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Dividenden : Milliarden für deutsche Aktionäre

Verkündet die Zahlen des Jahres: Thomas Höttges von der deutschen Telekom am 06.03.2014 Bild: REUTERS

Deutsche Unternehmen werden auch 2014 viel Dividende ausschütten. Damit schlagen Aktien das Sparbuch bei weitem.

          20 Prozent, 50 Prozent, 100 Prozent - egal, wie viel es am Ende werden: Aktionäre wollen möglichst schnell möglichst hohe Kursgewinne. Würde man zumindest meinen. Doch das ist falsch.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Anleger wollen eine hohe Dividende. Nur 13 Prozent der Befragten in einer Studie von Deutschem Aktieninstitut, der Ruhr-Universität Bochum und der Deutschen Post DHL wollten eine geringe Dividende akzeptieren, selbst wenn dafür die Kurse stark stiegen. Die meisten Anleger aber wählten die gute Mitte: mittelgroße Dividende, mittlere Kurssteigerung.

          Das zeigt: Die Dividende ist für Aktionäre enorm wichtig. Das ist nicht überraschend. Sie ist viel verlässlicher als ein Kursgewinn, weil sie selten gekürzt wird. Sie fließt jedes Jahr, während sich ein Kursgewinn erst beim Verkauf in der Kasse bemerkbar macht. Und schließlich: Mit teilweise mehr als vier Prozent werfen viele Aktien derzeit mehr als doppelt so viel ab wie Bundesanleihen. Und auch viel mehr als Anleihen des gleichen Unternehmens. Die Aktien von Daimler und BASF zum Beispiel bringen Dividendenrenditen von rund 3,5 Prozent, ihre Anleihen rentieren aber nur mit etwa einem Prozent.

          Voller Vorfreude schauen die Aktionäre daher jetzt auf die Ausschüttungen in diesem Jahr, denn sie waren noch nie so hoch. Weltweit werden erstmals mehr als eine Billion Dollar an die Aktionäre ausgezahlt, hat die britische Fondsgesellschaft Henderson Global Investors errechnet. Am meisten wird mit rund einem Drittel in den Vereinigten Staaten gezahlt, Deutschland steuert als fünftgrößter Dividendenzahler der Welt noch knapp vier Prozent bei. Rund 27 Milliarden Euro kommen von den Dax-Firmen. Im Januar machte Siemens den Anfang, die Mehrheit kommt im April und Mai.

          Doch die Dax-Unternehmen werden diesmal keine Rekordausschüttungen schaffen. Sie werden knapp unter den Bestmarken von 2007 und von 2012 bleiben. Denn die Gewinne, aus denen die Dividenden bezahlt werden, sind im vergangenen Jahr kaum gestiegen. In den Jahren zuvor sind die Gewinne zwar geklettert, was aber viele Firmen zum Schuldenabbau statt zu höheren Ausschüttungen genutzt haben.

          Und jetzt kommt noch hinzu: Fünf Dax-Firmen ziehen die Bilanz des ganzen Index in den Keller. Sie kürzen die Ausschüttung. Deutsche Telekom, die Versorger Eon und RWE, der Düngemittelhersteller K+S und die Chemiefirma Lanxess sind die Übeltäter. Hinzu kommen Commerzbank und Thyssen-Krupp, die ihre Ausschüttung wie im Vorjahr ausfallen lassen. Die 18 Firmen, die mehr zahlen werden, können das nicht ganz ausgleichen.

          Nur auf die Dividendenrendite schielen, ist kontraproduktiv

          Das Paradoxe: Trotz Kürzung finden sich mit der Telekom, Eon und RWE drei der Sünder immer noch unter den Top Ten der Firmen mit den höchsten Dividendenrenditen. Sie setzt die Ausschüttung ins Verhältnis zum aktuellen Kurs. Hat das Unternehmen Probleme und fällt deswegen der Aktienkurs, steigt die Dividendenrendite an und wird dadurch optisch attraktiver. Wer nur nach dieser Kennzahl kauft, wie es einige Anleger tun, riskiert, auf die Nase zu fallen, wenn wegen der schlechten Geschäftsentwicklung die Dividende gekürzt werden muss. So erging es den Anlegern von K+S. Die Aktie glänzte vor wenigen Tagen noch mit 6 Prozent Dividendenrendite. In der vergangenen Woche musste das Unternehmen die Dividende drastisch kürzen. Jetzt liegt die Rendite bei 1,2 Prozent und ist damit eines der Schlusslichter im Dax.

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