https://www.faz.net/-gv6-x8tn

Abgeltungsteuer (5) : Lohnt sich ein Konto fürs Kind?

Bild: F.A.Z. / Bengt Fosshag

Wenn Eltern ihren Kindern Geld schenken, sparen sie Steuern. Doch können sie das Vermögen zurückholen? Ist der Übertrag immer eine unwiderrufliche Schenkung? Leser fragten, unser Experte Ludger Strecker hat geantwortet.

          Kinder kosten viel Geld. Aber sie können auch beim Sparen helfen. Zumindest gegenüber dem Finanzamt. Denn wenn Eltern Teile ihres Vermögens an den Nachwuchs übertragen, zahlen sie im Jahr Tausende Euro an Steuern weniger.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn auch den Kindern stehen Freibeträge zu. Darum sind bis zu 8501 Euro im Jahr an Zinsen und Dividenden steuerfrei. Das wird auch im kommenden Jahr so sein, wenn die Abgeltungsteuer gilt. Nur, dass dann die Kursgewinne für neugekaufte Wertpapiere auch zu versteuern sind und in diese Freibeträge hineinfallen. Vor 2009 gekaufte Papieren bleiben steuerfrei, wenn sie mindestens ein Jahr gehalten wurden.

          Das Familienrecht erlaubt keine Trickserei

          Auf den ersten Blick sieht das nach einem tollen Steuersparmodell aus. Eltern schenken den Kindern Teile ihres Depots, kassieren jahrelang steuerfreie Erträge und übertragen dann die Wertpapiere kurz vor dem 18. Geburtstag zurück auf ihr Konto. Schließlich verwalten die Eltern die Konten der Kinder bis zu deren Volljährigkeit.

          Solch eine Trickserei erlaubt aber das Familienrecht nicht. Denn die Eltern müssen das Konto im Sinne des Kindes betreuen. Doch wenn sie das Geld zurückholen, werden die Kinder benachteiligt. Wenn das droht, müssen die Eltern das Familiengericht als „Ergänzungspfleger“ einbeziehen, das für das Kind urteilt. „Einseitige Gestaltungen zugunsten der Eltern, zum Beispiel mit dem Ziel, Steuern zu sparen, kommen dabei nicht durch“, weiß Ludger Strecker, der sich bei der Commerzbank um die Schenkungen reicher Kunden kümmert.

          Das Geld der Kinder darf nicht ihren Unterhalt finanzieren

          Ähnliches gilt für die Idee, Geld im Namen des Kindes anzulegen und aus den Erträgen Kleidung und Nahrung für den Nachwuchs zu bezahlen. „Die Eltern sind zum Unterhalt verpflichtet. Wenn das Kind das alleine von seinem geschenkten Geld bezahlt, könnte es finanziellen Ausgleich von Vater oder Mutter verlangen“, warnt Strecker. Ob es das auch wirklich macht, ist zwar eine andere Frage. Doch auch das Finanzamt könnte die Verhältnisse prüfen. Es könnte Kontoauszüge anfordern und damit feststellen, dass das verschenkte Geld auf dem Konto des Kindes reduziert wurde. Das wird schwer zu erklären sein.

          Anders ist die Lage freilich, wenn das Kind schon volljährig ist. Dann kann es alleine mit den Eltern Verträge schließen und dabei die Bedingungen aushandeln. Dann sind Modelle denkbar, in denen der Jugendliche eine größere Summe geschenkt bekommt und sie an die Eltern verleiht. Er muss dann aber übliche Kreditzinsen verlangen, sonst erkennt das Finanzamt die Konstruktion nicht an. Dennoch kann die Steuerersparnis größer sein als die Zinszahlung.

          Welcher Teil des Vermögens ist dauerhaft entbehrlich?

          Wenn die Kinder noch jünger als 18 sind, sollten Eltern das Geld auf den Namen des Kindes anlegen, das sie sowieso für den Nachwuchs sparen. Dann gehört das Vermögen dem Kind und kann nur ausnahmsweise zurückgeholt werden, etwa wenn die Eltern so verarmen, dass sie nicht mehr überleben könnten.

