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Verluste für Anleger : Der Absturz der Promi-Fonds

Max Otte räumt offen ein, dass dieses sogenannte aktive Management seinen Fonds in jüngerer Zeit trotzdem nicht gerade gut getan hat. „Ich persönlich leide am stärksten, wenn die Wertentwicklung nicht so gut ist.“ Seine Erklärung für die Verluste aber klingt reichlich ungewöhnlich: Er habe in den zurückliegenden Jahren versucht, ein Investment-Team aus mehreren Leuten aufzubauen, das im Konsens über Kaufentscheidungen für bestimmte Aktien entscheiden sollte.

Dies habe nicht funktioniert: „Ich habe Lehrgeld gezahlt. Nun unterstützen mich zwar weiterhin zwei Analysten, aber ich treffe jetzt wieder die Anlageentscheidungen. Der Otte macht es jetzt wieder selbst.“ Stolz fügt er an, dass sich die Fonds in den Jahren besser entwickelt hätten, in denen er alles allein entschieden habe, was für die Zeit nach der Finanzkrise tatsächlich stimmt. Wie motivierend seine Analysten solche Aussagen finden, bleibt eine offene Frage.

Zuletzt hatte Otte vor allem das, was man in der Börsenwelt als Timing-Problem bezeichnet: So hielt er lange an Aktien von Rohstoffkonzernen fest, als deren Kurse fielen, und verkaufte sie ausgerechnet, kurz bevor die Kurse wieder anzogen. „Das sieht alles recht sprunghaft und aktionistisch aus“, urteilt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Sowohl Otte als auch Müller inszenieren sich gerne als gelehrige Schüler des amerikanischen Star-Investors Warren Buffett. Wie ließe sich beim Publikum auch besser Eindruck erzeugen als dadurch, dass man sich einen der besten Anleger aller Zeiten zum Vorbild nimmt?

Banale Erkenntnisse in die Praxis umsetzen

Allzu sehr in die Tiefe gehen sie bei der Erläuterung ihrer Anlagestrategie aber beide nicht: „Gute Aktien sind Aktien von guten Unternehmen, die zu einem attraktiven Preis gekauft werden können“, ist so ein Satz, den beide gerne im Munde führen. Wer würde da nicht zustimmen? Niemand hat wohl etwas dagegen, die Aktie eines tollen Unternehmens günstig zu kaufen. Die Frage ist nur, wie man diese eigentlich recht banale Erkenntnis in die Praxis umsetzt.

Dirk Müller versucht dies, in dem er auf der ganzen Welt nach Aktiengesellschaften Ausschau hält, die auch in schlechten Zeiten gute Gewinne machen. Dazu zählt er in Deutschland beispielsweise den Automobilzulieferer Bertrandt (ironischerweise besitzt der Fonds des einstigen „Mr. Dax“ überhaupt keine Dax-Aktien). Dank solcher Unternehmen schwanke sein Portfolio deutlich weniger, die Anleger könnten also besser schlafen.

„Schrott läuft gut“

Warum dann die aktuelle Delle? Müllers Erklärung geht so: „Zurzeit läuft Schrott gut an den Märkten, aber Schrott will ich nicht besitzen.“ Mit „Schrott“ meint er Bankaktien, die in der vergangenen Woche hinzugewannen. Müller ist ein Meister der einfachen Botschaften. Analyst Masarwah kann keinen wirklichen Haken an der Strategie entdecken, er nennt sie aber auch „reichlich unspektakulär“.

Ein Punkt ist den Börsenpromis Müller und Otte ganz wichtig: Investoren sollten nicht kurzfristig auf die Entwicklung einzelner Monate oder Jahre schauen, sondern ihr Geld langfristig bei ihnen investieren – mindestens fünf bis zehn Jahre. Anleger müssen sich gut überlegen, ob sie sich dies wirklich so lange antun wollen.

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