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Aktien : Endzeitstimmung an der Börse

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Die Augen täuschen nicht: Der Dax fällt auf ein Zweijahrestief Bild: ap

Die Wall Street droht nach unten auszubrechen. Die nervösen Börsianer in Frankfurt verkaufen aus Furcht ihre Aktien.

          Nur von kurzer Dauer war die Erholung am Freitag an den Aktienmärkten. Zwar hat sich der Dax von dem Turnaround an der Wall Street am Donnerstag kurz beeindrucken lassen, aber schnell schon holten die europäischen Aktien die Realität ein. Zumal die Wall Street am Freitag ebenfalls mit Verlusten in den Handel geht.

          Der Dax verlor 2,61 Prozent auf 5.222 Punkte und markierte damit ein neues Zweijahrestief. „Ich glaube nicht, dass wir uns heute über die 5.351 Punkte retten können“, sagt ein Händler am späten Nachmittag noch mit Blick auf den Vortag, als der Dax zwar im Verlauf das bisherige Tief vom März 2001 unterschritt, sich im Handelsschluss aber wieder über die magischen 5.351 Punkte rettete.

          Angst um Arbeitsplätze kursiert

          Im Handel herrscht Endzeitstimmung, da die Börsenflaute sich mittlerweile auch durch Entlassungen im Investment-Banking bei den Händlern bemerkbar macht. Die vermuteten Erholungsansätze für die Aktienmärkte verschieben sich sukzessive nach hinten. „Das zweite Halbjahr haben die meisten Börsianer bereits abgehakt. Ob ein Aufschwung im ersten Halbjahr 2002 kommt, wird ebenfalls immer mehr angezweifelt“, sagt ein Marktteilnehmer. Wenn sich aber erst in einem Jahr wieder die Märkte beleben, dann könnten alle Institute rund 15 Prozent der Mitarbeiter freisetzen, so die Schätzung eines Betroffenen.

          Neben der wackeligen Situation an der Wall Street, wo wichtige Unterstützungen zu kippen drohen, die eine weitere Abwärtswelle nach unten auslösen könnten, belasten die Hiobsbotschaften der Unternehmen. „Deutsche Telekom, MAN und Bayer, das Vertrauen in die deutschen Aktien ist einfach nicht da“, so ein Händler. Trotz des festeren Euro, der die Anlage für Ausländer attraktiver macht, gebe es keine Geschäfte aus Übersee.

          MLP im freien Fall

          Im freien Fall befinden sich die Aktien von MLP, die 17,76 Prozent auf 68,99 Euro verlieren. JP Morgan hat die Aktien von Buy auf Marketperformer zurück gestuft. Die Analysten der Investmentbank kalkulieren statt 30 Prozent Wachstum nur noch 28 Prozent. Angesichts der hohen Bewertung von MLP, die sich nur halbwegs über die Wachstumsraten rechtfertigen lässt, löst jede Korrektur ein Desaster aus.

          Trotz der Bekundungen von Bundeskanzler Schröder, der die T-Aktie für unterbewertet hält, geht der Sturzflug weiter. Mit einem Abschlag von 3,44 Prozent auf 17,38 Euro markiert die strapazierte Aktie ein neues Dreijahrestief. MAN verlieren 3,11 Prozent auf 24,95 Euro, nachdem der Konzern am Vortag Bilanzfälschungen bei seiner britischen Tochter aufgedeckt hat. Dies führt zu Ergebniseinbußen für das Jahr 2001, die den Börsianern überhaupt nicht gefallen. Bayer steigen um 1,31 Prozent auf 33,33 Euro.

          Einziger Lichtblick im Dax 100 sind die Aktien von Altana. Nicht nur dass der Pharmahersteller zum Wochenbeginn bereits kerngesunde Halbjahreszahlen präsentierte, nun legten die Forscher auch noch gute Ergebnisse bei der Medikamentenentwicklung vor (siehe Link: Altana markieren Allzeithoch). Die Deutsche Bank hat die Aktie prompt zum Kauf empfohlen. Der Kurs ist zwar von seinen Höchstkursen über 50 Euro zurück gekommen, notiert aber immer noch mit 13,64 Prozent auf genau 50 Euro im Plus.

          Neue Markt schließt sich den Tiefstkursen an

          „Über den Neuen Markt spricht hier keiner mehr“, beschreibt ein Händler die Stimmung für das ehemalige Vorzeigesegment der Deutschen Börse. Der Nemax 50 schließt mit minus 1,21 Prozent bei 1.060 Punkten auf einem neuen Allzeittief Schlusskursbasis. Der Nemax All Share rutscht mit einem Abschlag von 1,55 Prozent wieder auf ein Jahrestief bei 1.107,66 Punkten.

          Das Interesse an den Technologieaktien ist verblasst, kein Wunder, denn auch am Freitag beweisen Unternehmen wie Pixelpark und IVU Technologies mit verfehlten Prognosen, dass seriöse Investments in die ehemaligen Glanzlichter nahezu unmöglich sind. IVU Technologies reduzieren sich um 53 Prozent auf 1,61 Euro und Pixelpark um 16,6 Prozent auf 4,21 Euro. Nur kurzfristig konnten sich die Aktien von PrimaCom verdoppeln, nachdem die „Financial Times Deutschland“ über die Übernahme durch Liberty Media berichtet hat. Mittlerweile hat PrimaCom solche Gespräche dementiert. Die Aktien stiegen um 21,34 Prozent auf 9,65 Euro (siehe Link: Heiße Gerüchte um PrimaCom).

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