          In allen anderen Fällen ist das Kapital für die Eltern weg. „Daher ist die wichtigste Frage, ob man wirklich schenken will und bereit ist, auf das Vermögen dauerhaft zu verzichten, oder ob man eigentlich nur Steuern sparen und das Geld behalten möchte“, warnt Michael Jakobi von der Steuerkanzlei Flick Gocke Schaumburg.

          Schenkungen sollten der Bank mitgeteilt werden

          Wer wirklich schenken will und seinen Kindern Wertpapiere überträgt, der sollte vom kommenden Jahr an seiner Bank mitteilen, dass es sich um eine Schenkung handelt. Dann bleiben Kursgewinne von Papieren, die vor 2009 gekauft wurden, auch im Depot des Kindes steuerfrei. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Papiere als Neuanschaffung gelten, die dann steuerpflichtig wäre. Nachteil: Die Bank informiert das Finanzamt, dass Wertpapiere verschenkt wurden. Der Fiskus fordert dann Schenkungssteuer, wenn die Freibeträge überschritten wurden.

          Schenken die Eltern den Kindern größere Geldbeträge, wollen sie oft die Sicherheit, dass das Geld nach dem 18. Geburtstag nicht verjubelt wird. Die ist aber schwer zu bekommen. „Da die Kinder frei über ihr Geld entscheiden können sollen, kann nicht festgeschrieben werden, dass das Geld nur fürs Studium zu verwenden ist“, sagt Steueranwalt Dietrich Ostertun.

          Ein Treuhänder kann die Verwendung überwachen

          Also müssen die Eltern das Familiengericht hinzuziehen. Das kann erlauben, dass das Geld von einem Treuhänder verwaltet wird, zum Beispiel von einer Bank, einem Anwalt oder einem Verwandten. Er könnte das geschenkte Geld nach dem 18. Geburtstag zum Beispiel so verwalten, dass daraus nur ein Studium finanziert wird. So ist sicher, dass das Kind seine Ausbildung zu Ende bringt.

          Funktioniert das nicht, könnte das Konto auf den Namen von Kind und Eltern gemeinsam eingerichtet werden, so dass beide den Abhebungen zustimmen müssen. „Ein Vertrag zwischen beiden müsste dann regeln, welche Anteile geschenkt sind“, sagt Ostertun. Sicher akzeptiert wird diese Variante vom Finanzamt aber auch nicht. Falls sie Schwierigkeiten bringt, können die Eltern das angesparte Geld immer noch in einen Auszahlplan einer Fondsgesellschaft oder der Bank stecken, die das Geld in Raten überweist.

          Kinder brauchen eine Nichtveranlagungsbescheinigung

          Auf jeden Fall braucht das Kind eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt, sonst zieht die Bank Steuern ab. Bei Erträgen des Kindes von mehr als 7680 Euro im Jahr geht allerdings das Kindergeld verloren. Und schon ab rund 5000 Euro braucht es eine extra Krankenversicherung.

          Und wenn das Kind nicht das eigene ist, sondern das des Bruders? Dann greift die Schenkungssteuer schnell zu, denn die Freibeträge sind niedrig. Besser ist eine laufende freiwillige Unterhaltszahlung. Die ist nämlich steuerfrei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kamala Harris : Patriotisch gegen Trump

          Kamala Harris ist die neueste Kandidatin, die 2020 gegen Donald Trump antreten will. Sie war die zweite schwarze Senatorin in der Geschichte des Landes und will als erste Präsidentin abermals Geschichte schreiben.

          Handball-WM : Kroatiens Wut auf die Schiedsrichter

          Deutschland spielt ohnehin dank des Publikums in der Kölner Halle quasi zu acht bei der Handball-WM: Die Kroaten monieren nach der 21:22-Niederlage, dass zudem die Schiedsrichter geholfen hätten.
          Charlotte Brontës junge Heldin war beim Blättern in einem Buch glücklich wie selten. Diese speziell dafür vorbereitete Ausgabe von „Jane Eyre“ lässt sich nach der Lektüre so falten, dass – wahlweise — eine Aufforderung oder eine Verlockung zu lesen ist.

          Erklärung von 130 Forschern : Zur Zukunft des Lesens

          Bildschirme und bedrucktes Papier sind als Lesemedien nicht gleichwertig: Mehr als 130 Leseforscher aus ganz Europa haben eine Erklärung zur Zukunft des Lesens im Zeitalter der Digitalisierung unterzeichnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.