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Zuwanderung weltweit : Wettstreit um die besten Köpfe

  • -Aktualisiert am

Sehnsuchtsort Australien? Nicht nur der Blick auf das berühmte Opernhaus in Sydney dürfte für Immigranten attraktiv sein. Bild: AFP

In den nächsten Jahrzehnten wird es weltweit gewaltige Migrationsbewegungen geben. Australien könnte im Bemühen um hochqualifizierte Migranten künftig die Nase vorn haben, besonders im Vergleich zu Europa.

          Der Wettkampf zwischen den westlichen Nationen, die sich zu Kompetenzfestungen ausbauen, und den übrigen OECD-Staaten, die auf offenen Grenzen beharren, geht momentan zwischen Australien und der Brüsseler EU in eine neue Runde. Im September 2013 begann Australien mit der „Operation Sovereign Borders“ für das effektive Unterbinden illegaler Anlandungen. In den vier Monaten bis Dezember 2013 kamen allerdings immer noch 22 Schiffe mit Einwanderungswilligen durch. Danach aber funktionierte die von einem Drei-Sterne-General kommandierte Grenzsicherung: Zwischen Januar 2014 und Februar 2015 durchbrach nur noch ein einziges Boot die Absperrungen.

          Nun droht der griechische Verteidigungsminister, seine deutschen Geldgeber mit illegalen Migranten, unter ihnen versteckte Terroristen, zu fluten, wenn Berlin Griechenland zusätzliche Gelder verweigere. Junge Könner weltweit, die ihre Heimatländer abrutschen sehen und deshalb die Weltkarte wie eine Speisekarte nach friedvollen Inseln der Prosperität durchforschen, lernen dank Athens Attacke zusätzlich, wie tief die Macht über die eigenen Grenzen unter den Standortvorteilen rangiert.

          Die größte Wanderungsbewegung der Geschichte?

          Nun ist eine Migranteninvasion leichter angekündigt als ins Werk gesetzt. Doch hat sie ihren Realismus darin, dass beispielsweise die afrikanische Subsahara-Bevölkerung von heute 900 Millionen auf 2,1 Milliarden im Jahre 2050 steigen soll. Wenn davon - wie von Gallup bereits für 2009 ermittelt - 38 Prozent wegwollen, könnten diese dann 800 Millionen - gegenüber rund 500 Millionen EU-Bürgern - für die größte Wanderungsbewegung der Menschheitsgeschichte sorgen.

          Es gehört zum Charme des erschöpften Abendlandes, dass niemand aus seinen Kabinetten diese Zufluchtssuche unterbinden will. Christopher Hein, der Vorsitzende des Italienischen Flüchtlingsrats (Consiglio Italiano per i Rifugiati) verleiht dieser Haltung eine humane Poesie: „Zu entscheiden, wer kommt oder wie viele kommen, liegt nicht bei unsereinem. Was wir allein beeinflussen dürfen, sind die Umstände, unter denen diese Menschen zu uns finden.“ Etliche der Kompetenten darunter, denen man überall die roten Teppiche ausrollt, würden gern ähnlich formulieren. Und wer von ihnen wollte in der Nähe sein, wenn wirklich einmal die Frage aufkäme, wie denn eine Aufnahmeverweigerung exekutiert werden sollte?

          Die nicht sterben wollen, sehnen sich nach Ozeanien. Sie verzweifeln aber am dortigen Grenzregime. Die dorthin sogar ausdrücklich eingeladen sind, solange ihre „Kreativität, Energie und Produktivität das Wirtschaftswachstum unseres Landes vorantreiben“ (so die offizielle australische Position), könnten in dieselbe Richtung streben, weil sie nicht töten wollen.

          Harte Linie gegen Terrorverdächtige

          Solchen Leistungsbringern und Friedenssuchern will Australien gerade nach dem islamistischen Attentat vom 16. Dezember 2014 im „Lindt Cafe“ von Sydney nun noch eindeutiger signalisieren, dass es gute Perspektiven fernab von Europa gibt. Möglichst viele sollen diese Botschaft hören, denn man will bis 2050 von heute 24 auf dann 35 Millionen Einwohner zulegen. Auch deshalb gab es nach dem Attentat vor drei Monaten keinerlei Beschwichtigungen, keine Tröstungen, dass man gegenüber den Morden in London, Paris oder Madrid noch gut dastehe. Schlecht gemachte Gesetze, so beklagte der australische Premierminister Tony Abbott am 22. Februar 2015, seien schuld daran gewesen, dass ein solches „Monster“ wie der Täter überhaupt ins Land gelangen und trotz erwiesener Kriminalität frei, ja sogar bewaffnet herumlaufen konnte. Noch erschrockener gestand der konservative Politiker ein, dass von 57 australischen Neurekruten des „Islamischen Staats“ im vergangenen Jahr 55 Sozialhilfe bezogen hatten.

          Wie die Sicherung der Seegrenzen werde deshalb auch die Durchleuchtung möglicher Gefährder von nun ab generalstabsmäßig erfolgen, so Abbott. Ein ganzer Gesetzeskatalog von der Aberkennung der australischen Staatsbürgerschaft bis zum dauerhaften Verbot der Wiedereinreise soll dieser Politik Nachdruck verleihen.

          Immer schon hat Australien seinen Zuwanderern garantiert, dass sie nicht mit Extremsteuern für einen überdehnten Sozialstaatsapparat um ihre Lebenspläne betrogen werden. Zusätzlich könnte sich jetzt die Freiheit von Terror beim Werben um die Besten der Welt als weiterer starker Standortfaktor erweisen.

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