https://www.faz.net/-gv6-a7a4x

Allzeithoch von 14.000 Punkten : Der Dax hat seine Rekordjagd Biden zu verdanken

Der Dax steigt erstmals in der Geschichte über 14.000 Punkte. Die Hoffnungen stützen sich auf die amerikanische Konjunktur. Bild: dpa

Der deutsche Aktienmarkt profitiert von den Erwartungen an den künftigen amerikanischen Präsidenten. Von ihm wird ein Wachstumsschub erwartet.

          2 Min.

          Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seinen Rekordlauf fortgesetzt. Mühelos übersprang der Dax zum Handelsauftakt die Marke von 14 100 Punkten, nachdem er am Tag zuvor die 14.000-Punkte-Hürde überwunden hatte. Der deutsche Leitindex gewann im frühen Handel zuletzt 0,8 Prozent auf 14.083 Punkte. In der Spitze hat er am Freitagvormittag 14.132 Punkte erreicht. Mit einem Plus von knapp 3 Prozent für die gesamte Woche steuert der Dax auf einen starken Jahresauftakt zu.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie in den Vereinigten Staaten und Asien stützen vor allem die Hoffnung auf noch umfangreichere Konjunkturhilfen in den Vereinigten Staaten sowie die globalen Corona-Impfkampagnen. Erfreuliche Daten aus der heimischen Industrie trugen ebenfalls zur positiven Stimmung bei. Nach starken Auftragseingängen im November fielen nun auch die Daten zur Industrieproduktion besser als von Analysten erwartet aus. „Die Anleger sind wie im Rausch", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Sollte sich der erwartete Wachstumsschub aber nicht bald einstellen, müsse mit einem Rücksetzer gerechnet werden.

          „Zeitnah neue Hilfspakete“

          Hauptmotor der aktuellen Rally sind weiterhin die Spekulationen auf zusätzliche staatliche Konjunkturhilfen in den Vereinigten Staaten nach dem Sieg der Demokraten bei den Senatswahlen, der dem designierten Präsidenten Joe Biden zu einer Mehrheit in beiden Kongresskammern verhilft. Damit kann er sein wirtschaftspolitisches Programm schneller durchsetzen, weil er keine Kompromisse mit den Republikanern schließen muss. Der Sturm auf das Kapitol durch Anhänger des scheidenden Präsidenten Donald Trump hatte auf die Börsen fast keine Auswirkung.

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          „Die Börsen bleiben weltweit in Rekordlaune. Die Wall Street kennt nach dem Durchmarsch der Demokraten kein Halten mehr“, konstatierte Marktanalyst Milan Cutkovic von Axi. Die Anleger erwarteten schnell weitere Maßnahmen für die angeschlagene amerikanische Wirtschaft, da die Konjunkturerholung wegen steigender Corona-Zahlen und schärferen Restriktionen an Schwung verliere. „Umso wichtiger ist es, dass jetzt zeitnah neue Hilfspakete folgen“, sagte Cutkovic.

          „Der schwache Dollar hat dazu beigetragen, die amerikanischen Aktien nach oben zu treiben“, sagte Geir Lode, Chefaktienstratege des Vermögensverwalters Federated Hermes. Banken, Energie und Bergbauunternehmen führten hier den Weg bislang an. Mit den Wahlergebnissen vom Mittwoch in Georgia, die auf einen demokratischen Senat hindeuten, mussten Technologie-Titel einen Rückschlag hinnehmen, da sich die Anleger über Bidens potenzielle Pläne für strengere Kartellvorschriften und höhere Steuern für den Sektor Sorgen machten, erwartet Lode.

          Im Gegensatz dazu stiegen kleine und mittelgroße Aktien, die eher wirtschaftssensible Sektoren wie Finanzwerte und das produzierende Gewerbe umfassten, in der Hoffnung, dass die Demokraten eine neue Welle von Konjunktur- und Infrastrukturausgaben auslösen könnten, was das Wirtschaftswachstum und die Inflation ankurbeln würde, fügt der Stratege hinzu.

          Je höher aber die Börsen steigen, umso lauter werden auch die warnenden Stimmen. Befürchtungen über eine neue Blase an den Aktienmärkten werden wach. Marktstratege Albert Edwards von der französischen Bank Société Générale etwa hob hervor, dass die Rally stark auf der Hoffnung vieler Investoren beruhe, die amerikanische Notenbank werde im Zweifel einschreiten, um einen Crash zu verhindern. Die Billiggeldflut der Notenbanken treibt die Börsen schon lange mit an. Problematisch kann das werden, falls die Inflation plötzlich anziehen sollte. Steigende Zinsen dürften die Aktienmärkte rasch unter Druck bringen.

          Weitere Themen

          Fünf Prozent Inflation

          Börsenwoche : Fünf Prozent Inflation

          Das Inflationsgespenst hält die Anleger in Atem. In Amerika stieg die Teuerungsrate zuletzt auf 5 Prozent, in Europa könnte das mit Verzögerung auch passieren. Doch zunächst lohnt ein Blick auf das Biotechunternehmen CureVac.

          Topmeldungen

          Eigentlich das Aushängeschild des DFB: „Die Mannschaft“

          Deutscher Fußball-Bund : Der Absturz einer Marke

          Die Marke DFB ist beschädigt, die Nationalmannschaft enttäuscht sportlich. Dabei profitieren viele Branchen von erfolgreichen Turnieren. Auch deshalb erhöhen die Sponsoren nun den Druck.
          Die Villa der Wannsee-Konferenz in Berlin Zehlendorf

          Holocaust-Debatte : Die Gleichmacher

          Seit kurzem wird die Singularität des Holocausts auch von links in Frage gestellt: Sie verdränge koloniale Genozide und sei eine deutsche Zivilreligion. Die Argumente dieser Kritik sind voller historischer Lücken.
          Nach dem Lockdown zieht es die Menschen wie hier in Magdeburg nach draußen und zum Geldausgeben.

          Hanks Welt : Kaviar statt Butterbrot

          Es gibt Zeitgenossen, die uns einreden wollen, wir dürften jetzt nicht zurück zur Normalität. Bescheidenheit sei das Gebot der Stunde. Wer das fordert, verfolgt jedoch nur ein Umerziehungsprogramm nach seinen eigenen Normen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.