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Missbrauch von Rechtsmitteln : Die Angst vor der Abmahnung

Schon kleinste Fehler wie ein fehlendes Komma im Impressum oder ein Formulierungsfehler können ausreichen, um abgemahnt zu werden. Bild: Picture-Alliance

Findige Anwälte treiben mit dem Missbrauch von Abmahnungen ihr Unwesen. Ein kleiner Fehler kann arglose Bürger finanziell zugrunde richten. Auch ein neuer Gesetzesentwurf greift nicht weit genug.

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          Dass ein falsches Wort teuer werden kann, hat Ferhat Kalpaslan auf die harte Tour gelernt. Der 30-Jährige verkaufte im Internet nebenberuflich Computerzubehör. Das Geschäft lief gut, bis ihm im Jahr 2015 ein Fehler bei der Rückgabeerklärung unterlief. Im Auftrag eines Wettbewerbers mahnte eine Anwaltskanzlei ihn dafür ab, dass er in seinem Online-Shop eine falsche Formulierung für das Rücksenderecht nutzte. Der Händler beglich die Abmahngebühr von knapp 1.000 Euro sofort und unterschrieb eine Unterlassungserklärung, mit der er sich verpflichtete, diesen Fehler nicht zu wiederholen. „Ich wollte mich danach einfach wieder meinem Geschäft widmen“, sagt Kalpaslan. Doch mit seiner Unterschrift auf der Unterlassungserklärung fingen die Probleme erst richtig an.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es dauerte nur wenige Wochen, bis die Anwälte abermals einen Verstoß fanden. Am Ende musste er für die Abmahnungen und Anwaltskosten mehr als 23.000 Euro zahlen. Er versuchte, das Geld mit vier Nebenjobs aufzutreiben, denn mit seinem Computershop erwirtschaftete er längst keine Einnahmen in dieser Höhe. „Ich habe es nicht geschafft, erlitt unter dem ganzen Stress innere Blutungen und musste ins Krankenhaus“, sagt Kalpaslan. Dafür macht er die Abmahner verantwortlich. Er sagt, bis heute habe er Angst davor, das abermals zu erleben.

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