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Schwierige Suche im Machtkampf : Die Aareal Bank braucht einen neuen Vorstandsvorsitzenden

Die Zentrale der Aareal Bank in Wiesbaden. Bild: Picture-Alliance

Der erkrankte Hermann Merkens kehrt nicht zurück. Die Nachfolgesuche ist wegen der aufmüpfigen Aktionäre Petrus und Teleios schwierig. Ein weiteres Vorstandsmitglied könnte allerdings Ende Mai ausscheiden.

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          Mitten in einem Machtkampf um die Besetzung des Aufsichtsrats muss die Aareal Bank einen neuen Vorstandsvorsitzenden finden. Der erkrankte Hermann Merkens, der seit November sein Amt als Vorstandsvorsitzender ruhen lässt, kehre „entgegen der ursprünglichen Erwartung“ nicht zurück, teilte die Aareal Bank mit. Merkens’ Vertrag werde zum 30. April aufgelöst. Der 1966 geborene Merkens hatte den Vorstandsvorsitz des gewerblichen Immobilienfinanzierers im Jahr 2015 von Wolf Schumacher übernommen.

          Hanno Mußler
          (ham.), Finanzen, Wirtschaft

          Für diese damals überraschende Entscheidung hatte die Aufsichtsratsvorsitzende Marija Korsch gesorgt. Die frühere Partnerin des Bankhauses Metzler ist auch jetzt gefordert: Da Merkens’ endgültiges Ausscheiden nicht überraschend gekommen sei, seien mit Nachfolgekandidaten bereits „sehr vielversprechende Gespräche geführt“ worden, ließ Korsch mitteilen.

          Petrus findet Verbündeten

          Allerdings ist Korsch selbst umstritten. Der Aktionär Petrus Advisors fordert auf der Hauptversammlung am 18. Mai die Abwahl von drei der acht Aufsichtsräte der Kapitalseite, darunter von Korsch. Der Schweizer Fonds Teleios unterstützt diese Forderung, wie zunächst Bloomberg berichtet hat und wie in Finanzkreisen bestätigt wird. Teleios wollte dazu der F.A.Z. keinen Kommentar geben. 

          Anstelle von Korsch schlagen Petrus und Teleios, die zusammen auf mindestens 15 Prozent der Aareal-Aktien kommen, den früheren Personalvorstand von Unicredit (Hypo-Vereinsbank) Heinz Laber vor. Vom Profil dürfte Korsch als neuen Vorstandsvorsitzenden jemanden suchen, dem sie als strategische Linie eher ein „Weiter so“ vorgibt – trotz schwieriger Gewerbeimmobilienmärkte, auf denen Aareal viele Hotels und Einzelhandelsimmobilien finanziert hat. Die Aktionäre Petrus und Teleios dagegen fordern mit dem Komplett-Verkauf der IT-Sparte Aareon am Ende eine Zerschlagung und Sanierung des Konzerns. Trotz des unentschiedenen Machtkampfes teilte Korsch mit, die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden sei in „fortgeschrittenem Stadium“. Doch einen neuen Vorstandsvorsitzenden dürfte die Aareal Bank erst nach der Klärung der künftigen Strategie verpflichten können.

          Headhunter verkleinert Kandidatenliste

          Derzeit führt ein beauftragter Headhunter dem Vernehmen noch mit rund fünf externen Kandidaten Gespräche. Darüber hinaus gilt Finanzvorstand Marc Hess als aussichtsreicher interner Kandidat für den Vorstandsvorsitz.

          Mit einer internen Lösung könnte die Aareal Bank eine weitere Forderung der aufmüpfigen Aktionäre Petrus und Teleios erfüllen: den Vorstand zu verkleinern, der mit sechs Mitgliedern für eine Bank mit rund 40 Milliarden Bilanzsumme als überdimensioniert gilt. Allerdings drängt sich kein interner Kandidat im Vorstand auf, der dann anstelle von Heß das Finanzressort übernehmen könnte. Gleichwohl kündigte die Aareal Bank an, dass der Aufsichtsrat auch die Größe des Vorstands prüfe und es schon in den nächsten Wochen Ergebnisse geben werde.

          Vertrag von Knopek läuft aus

          Damit könnte die Aareal Bank darauf anspielen, dass der Vertrag von Dagmar Knopek, seit 2013 im Vorstand für Kreditbearbeitung („Marktfolge“) verantwortlich, nach Informationen der F.A.Z. schon Ende Mai 2021 ausläuft. Bisher ist nicht bekannt, dass der Vertrag der 1958 geborenen Knopek verlängert würde – normalerweise geschieht dies bei Vorstandsmitgliedern knapp ein Jahr vor Vertragsende.

          Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass die Fonds Petrus und Teleios sich allein mit einer Verkleinerung des Aareal-Vorstands zufriedengeben. Längst entscheiden auch Juristen und die Finanzaufsicht Bafin in dem Machtkampf mit. Petrus hat aus Sicht der Aareal Bank in der Vergangenheit widersprüchliche Angaben zu seinem Aktienbesitz veröffentlicht. Insbesondere war dem Vernehmen nach unklar, wie die insgesamt knapp 10 Prozent der Aareal-Aktien, die Petrus zugerechnet werden, unter den Petrus-Partnern und früheren Goldman-Sachs-Managern Klaus Umek und Till Hufnagel sowie dem Unternehmen Petrus Advisers Investment Fund verteilt sind.

          Fehlerhafte Stimmrechtsmitteilungen könnten dazu führen, dass das gegen den Willen von Vorstand und Aufsichtsrat durch Petrus auf die Tagesordnung gesetzte „Ergänzungsverlangen“ zur Abwahl von drei Aufsichtsräten hinfällig werde, hatte die Aareal Bank Petrus gewarnt. Daraufhin haben die Petrus-Leute dem Vernehmen nach ihre Stimmrechtsmitteilungen korrigiert und in eine konsistente Form gebracht, so dass einer Abstimmung auf der Hauptversammlung am 18. Mai nichts im Wege zu stehen scheint. Nur einen neuen Vorstandsvorsitzenden wird es vermutlich bis dahin noch nicht geben.

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