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Pleitegefahr : Was taugt die Deutsche Bank?

Der Börsenwert der Deutschen Bank ist im Keller, der Ruf der Marke ramponiert. Bild: AFP

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Turbulenzen. Müssen Sparer ihr Geld in Sicherheit bringen? Oder sollen wir jetzt günstig die Aktie oder die Anleihe kaufen?

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          Am Ende einer Woche voller unterschiedlichster Nachrichten über die Zukunft von Deutschlands bekanntester Bank gibt es zumindest eine gute Botschaft: Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat keinen neuen Tiefstand mehr erreicht, sondern sich zur Abwechselung sogar ein bisschen erholt. Nur knapp 10Euro war die Aktie vor gut zwei Wochen noch wert, wobei diese nüchterne Beschreibung der dramatischen Lage nicht ganz gerecht wird: Noch nie in der fast 150-jährigen Geschichte der Bank war der Aktienkurs so tief gefallen.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun notiert die Aktie zumindest wieder bei einem Wert von rund zwölf Euro, doch von einer echten Erholung kann nicht die Rede sein. Zu unsicher ist, ob Vorstandschef John Cryan die schwierige Lage der Bank je in den Griff bekommen wird, zu unklar bleibt, welche der vielen Gerüchte, die im Laufe der Woche in Umlauf kamen, tatsächlich wahr sind. Mal hieß es, Cryan habe gute Chancen, die hohen Strafen herunterzuhandeln, die seinem Unternehmen wegen problematischer Hypothekengeschäfte in Amerika drohen. Dann wieder hieß es, andere Dax-Konzerne seien bereit, sich an der Deutschen Bank zu beteiligen, wenn sich die Situation verschlechtere. Was daran stimmt oder nicht, lässt sich von außen nur schwer durchschauen, eines aber ist sicher: Zurückhaltend ausgedrückt, ist die Deutsche Bank noch lange nicht aus dem Schneider.

          Die staunende Öffentlichkeit mag längst den Überblick verloren haben in all dem Wirrwarr um Strafzahlungen in Amerika, problematische Geschäfte in Russland und die Schwierigkeiten, vor die die Niedrigzinsphase alle Banken stellt. Dass es der Deutschen Bank so schlecht geht wie nie, hat aber mittlerweile wohl jeder begriffen. Alle sind in Sorge: Die Aktionäre wollen wissen, ob die Aktie jemals wieder Aussicht auf einen deutlich höheren Kurs hat. Die Anleihebesitzer fragen sich, ob die Rückzahlung ihres Geldes in Gefahr ist. Und jeden ganz normalen Kunden treibt vor allem eine Angst um: Wie sicher ist mein Erspartes noch bei dieser Bank?

          Dies ist die brisanteste Frage. Aber da das Schicksal von Aktionären, Gläubigern und Kunden der Deutschen Bank aufs engste miteinander verknüpft ist, lohnt es, mit den Aktionären anzufangen. Das Interessante an der Deutsche, Bank-Aktie ist: Nach allen Regeln der Bewertungskunst ist sie ungeheuer günstig. Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) heißt die Kennziffer, an der die Spezialisten dies ablesen. Vereinfacht gesagt, setzt diese Ziffer den Börsenwert der Deutschen Bank ins Verhältnis zum Eigenkapital – also zu dem Geld, das die Bank von ihren Aktionären (den Eigentümern) erhalten hat.

          Ultimative Gelegenheit?

          Bei der Deutschen Bank notiert das Kurs-Buchwert-Verhältnis erstaunlicherweise auf einem Wert von nur 0,25. Liegt der Wert unter eins, bedeutet dies: An der Börse ist das Unternehmen weniger wert als die Vermögenswerte, die in seiner Bilanz stehen. Folgt man der Ansicht der Börse, hat also jeder Euro, den ein Aktionär der Deutschen Bank zur Verfügung stellt, in den Händen der Bank nur noch einen Wert von 25 Cent. Anders ausgedrückt: Es handelt sich um ein massives Misstrauensvotum der Aktionäre.

          Wenn die Bewertung derart aus den Fugen ist, gibt es normalerweise immer Investoren, die sagen: So billig gibt es die Aktie nie wieder, der Kursrückgang ist übertrieben. Besteht also jetzt die ultimative Gelegenheit zum Einstieg? Es sollte der Deutschen Bank Sorge machen, dass dies selbst unter Profianlegern derzeit nur die wenigsten so sehen. So sagt der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber: „Ich halte den geeigneten Zeitpunkt noch nicht für gekommen.“

          Der Grund für die Skepsis der Investoren ist: Viele glauben, dass die Bank um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommen wird. Irgendwo muss das Geld schließlich herkommen, wenn man die erwartete Milliardenstrafe in Amerika zahlen muss, für die die bisherigen Rückstellungen in der Bilanz möglicherweise nicht ausreichen. Dass John Cryan eine Kapitalerhöhung offiziell ausschließt, muss nichts bedeuten. So sehr sie der Bank helfen würde, so unbeliebt ist die Kapitalerhöhung in aller Regel bei den Investoren. Denn dadurch erhöht sich die Anzahl der ausstehenden Aktien, was bedeutet: Jeder Investor bekommt weniger vom Gewinn einer Firma ab. Die Aktien würden wohl nochmals an Wert verlieren. Dies erklärt die Zurückhaltung.

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