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Scherbaums Börse : Zäsur in der Luftfahrt

  • -Aktualisiert am

Der Mythos der Boeing 747 wird in die Geschichte eingehen. Bild: Reuters

Die Flugbranche muss sich wegen der Corona-Krise neu erfinden. Riesige Jets gehören bald der Vergangenheit an. Gelingt Airbus und Boeing dennoch der Neustart? Die Chancen stehen nicht schlecht.

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          Die Corona-Krise hat die beiden weltweit größten Luftfahrt- und Rüstungskonzerne Airbus und Boeing im zweiten Quartal ganz tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Bei Airbus stand unter dem Strich ein Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

          Den amerikanischen Konkurrenten hatte es noch schlimmer erwischt: Ein Minus von rund 2,4 Milliarden Dollar (gut zwei Milliarden Euro) – im Vergleich zum Vorjahr sogar eine Verbesserung. Da hatten dem „Jumbo“-Konzern Sonderkosten wegen des Unglücksfliegers 737 Max ein Rekordminus von 2,9 Milliarden Dollar eingebrockt.

          Wer noch Aktionär der beiden Konzerne ist, muss erst einmal tief durchatmen. Kaum eine Branche wurde so hart von der Corona-Pandemie getroffen, wie die Luftfahrtindustrie. Und kaum eine andere Branche wird sich länger mit den Auswirkungen auseinandersetzen müssen.

          Bye bye, Jumbo!

          Beide Unternehmen kämpfen. Tausende Entlassungen, Produktionen werden gekürzt und die Zeiten der Superlativen am Himmel scheinen vorbei zu sein. Boeing wird das einst größte Passagierflugzeug der Welt nach mehr als fünf Jahrzehnten nicht mehr bauen. Bye bye, Jumbojet Boeing 747. Im Jahr 2022 wird der letzte gebaut. Die Nachfrage sei zu gering, so die Amerikaner.

          Derzeit liegen Boeing nur noch ein Dutzend Bestellungen für das Modell 747 als Frachter vor. Zuletzt wurden nur noch sechs Exemplare pro Jahr gefertigt. Da Airbus bereits Anfang 2019 verkündet hatte, die Produktion seines Riesenfliegers A380 einzustellen, wird es künftig keine neuen Könige der Lüfte mehr geben.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.

          Airbus war einst mit dem doppelstöckigen Airbus A380 angetreten, den Jumbo als größtes Passagierflugzeug der Welt abzulösen und vor allem bei den großen Fluggesellschaften wie beispielsweise die Deutsche Lufthansa zu punkten. Der Plan gehört endgültig der Vergangenheit an. Stattdessen wollen die Europäer auch noch die Produktion des jüngsten Langstreckenjets A350 noch stärker zurückfahren als geplant.

          Hoffnung gibt es dagegen bei Boeing aufgrund des wichtigen Modell 737 Max, das wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten seit über einem Jahr nicht starten darf und auch nicht an Kunden ausgeliefert werden kann. Nun hofft der Konzern auf grünes Licht seitens der US-Luftfahrtbehörde wegen einer Wiederzulassung. Das Timing dafür könnte wohl nicht schlechter sein – mitten in der größten Krise der Branche. Eine große Nachfrage für den Flieger erscheint unrealistisch zu sein, viele Bestellungen sind ungewiss.

          Das Wohl von Boeing und Airbus wird aber nicht allein an Modellen wie dem 737 Max oder dem Konkurrenzmodell von Airbus A320 hängen. Es wird spannend werden, zu sehen, wie vor allem der Business-Alltag sich nach Corona nachhaltig ändern wird, oder auch nicht.

          Aktuell sind Video-Konferenzen statt durch die Welt jetten angesagt. Die Konsequenz: Flugzeuge bleiben leer, Fluggesellschaften streichen Flüge oder stellen den Betrieb sogar komplett ein und massenweise Flugzeuge bleiben damit am Boden. Neue sind da erst gar nicht eingeplant.

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