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Zwei angelnde Rapper : Am Haken

  • -Aktualisiert am

Wie gerne schmücken sich Gangsta-Rapper noch mit der geringsten Täterschaft. Doch von den Folgen des jüngsten gemeinsamen Fischzugs waren selbst Bushido und Sido überrascht.

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          Das ist mal eine Geschichte, wie schön in Ordnung die Dinge in Deutschland trotz allem noch sind. In anderen Ländern werden Gangsta-Rapper morgens aus dem Knast entlassen, abends in eine Schießerei verwickelt, und dazwischen nehmen sie ein Lied darüber auf, was für eine Bitch ihre Ex-Freundin gewesen ist. In Deutschland werden sie von der Kulturbeilage eines Nachrichtenmagazins befragt. So kam es überhaupt, dass Anis Mohamed Youssef Ferchichi, genannt Bushido, und Paul Würdig, genannt Sido, sich in einem Boot auf dem Tegeler See in Berlin wiederfanden, um übers Angeln zu reden.

          Angeln, das hatten die Journalisten herausgefunden, war ein Hobby der beiden Rapper, die seit Jahren als verfeindet und erst seit kurzem als versöhnt galten. Einen Karpfen hatte der Fotograf für das Abschlussbild sicherheitshalber schon eingekauft, was klug war, da sowohl Bushido als auch Sido aus dem Berliner Stadtsee keinen großen Fisch an Land zogen. Aus Sicht des Feuilletonisten war das Gespräch dennoch nicht vergebens, zeigte es doch schön die grundsätzlich verschiedenen Philosophien der beiden Musiker.

          Post vom Polizeipräsidenten

          Während Sido angelt, um „zu entspannen“, wie er sagt, geht es Bushido ums Erlegen: „Alles, was geangelt wird, wird getötet.“ Ein Schicksal, das auch die Fünfunddreißig-Kilo-Dorade ereilte, die Bushido bei seinem letzten Angelurlaub in Costa Rica fing. Sido hingegen angelt lieber mit Freunden in Brandenburg und konzentriert sich - Stichwort Entspannung -, je später es wird, umso mehr „aufs Saufen“. Die Fische gibt er dann den Hunden, bevor er sich zum Schlafen ins Zelt legt. So verschieden diese Lebensstile auch wirken, sie treffen sich, wie sich das für echte Gangsta-Rapper gehört, beide im Illegalen.

          Denn sowohl Bushido als auch Sido besitzen keinen Angelschein und holen ihren jeweiligen Motherfucker von Fisch somit ungesetzlich aus dem Wasser. Da die Untere Fischereibehörde von Costa Rica vom Interview noch keine Kenntnis hat, blieb Bushido ein Strafverfahren bisher erspart. Der Berliner Polizeipräsident hingegen hat reagiert und Sido einen Brief „wegen des Verdachts der Fischwilderei nach § 293 StGB“ geschickt. Bushido ist in selbiger Sache zur Zeugenaussage aufgefordert worden. Man wird sehen, ob die neue Freundschaft der beiden hält. Gerüchte, die Rapper hätten dem Polizeipräsidenten auf die Mailbox gesprochen und ihm mit Krieg gedroht, sollte er das Verfahren nicht stoppen, bestätigten sich bisher nicht. Bei Redaktionsschluss waren sowohl Bushido als auch Sido als Berliner Stadtrapper noch im Amt.

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