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Markteinblick : Ablehnung des Scania-Angebots belastet VW-Aktie

  • Aktualisiert am

Scania macht VW noch mehr Ärger Bild: REUTERS

Scania lehnt das lukrative Angebot von VW für eine Komplett-Übernahme ab. Das belastet den Kurs der VW-Aktie, noch mehr aber den von Scania.

          Die geplante LKW-Allianz von VW, MAN und Scania droht für den Wolfsburger Auto-Konzern endgültig zum Fiasko zu werden. Denn nun droht die geplante Komplettübernahme der schwedischen Lkw-Tochter zu scheitern. Ein Ausschuss des Scania-Führungsgremiums empfahl den Aktionären, die VW-Offerte abzulehnen.

          Der Wolfsburger Konzern hatte den Scania-Minderheitsaktionären am 21. Februar angeboten, die restlichen Anteile für 200 Schwedische Kronen (umgerechnet 22,26 Euro) je Aktie zu kaufen. Das Angebot sei zu niedrig, teilte nun Scania mit. Es spiegele das Einsparpotential einer Übernahme nicht wider.

          Dabei war das Angebot eigentlich sehr lukrativ, enthielt es doch eine satte Prämie von mehr als 50 Prozent. Das würde VW 7 Milliarden Euro kosten. Dementsprechend heftig war die Kritik: Der Deal ergebe weder aus finanzieller Sicht noch von der industriellen Logik her Sinn, sagte etwa ein Stratege.

          Zuvor hatten Berichte über eine schleppende Umsetzung und Erzielung von Synergien Volkswagen unter Handlungsdruck gebracht. Dennoch ist die Reaktion am Aktienmarkt zurückhaltend. Der Kurs der VW-Aktie gibt 0,8 Prozent nach. Für Scania geht der Schuss eher nach hinten los, der Kurs fällt um mehr als 3 Prozent.

          Ansonsten beschäftigt die Krim-Krise den Aktienmarkt weiter. Diese drückt auch auf die Stimmung der Börsenprofis. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank im März um 9,1 auf 46,6 Punkte und damit das dritte Mal in Folge, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag unter Berufung auf seine monatliche Umfrage unter 241 Anlegern und Analysten mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 53 Zähler gerechnet. „Die Krim-Krise belastet die Konjunkturaussichten für Deutschland“, sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. „Dennoch deutet der Indikatorstand darauf hin, dass der wirtschaftliche Aufwärtstrend derzeit nicht gefährdet ist.“ Die Lage beurteilten die Experten besser: Das Barometer kletterte um 1,3 auf 51,3 Punkte. Hier waren 52 Zähler erwartet worden.

          Die Aktienkurse lagen vor der Veröffentlichung des ZEW-Index im Minus. Der Dax fiel zunächst um 0,6 Prozent auf 9125 Punkte. Im weiteren Handelsverlauf drehte der Leitindex allerdings ins Plus und stieg am frühen Nachmittag um 0,7 Prozent auf 9247,8 Punkte. Für den F.A.Z.-Index, der mit 100 Werten den Aktienmarkt breiter abbildet, ging es erst 0,5 Prozent auf 1927 Zähler abwärts. Auch er legte im Handelsverlauf später um 0,6 Prozent auf 1947,3 Punkte zu. Es bleibe abzuwarten, ob die Erleichterung über die relativ ruhige Lage nach dem Krim-Referendum nicht doch verfrüht war, sagt Marktstratege Chris Weston vom Broker IG. 

          Eine Kurszielanhebung durch die Berenberg Bank lässt Qiagen 2,65 Prozent zulegen. Die Aktie des Biotechunternehmens sei in den vergangenen Jahren ein ziemlich miserables Investment gewesen. 2014 soll einen Wendepunkt markieren. Im Vergleich zu Konkurrenten sei die Aktie mit einem Abschlag von 26 Prozent bewertet.

          Der Eurokurs gibt nach dem Verfassungsgerichtsurteil zum ESM, mit dem rund 40.000 Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm abgewiesen wurden, auf 1,3910 Dollar nach. Indes dürfte das weniger an dem erwartungsgemäß ausgefallenen Urteil, als an den ZEW-Konjunkturerwartungen liegen. Schon im Vorfeld war Enttäuschungspotential gesehen worden.

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