https://www.faz.net/-gv6-7aymg

97 Prozent Kursverlust : Das große Leid der Commerzbank-Eigner

Baustelle Commerzbank: Eine Filiale in Frankfurt wird renoviert Bild: Bernd Kammerer

Seit Anfang des Jahrhunderts hat die Aktie der zweitgrößten deutschen Bank 97 Prozent Kursverlust eingebracht. Die Entwicklung ist schlimmer als am Neuen Markt und bei der Telekom-Aktie.

          Der Aktienkurs der Commerzbank schlägt einen negativen Rekord nach dem anderen. In den Jahren 2009 und 2011 trug die Aktie mit Kursverlusten von 11 und 71 Prozent die rote Laterne im Dax, und auch in diesem Jahr hat kein Anleger mit einem anderen Dax-Wert mehr verloren als die 40 Prozent, die eine Commerzbank-Aktie an Verlust eingebracht hat. Zuletzt hat sich der Ausverkauf noch einmal beschleunigt. Allein in den vergangenen zehn Tagen ging es um 15 Prozent abwärts. Selbst auf Rekordtiefstkursen um 6 Euro findet die Aktie bisher nicht dauerhaft Halt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch die langfristige Bilanz ist im Vergleich mit anderen stark gebeutelten Aktien verheerend. Seit 13 Jahren hat die Commerzbank mehr als 97 Prozent ihres Kurses verloren. Wer damals die Aktie der Deutschen Telekom kaufte, beklagt Kursverluste von 85 Prozent. Auch das ist ernüchternd, schließlich steht der Dax trotz Commerzbank und Telekom wie vor 13 Jahren auf rund 8000 Punkten. Aber die Telekom hat immerhin jedes Jahr durchaus stattliche Dividenden gezahlt. Die Commerzbank dagegen war zuletzt im Frühjahr 2008 in der Lage, für das Geschäftsjahr 2007 etwas vom Gewinn an die Aktionäre auszuschütten.

          Mit ihrer Dividendenpolitik und ihren horrenden Kursverlusten ist die Commerzbank eher vergleichbar mit einem Unternehmen vom Neuen Markt, der wegen zerplatzter Wachstumshoffnungen und handfester Skandale im Jahr 2003 geschlossen wurde. Allerdings lassen sich heute zahlreiche ehemalige Neue-Markt-Unternehmen finden, mit denen Anleger bei der Kursentwicklung besser gefahren wären als mit der Commerzbank. Der Tec-Dax, Nachfolger des Neuen-Markt-Index Nemax 50, hat seit Juli 2000 „nur“ 85 Prozent verloren. Mit Technologieaktien wie United Internet, Drillisch oder BB Biotech hätte der Anleger sogar hohe Gewinne erzielt.

          Sie ist immerhin noch da

          Für die Commerzbank-Aktie dagegen gab es in 13 Jahren nur eine längere Phase, in der ihr Kurs deutlich stieg. Zwischen 2003 und 2007 ging es in etwa im Gleichschritt mit dem Dax bergauf. Wer aber damals vor der Finanzkrise nicht ausstieg, bei dem haben sich je nach Einstiegszeitpunkt hohe oder sehr hohe Verluste angesammelt. Wer als Commerzbank-Mitarbeiter seine Altersvorsorge durch den regelmäßigen Bezug von Mitarbeiteraktien sichern wollte, hat auf Sand gebaut. Und auch wer bei den zahlreichen Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre glaubte, mit dem gewaltigen zusätzlichen Aktienangebot würden die absoluten Tiefstände ausgelotet, hat sich getäuscht. Es war bisher stets zu früh, als Aktionär in die Commerzbank einzusteigen.

          Der Kurs der Commerzbank-Aktie seit 1999

          Fast das Positivste, was man zur Commerzbank sagen kann, ist: Sie ist immerhin noch da. Um die Jahrtausendwende war die Commerzbank in Frankfurt hinter Deutsche Bank und Dresdner Bank nur die Nummer drei, und auch die Münchener Hypo-Vereinsbank hatte sie überholt. Die Commerzbank galt an der Börse als Übernahmekandidat, den jedoch keiner kaufen wollte. Der im Mai 2001 angetretene Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller versuchte, das Institut mit mehr Gewicht zu füllen und damit für einen Aufkäufer schwerer verdaulich zu machen. Müller brachte die Commerzbank als Aufkäufer für alles Mögliche ins Gespräch, etwa auch für die Sparkasse Stralsund, als diese in den Jahren 2003 und 2004 zum Verkauf zu stehen schien. Doch das Aufbrechen des dominanten öffentlich-rechtlichen Sparkassenverbundes scheiterte; von ihm hatten sich die privaten Banken bessere Chancen im Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland versprochen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.