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25 Jahre Rekordcrash : Der „Schwarze Montag“ und seine Folgen

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Betretene Gesichter an der Börse in New York Bild: AP

Vor 25 Jahren vernichtete ein legendärer Kurssturz binnen weniger Stunden fast ein Viertel des Aktienvermögens. Dem regen Handel an den Aktienmärkten konnte er dauerhaft nichts anhaben.

          Die Börse spinnt - oder? Monatelang schnellen die Kurse sprunghaft nach oben und plötzlich können Anleger ihre Papiere nicht schnell genug losschlagen. Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag. Die Kurse in New York stürzen ab, rund um den Globus brechen die Aktienmärkte ein. Der Börsencrash vor 25 Jahren geht als „Schwarzer Montag“ in die Finanzgeschichte ein.

          Der frischgebackene Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Alan Greenspan, saß damals im Flugzeug von Washington nach Dallas. Nach der Landung fragte er sein Empfangskomitee als Erstes nach dem Schlussstand beim Dow-Jones-Index. Im Flugzeug hatte es kein Telefon gegeben. Die Börsenkurse waren bereits stark gefallen, als Greenspan losgeflogen war, und er machte sich Sorgen.

          Crash, Panik , Tohuwabohu: Der Tag nach dem Krach von 1987 Bilderstrecke

          „Er ist Fünf-Null-Acht runter“, antworteten die Vertreter der Federal Reserve von Dallas, die Greenspan abholten. Das beruhigte den Notenbanker kurz, wie er in seinen Memoiren schreibt. Er dachte nämlich, dass „Fünf-Null-Acht“ 5,08 Punkte bedeutete, und so freute er sich über die vermeintliche Erholung. Aber auf den Gesichtern seiner Kollegen war keine Erleichterung zu erkennen.

          Mit der Kurzformel „Fünf-Null-Acht“ wollten die Notenbanker aus Dallas Greenspan bedeuten, dass der Dow Jones um 508 Punkte eingebrochen war - dies war ein Verlust von unglaublichen 22,6 Prozent an einem einzigen Tag. Zum Vergleich: Der Leitindex der amerikanischen Aktienmärkte, der aktuell bei 13.550 Punkten pendelt, müsste jetzt an einem Tag um mehr als 3050 Punkte stürzen, um den Rekord von damals einzustellen.

          Wirbel auf dem Parkett: So etwas hatte die Wall Street noch nicht gesehen

          Während der kurzen Zeit, in der Greenspan im Flugzeug saß, verpuffte fast ein Viertel des amerikanischen Börsenkapitals. Es war bis heute der größte Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Als ausschlaggebend galten Probleme in den Vereinigten Staaten: Aufgrund der steigenden Inflation und des hohen Handelsbilanzdefizits sank das Vertrauen in den Dollar.

          „Die Verkaufsaufträge gingen waschkörbeweise ein“, erinnert sich Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser, der seit mehr als 40 Jahren an der Frankfurter Börse aktiv ist. „Viele Makler waren total überfordert, manche Kollegen übernachteten sogar in der Börse.“  „Es machte Klick. Es war, als würden die Zuschauer eines voll besetzten Theaters versuchen, durch einen einzigen Ausgang nach draußen zu gelangen“, sagte Finanzprofessor Chris Lamoureux zur „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

          Konsterniert betrachtet ein Broker den Absturz der Kurse

          In den Jahren vor dem Crash kannte die Euphorie der Börsianer kaum Grenzen. „Seit 1982 trampelten die Bullen durch die Wall Street“, bilanzierte der „Spiegel“. Auch 1987 kannten Aktienkurse im Grunde nur eine Richtung: aufwärts. Oft waren die Kurssprünge deutlich größer als der Zuwachs der Unternehmensgewinne. Neue elektronische Systeme machten den Handel zudem immer schneller.

          „Ich hatte in New York gemerkt, dass die Leute durchdrehen“, sagte der als „Crash-Prophet“ bekanntgewordene Roland  Leuschel 2007 dem „Manager Magazin“ und ergänzte: „Ich war als Berater bei einer Wall-Street-Firma, die einen neuen Rentenhändler einstellen wollte. Ein junger Bewerber verlangte 150.000 Dollar im Jahr.  An diesem Beispiel habe ich gemerkt, dass die Leute ihren Maßstab verloren hatten. Ich kam zurück und dachte, wenn die Profis alle so denken, dann muss es scheppern.“

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