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Finale im Börsenspiel : Deswegen haben wir das Börsenspiel verloren

  • -Aktualisiert am

Das Luxushotel „Schloss Elmau“ wartet auf den Sieger des Börsenspiels. Bild: Reuters

Finale im Börsenspiel der Sonntagszeitung: Der Sieger hat eine sagenhafte Rendite eingefahren und sich eine Reise nach Schloss Elmau verdient. Da kommt der Redakteur Georg Meck nicht mit.

          Es hilft alles nichts: Wir geben uns geschlagen. Im Börsenspiel hat die Sonntagszeitung die Leser dazu aufgerufen, gegen mich, den Redakteur, anzutreten. Wer macht mehr aus 25000 Euro? So lautete die Wette von „Schlag den Meck“, deren dritte Staffel im Herbst 2018 begonnen hat. Unser Geld war echt, das der anderen Teilnehmer fiktiv, nur virtuell auf dem Online-Konto zu sehen. Und ja, wir haben alles gegeben, haben noch ausgiebiger als sonst die einschlägigen Börsenbriefe gelesen, haben Gurus und echten Experten zugehört. Es hat alles nichts gebracht: Wir landeten abgeschlagen auf Platz 238, mehr war nicht drin. Das heißt: 237 Leser waren besser. Hut ab!

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So viel Respekt muss sein, den Erfolg gönnen wir jedem oder jeder. Was weh tut, ist das, was hinten rauskommt: die erwirtschaftete Rendite. Die besten 25 F.A.S.-Leser haben allesamt mehr als 20 Prozent Gewinn eingefahren, die besten acht haben ihren Einsatz gar mehr als verdoppelt – und das unter erschwerten Umständen in diesen anstrengenden Zeiten. Der Herbst war gruselig an der Börse. Kaum ging es im Oktober los mit dem Börsenspiel, ist der Dax um 1000 Punkte nach unten gerauscht.

          Die traurige Wahrheit ist: Wir, also unser Depot, haben dem Druck der Finanzmärkte nicht standgehalten. Das Vermögen ist geschrumpft. 744 Euro – wohlgemerkt, echte Euro – haben wir heute dort weniger stehen als zum Start des Spiels vorigen Oktober; exakt 24256 statt 25000 Euro. Nun ist das erst mal nur eine Zahl auf dem Papier, das Vermögen vermindert sich erst, wenn wir die Verluste realisieren und die Verliereraktien abstoßen.

          Was also lief schief bei unseren drei Underperformern?

          Noch aber halten wir die Stellung, hoffen darauf, dass sich die Lage wieder bessert, auch in diesen hitzigen Tagen mit Handelskrieger Donald Trump und der chinesischen Gegenwehr, als die Börsenmenschen zu Wochenbeginn mal wieder alle Absturz-Metaphern zum Einsatz bringen. Jetzt, wenige Tage später, als der Dax der Kurve kriegt und wieder Richtung 12000 Punkte marschiert, sieht die Welt schon wieder freundlicher aus. „Aktien bleiben eine wichtige, diversifizierende Komponente im Anlegerportfolio“, dichtet eine Fondsgesellschaft. Haben wir das nicht immer gesagt?

          Erfolg oder Misserfolg unserer Aktienkäufe, so trösten wir uns, sind erst auf längere Sicht zu bewerten. Wir investieren für die Ewigkeit oder wenigstens bis zu dem Zeitpunkt, wenn die halbwüchsigen Kinder das Geld brauchen. Keine Frage, wir gehören zu den Guten, sind keine Spekulanten, sondern Langfristanleger, wie Warren Buffett (nur mit kleineren Beträgen). Solche Typen behalten die Nerven, wenn es draußen stürmt und kracht. Also: Ruhe bewahren, wenn es im Depot rot leuchtet. Alles nur eine Momentaufnahme. Ärgerlich ist es trotzdem, verdammt. Es macht schlechte Laune, die Kurse zu studieren. Was also lief schief bei unseren drei Underperformern?

          Fehlschlag Nummer eins: Continental, einer unserer Lieblingskonzerne im Dax. Ein solider Autozulieferer, technologisch tiptop, immer auf der Höhe der Zeit, so dachten wir. An der Spitze mit Elmar Degenhart ein Vorstandschef, obendrein ein Manager, wie unsereins ihn sich wünscht: mit ernsthafter Leidenschaft und schnörkelloser Eleganz. Keiner dieser Bullshit-CEOs mit Hang zum Personenkult. Trotzdem, der Markt ist unerbittlich: Da der Conti-Chef seit vergangenem Herbst mit seinen Zahlen ein ums andere Mal schlechte Laune verbreitet, reagiert die Börse böse.

          Wir haben viele Fehler gemacht

          Wir hielten die Kursabschläge anfangs für übertrieben, deswegen haben wir zum Start des Börsenspiels für knapp 4000 Euro Conti-Aktien gekauft. Das kam uns teuer; jetzt, da die Ansagen aus Hannover immer noch düsterer werden, ist offensichtlich: Conti hat ein echtes Problem. Und wir 15 Prozent Verlust, es braucht Geduld, bis die Papiere dieses Minus wieder aufholen, wenn überhaupt. Und was lernen wir daraus?

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