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ZDF-Intendantenwahl : Nimm zwei

Favoritin des „roten“ Freundeskreises: Tina Hassel, Chefin des ARD-Hauptstadtstudios. Bild: WDR/Max Kohr

Zuerst sah es so aus, als laufe bei der Intendantenwahl im ZDF alles auf den Programmdirektor Norbert Himmler zu. Nun macht ihm eine Journalistin der ARD Konkurrenz. Die fiel vor allem bei Twitter auf.

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          Konkurrenz belebt das Geschäft. Doch dass es große Konkurrenz um die Nachfolge des ZDF-Intendanten Thomas Bellut gäbe, damit war bis vor ein paar Tagen nicht zu rechnen. Als Kandidat der Wahl steht der Programmdirektor Norbert Himmler in den Startlöchern. Für das Amt fielen einem zwar auch ein paar andere aus dem Sender ein, doch schien es, als gehe alles einen geschmeidigen Gang, vielleicht schon am 2. Juli, auf der nächsten Sitzung des Fernsehrats, dessen sechzig Mitglieder den Intendanten oder die Intendantin wählen.

          Doch nun gibt es eine Zweite im Bunde. Der „rote“ Freundeskreis des Fernsehrats schickt sie ins Rennen, sie wurde den Mitgliedern des Gremiums, wie der Fernsehrat Leonhard Dobusch im Deutschlandfunk erzählte, per Mail annonciert: Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. Was sie insbesondere für den Chefposten auf dem Lerchenberg qualifiziert, wird sie den Fernsehräten noch darlegen müssen.

          Ihr peinliches Gejubel beim Parteitag der Grünen im Januar 2018, als Annalena Baerbock und Robert Habeck an die Parteispitze gewählt wurden, dürfte es eher nicht sein, oder?

          „Frische #grüne Doppelspitze lässt Aufbruchsstimmung nicht nur in Frankreich spüren. #Habeck und #Baerbock werden wahrgenommen werden! #Verantwortung kann auch Spaß machen u nicht nur Bürde sein Wichtiges Signal in diesen Zeiten! #bdk18“, twitterte Tina Hassel seinerzeit und merkte offenbar gar nicht, dass sie sich wie eine Cheerleaderin aufführte, die ihr Team anfeuert.

          „#Baerbock wird mit viel Applaus zur Wahl getragen, beim Rennen um #Parteivorsitz. Erfrischend lebendig, angesichts der lahmen #Groko Protagonisten #bdk18”, twitterte die nunmehrige Intendanzkandidatin, die bei Politikerinterviews im ersten Programm durch einen eher fahrigen Stil auffällt.

          Für den Programmdirektor Norbert Himmler, den der „schwarze“ Freundeskreis favorisiert, spricht anderes. Ihm ist dieselbe Besonnenheit zu eigen, mit welcher der amtierende Intendant Bellut seinen Sender durch sämtliche medienpolitischen Debatten und Kontroversen manövriert. Himmler hat an der „ZDF-Familie“ gearbeitet, politische Satire ins Programm befördert und stets verteidigt, mächtig in ZDFneo investiert als dem Programm für die Jüngeren und das Angebot des Senders auf verschiedene Publika ausgerichtet, nicht nur die Generation sechzig plus. Nun haben die Fernsehräte die Qual der Wahl.

          Ob es eine Qual wird wie die Wahl des Intendanten Markus Schächter im März 2002? Damals rangen die „Roten“ und die „Schwarzen“ nächtelang miteinander. Die Türen des Versammlungssaals flogen auf und gingen wieder zu. Ministerpräsidenten gerieten aneinander, Hinterzimmergespräche wurden geführt. Für die berichtenden Journalisten war das ein Fest. Für die Kandidaten allerdings nicht – einer nach dem anderen wurde verschlissen.

          Markus Schächter, damals Programmdirektor, hatte zunächst niemand auf der Tanzkarte, gewählt wurde er im fünften Wahlgang mit knapp drei Fünfteln der Stimmen, wie es bei der Wahl im ZDF erforderlich ist. Bei seiner Wiederwahl im Dezember 2005 errang Schächter dann ein Spitzenergebnis, woran sich zeigte, dass er kein schlechter Kandidat war.

          Der Fernsehrat des ZDF teilte am Freitag mit, das Erweiterte Präsidium des Gremiums werde Tina Hassel und Nobert Himmler auf seiner Sitzung am 15. Juni anhören. Auf der Sitzung werde auch geklärt, ob die Corona-Pandemie eine Wahl in der Fernsehratssitzung am 2. Juli erlaube. Voraussetzung dafür sei, die Plenumssitzung in Präsenz durchzuführen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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