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Abgeltungsteuer (8) : Vorsprung vor dem Fiskus

Bild: Bengt Fosshag

Die Suche nach dem richtigen Fonds hat sich noch nie so gelohnt wie heute. Denn Fonds dürfen ihr Vermögen umschichten, ohne dass Abgeltungsteuer fällig wird. Wer sein Investmentprodukt lange hält, kann mehrere tausend Euro Steuern sparen.

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          „Hin und her macht Taschen leer“, sagen Börsianer gern und meinen damit: Wer sein Geld ständig umschichtet, zahlt viel an Gebühren und steht am Ende meistens ärmer da, als wenn er gelegentlich an einer Geldanlage festgehalten hätte - über die Nervosität freut sich bisher nur einer: die Bank.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn aber vom nächsten Jahr an die Abgeltungsteuer gilt, freut sich noch ein Zweiter, und das ist der Staat. Denn der verlangt bei jedem Verkauf 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf den Kursgewinn - auch wenn die einjährige Spekulationsfrist überschritten ist, nach der die Kursgewinne bislang steuerfrei waren.

          Nicht zu oft umschichten

          Darum sollten Anleger in Zukunft darauf achten, dass sie ihr Geld nicht allzu oft umschichten. Zwar müssen auch treue Anleger am Ende ihre Steuer zahlen. Aber wer schon zwischendurch immer wieder Geld an den Fiskus abführen muss, verliert die Erträge, die dieses Geld erwirtschaften würde. Und das ist gar nicht wenig. Bei einer Anlage von 10.000 Euro gehen da auf 20 Jahre locker 6000 Euro verloren.

          Darum werden jetzt Fonds attraktiver. Denn ein Fondsmanager darf das verwaltete Geld umschichten, ohne dass der Fiskus gleich auf die Kursgewinne zugreift. Darum erledigt er die Umschichtungen, die im Laufe der Zeit nötig werden, viel günstiger als der Anleger selbst. Der wiederum zahlt nur noch Abgeltungsteuer, wenn er Fondsanteile verkauft. Darum sollten Fondsbesitzer darauf achten, dass sie mit ihrer Auswahl möglichst lange auskommen.

          Die besten Chancen haben sie mit großen Fonds mit langer Geschichte, denn sie werden erfahrungsgemäß selten geschlossen. Anleger sollten sich nicht auf ein aktuelles Mode-Anlagethema festlegen, sondern einen Misch- oder Dachfonds kaufen, dessen Manager das Geld flexibel anlegen kann (siehe „Auf Größe und Alter setzen“).

          Günstige Fonds-Alternativen

          In der Vergangenheit hat sich aber auch gezeigt, dass selbst Fondsmanager nicht den richtigen Zeitpunkt treffen, um das Geld in ihrem Fonds umzuschichten. Dann geht Rendite verloren. Anleger können sich also auch einmal auf eine Vermögensverteilung festlegen und sie mit günstigen börsengehandelten Indexfonds (ETFs) verwirklichen (siehe Kasten).

          Egal ob Mischfonds oder ETF - Anleger sollten ihre Fonds nach Möglichkeit noch in diesem Jahr kaufen. Denn für Fondsanteile, die vor dem 31. Dezember erworben werden, gelten unbegrenzt die alten Steuerregeln - die Kursgewinne bleiben also vom Fiskus verschont, wenn Anleger ihre Anteile länger als ein Jahr halten. Und zwar so lange, bis sie wieder verkauft werden. Wer die alten Regeln noch nutzen möchte, sollte also besonders darauf achten, dass er mit seinen Fonds lange glücklich ist, indem er sich auf große, alte Fonds konzentriert.

          Thesaurierende Fonds sind steuerlich besser

          Außerdem sollten Anleger in diesem Jahr darauf achten, dass sie nach Möglichkeit keine Fonds kaufen, die ihre Erträge aus Zinsen oder Dividenden immer wieder ausschütten, empfiehlt Andreas Fink beim Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Denn wenn die Anleger von dem ausgeschütteten Geld wieder neue Fondsanteile anschaffen, dann werden diese Fondsanteile nach dem 1. Januar gekauft - und damit gilt für die neuen Fondsanteile nicht mehr die Übergangsfrist, sondern die Abgeltungsteuer.

          Günstiger sind darum sogenannte „thesaurierende Fonds“, die die Erträge im Fondsvermögen behalten. Bei denen muss der Anleger keine neuen Fondsanteile kaufen, stattdessen steigt der Wert der alten. Wenn der Anleger irgendwann Geld braucht, kann er immer noch einen Teil seines Fonds verkaufen.

          Der Unterschied schwindet im nächsten Jahr

          Für die Anteile, die erst im nächsten Jahr gekauft werden, ist die Unterscheidung zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Produkten allerdings nicht mehr so wichtig, sagt Fink. Zwar müssen Anleger dann auf ausgeschüttete Fondsanteile direkt Abgeltungsteuer zahlen. Doch mit thesaurierenden Fonds geht es den Anlegern nicht besser, denn dort führt der Fonds die Abgeltungsteuer in derselben Höhe ab.

