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Rückblick auf die Berlinale : Filme schauen uns an

  • Aktualisiert am

Ein Bild wie ein Schnitt: Szene aus „Le dos rouge“ Bild: Abbout Productions

In Bildern denken, mit Würde altern, in SM-Märchen lächeln, in Serien gehen und in Echtzeit erzählen – das waren die Themen der 65. Berlinale. Fünf Eindrücke.

          9 Min.

          Dreht euch nicht um!

          Wenn die Berlinale an diesem Sonntag schließt, werden wir zahlreiche Bilder einer Ausstellung gesehen haben. Wir sitzen ihnen gegenüber, den Blick gebannt, mit geschärfter Aufmerksamkeit oder mit der Erschöpfung, die sich nach zu vielen Tagen ohne ausreichende Frischluft einstellt. Dass die Bilder uns auch ansehen, dass die Filme einen mal prüfenden, mal wohlwollenden, manchmal vielleicht vernichtenden Blick auf uns werfen, das ist ein alter Topos vor allem der französischen Cinephilie, dem Antoine Barraud in „Le dos rouge“ (im Forum) eine kunstgeschichtliche Pointe gibt. Hier spielt der Filmemacher Bertrand Bonello einen Filmemacher, der ein dürftiges Drehbuch weiterzuentwickeln versucht, indem er sich Bilder und Skulpturen ansieht. Balthus, Moreau und ganz zum Schluss noch eines, von dem ich noch nicht in Erfahrung gebracht habe, ob es sich tatsächlich um ein bekanntes Werk oder um ein eigens für den Film verfertigtes Fake-Bild handelt. Es geht einem jedenfalls durch Mark und Bein, und dem Filmemacher bleibt danach nur noch eine Flucht nach vorne – in die Bilder hinein, in die Auflösung einer Erzählung, die in ihrer verschrobenen Selbstreflexivität und in ihrer sanften Komik an die besten und an die merkwürdigsten Momente des französischen Kinos erinnert.

          Es gab dann noch einen zweiten Film auf dieser Berlinale, den ich wie ein Echo auf das Kunst-für-Kunst-Kino von Barraud empfand, ein politisch-historisches Echo, in dem die Bilder albtraumhaftes Gewicht bekommen können: „Pioneer Heroes“ („Pionery-geroi“) von der russischen Regisseurin Natalya Kudryashova arbeitet sich an den Heldendarstellungen ab, mit denen Kinder in der Sowjetunion auf ihre Rolle in der kommunistischen Gesellschaft vorbereitet werden sollten. Diese Bilder schneidiger junger Menschen bekommen, jedenfalls für die Zehnjährigen, mit denen Kudryashova arbeitet, etwas Lebensprägendes – eine Existenz im Schatten eines Selbstbildes, mit dem sich Fremdbestimmung zu Panikattacken steigert.

          Es war beeindruckend, mit welcher Ruhe und Klarheit die Filmemacherin nach der Vorführung zugleich die Fragen nach einer direkten Aktualisierung ihres Films zurückwies und doch unmissverständlich klarmachte, dass sie „Pioneer Heroes“ als Beitrag zu einem dringend erforderlichen „Wandel“ in Russland versteht.

          Es war einer dieser Momente bei einem Festival, in denen auch exzellente Übersetzer an ihre Grenzen stoßen, weil sie andernfalls an die Bilder heranmüssten, die im Kopf herumspuken und die erst so richtig bestimmen, wie das Reden und das Tun (in einer postsowjetischen Gesellschaft wie der russischen, in einer postheroischen Gesellschaft wie der französischen) zu verstehen sind. Zweimal rührte die Berlinale für mich hier an Prinzipielles, wie es nur das Kino kann, das Medium, das in denkenden Bildern erzählt. Bert Rebhandl

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