einer Gesamtmarkthausse in der Lage sind, neue historische Höchstkurse zu erreichen. Ausgehend von Kursen um 11,80 Euro (Februar 2000), hat Adidas solch eine sehr langfristige Hausse-Bewegung mit mehreren mehrjährigen Hausse-Trends und mehrjährigen technischen Korrekturen herausgebildet. Bei Adidas mündete der qualitativ hochwertige Hausse-Trend, der im März 2009 bei 22,10 Euro startete, ab dem Januar 2014 und Kursen um 93,20 Euro in eine einjährige technische (Zwischen-)Baisse und einen Kursrückgang bis auf 52,80 Euro. Zum Jahreswechsel 2014/2015 ergab sich eine Bodenformation, die der Titel im ersten Quartal 2015 mit einem Investment-Kaufsignal in einen neuen, bis heute intakten Hausse-Trend verlassen hat.

          Innerhalb dieser technischen Hausse ist es ab August 2015 und Kursen um 62,5 Euro zu einer Aufwärtsbeschleunigung gekommen. Hierdurch hat Adidas nicht nur gegenüber dem Dax und dem Euro Stoxx 50 eine mittelfristige relative Stärke herausgebildet, sondern hat in den letzten Handelstagen mit Kursen über 110 Euro neue historische Höchstkurse erreicht. Einerseits befindet sich die Aktie in einer technischen Neubewertung, so dass es nicht verwundert, dass die Aktie im Kreis der Euro-Stoxx-50-Aufnahmekandidaten angekommen ist. Andererseits ist nach der Kursverdoppelung seit Anfang 2015 zurzeit eine mittelfristig überkaufte Lage entstanden. Da technische (Zu-)Käufe auf dem aktuellen Niveau einen stark prozyklischen Charakter aufweisen, sollte bei Adidas zunächst eine Konsolidierung abgewartet werden. Als Konsequenz ist der Titel zurzeit eine gute technische Halteposition, wobei der strategische Sicherungsstopp bei 89,50 Euro liegen sollte.

          Carrefour - nach Streubesitz die kleinste Aktie im Euro Stoxx 50

          Die französische Carrefour betreibt Hypermärkte und Supermarktketten mit dem Geschäftsschwerpunkt in Europa. Der Titel ist aktuell nach Streubesitz mit Abstand die kleinste Aktie im Euro Stoxx 50, so dass es nicht überraschen sollte, wenn sich die Diskussion über eine Indexentnahme in den kommenden Monaten intensiviert. Carrefour ist durch eine jahrelange relative Schwäche in diese Position gekommen. Nach der technischen Bilderbuch-Hausse der 1990er Jahre (Kursanstieg von März 1990 von 5,50 Euro bis November 1999 auf 84,50 Euro) kam es zu einer mehrjährigen Baisse-Bewegung.

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