          Beim Verkauf der Anteile achtet dann die Depotbank darauf, dass nur noch auf die Teile des Fondsvermögens Abgeltungsteuer anfällt, die noch nicht versteuert sind - und nicht auf die Zins- und Dividendenerträge, auf die der Anleger schon einmal seine Steuern gezahlt hat.

          Und so haben es Anleger mit Fonds in Zukunft ziemlich einfach: einmal kaufen, am Ende verkaufen. Die Abgeltungsteuer auf die Kursgewinne fällt erst am Ende an. Und weil Fondsbesitzer ihr Geld länger behalten können, bevor der Fiskus es abgreift, können sie es auch länger für sich arbeiten lassen. Und das bringt noch einmal einen ordentlichen Batzen an zusätzlicher Rendite.

          Aktiv verwaltete Fonds

          Um möglichst wenig unter der Abgeltungsteuer zu leiden, sollten Anleger ihre Geldanlagen künftig lange halten. Das heißt zuerst: große Fonds mit Geschichte kaufen. Denn wenn er viel Geld verwaltet, wird er wahrscheinlich nicht aufgelöst - und sein Überleben ist umso wahrscheinlicher, je länger es ihn schon gibt. Am besten sind Fonds, die älter als zehn Jahre sind und mindestens 50 Millionen Euro verwalten, bei kleinen Fondsgesellschaften dürfen die Fonds auch etwas kleiner sein.

          Aufgelöste Fonds sind für die Anleger dagegen besonders ärgerlich: Für den Fiskus zählt eine Fondsauflösung nämlich wie ein Fondsverkauf. Und wenn das Geld dann wieder angelegt wird, schlägt die Abgeltungsteuer zu. Der Tausch in einen anderen Fonds gilt zwar nicht als Verkauf und der Fiskus hält sich zurück, aber der Anleger hat dann vielleicht auch nicht mehr den besten Fonds im Depot.

          Mit großen Fonds sorgen Anleger also dafür, dass sie ihre Anteile nicht verkaufen müssen. Nun sollten sie noch darauf achten, dass sie die Anteile auch nicht verkaufen wollen. Darum bieten sich jetzt vor allem flexible Fonds an, die in möglichst viele unterschiedliche Geldanlagen investieren können - auch in afrikanische Telekommunikationsaktien, falls die in 15 Jahren aufblühen sollten. Dazu eignen sich keine aktuellen Modethemen wie Infrastruktur oder Umwelt. Besser sind zum Beispiel Mischfonds und Dachfonds geeignet.

          Dabei investieren Dachfonds in andere spezialisierte Fonds, Mischfonds direkt in Aktien und Anleihen. Darum fallen für Dachfonds höhere Gebühren an, und das drückt erst mal die Rendite. Andererseits hätten die Dachfonds größere Renditechancen, weil sie das Geld an spezialisierte Fondsmanager verteilen können, findet Fondsanalyst Christian Michel von der Ratingagentur Feri. Bei der Rendite nach Kosten haben in den vergangenen fünf Jahren einige Mischfonds vorne gelegen.

          Passive Indexfonds

          Wer sich künftig hauptsächlich die günstigen Indexfonds (ETFs) ins Depot legen will, muss wissen, wie er sein Vermögen am besten verteilt. Die Quirin-Bank empfiehlt zum Beispiel ein ausgewogenes Depot. Wer dagegen besonders sichergehen will und nach Möglichkeit in keinem Jahr Verlust machen möchte, sollte nur ein Fünftel in einen ETF auf weltweite Aktien stecken. Und wer zugunsten einer höheren Renditechance auch mal einen kräftigen Verlust hinnehmen würde, der kann auf die Anleihen verzichten, mehr Aktien kaufen und Rohstoffe ins Depot mischen.

          Doch nicht mal alle Indexfonds, die denselben Index abbilden, sind gleich. Denn es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das zu tun: So vermeiden es etwa viele Indexfonds, die Dividenden direkt ausgeschüttet zu bekommen - auf die würden schließlich Steuern fällig.

          Also kaufen sie oft gar nicht direkt die Aktien im Index, sondern schließen mit einer Bank spezielle Finanzgeschäfte ab, bei denen sich die Bank verpflichtet, immer den Wert des Index zu zahlen. Das sind sogenannte „Swaps“. Und die sind steuerfrei. Dafür kann der Fonds an Wert verlieren, falls die Swap-Bank insolvent werden sollte. Aber selbst dann würde kein Fonds mehr als zehn Prozent verlieren, mehr darf er nämlich nicht in Swaps anlegen. Swap-ETFs bieten vor allem DB X-Trackers und Lyxor an, auch iShares hat einige im Angebot. Alle ETFs in der folgenden Tabelle sind Swap-ETFs.

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