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Abu Dhabi : Wie ein Königreich Milliarden am Kapitalmarkt einsammelt

  • -Aktualisiert am

Tausend und eine Million: Die legendäre Finanzkraft der Öl-Monarchen führte auch zum Bau dieser Prunk-Moschee in Abu Dhabi. Bild: dpa

Die Scheichs brauchen Geld, weil die Pandemie den Ölpreis drückt und die Auslastung touristischer Immobilienprojekte nachlässt. Investoren lassen bereitwillig Dollar in die Wüste fließen.

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          Privatanleger müssen in Euro lautende Anleihen von Industrieunternehmen mit kleiner Stückelung und positiven Zinsen derzeit mit der Lupe suchen. Mancher würde wohl sogar ein Königreich für eine solche Anleihe bieten. Was jedoch auf den Kurszetteln auftaucht, sind stattdessen Anleihen für ein Königreich: Die neuen Rentenpapiere des Öl-Emirats Abu Dhabi aber liegen mit einer Mindestanlage von 200.000 Dollar weit außerhalb des Bereichs, in dem selbst für Wohlhabende noch eine sinnvolle Streuung des Portfolios möglich ist. Zudem sind Währungsrisiken und rechtliche Aspekte zu beachten.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Trotzdem lohnt ein Blick auf die Emir-Anleihen, weil das Beispiel interessante Entwicklungen zeigt. Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate und gleichzeitig das wohlhabendste Mitglied dieses Verbunds aus sieben autonomen Wüstenmonarchien, in denen das Scharia genannte islamische Recht gilt.

          Die rechtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Emirats mögen altertümlich sein, das hindert die Monarchie nicht daran, den modernen Kapitalmarkt anzuzapfen. Die drei neuen Anleihen im beachtlichen Volumen von insgesamt 5 Milliarden Dollar sind nicht nach islamischem Recht begeben, wonach Zinsen verboten wären. Die Kupons liegen 0,65 bis 1,05 Prozentpunkte über denen vergleichbarer amerikanischer Staatsanleihen.

          Längfristigster Wüsten-Bond aller Zeiten

          Eine der Anleihen besitzt eine Laufzeit von 50 Jahren, wird also erst 2070 fällig. Es handelt sich laut Bloomberg um den am längsten laufenden Bond, der je von einem arabischen Golfstaat emittiert wurde. Der Erfolg der Plazierung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anleihe aus einer Notlage heraus begeben wurde. Die Golfregion muss den Einbruch der Ölpreise verkraften und kann aufgrund der ebenfalls durch die Pandemie bedingten Tourismusflaute ihre teuren Immobilienprojekte nicht wie geplant auslasten.

          Analysten trauen dabei zumindest Abu Dhabi zu, über die Runden zu kommen. Dass mit der Finanzkraft der Scheichs jederzeit zu rechnen ist, zeigt eine Anekdote aus der Zeit nach der Finanzkrise: Damals paukte Abu Dhabi seinen völlig überschuldeten Bündnispartner Dubai mit einer Geldspritze in Milliardenhöhe heraus und verhinderte damit eine Schuldenkrise, wie sie kurz darauf ausgehend von Griechenland über die Europäische Union hereinbrach.

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