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Zukunft des Gutenberg-Museums : Mainzigartig

So hätte er aussehen sollen: Der Bibelturm zu Mainz, den die Bürger mit großer Mehrheit vor zwei Jahren abgelehnt haben. Bild: dpa

Das Gutenberg-Museum ins Mainz soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dass es um ein Vorhaben von internationalem Rang geht, hat als Letzter nun auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling kapiert.

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          Als der frühere amerikanische Präsident George W. Bush im Februar vor fünfzehn Jahren auf Deutschlandtour war, wollten er und mehr noch seine Frau Laura ein Zeugnis abendländischer Kulturgeschichte unbedingt sehen – die beiden Gutenberg-Bibeln in Mainz. Das halbe Rhein-Main-Gebiet wurde zur Hochsicherheitszone, es galt Alarmstufe eins. 1300 Gully- und Kanaldeckel, so ist in den Annalen festgehalten, wurden verplombt, die Zahl der eingesetzten Sicherheitskräfte blieb geheim.

          Was sah der amerikanische Präsident, wie vor ihm Queen Elizabeth II. oder Michail Gorbatschow? Ein „Weltmuseum der Druckkunst“, das schon damals den Eindruck einer abrissreifen Bruchbude vermittelte, in der bei starkem Regen das Wasser von der Decke tropft, so dass einem nicht nur um die beiden Bibeln, die zwischen 1452 und 1455 entstanden, angst und bange sein musste.

          Die Stadtregierung aber hatte damals wie heute die Ruhe weg. Das im Jahr 1900 von Mainzer Bürgern gegründete Museum rottet vor sich hin, vor allem der 1962 von Rainer Schell am Rande des Domplatzes errichtete Neubau, trotz Sanierung im Jahr 2000. Über Pläne für einen Um- oder Neubau beriet man ewig. Die Chance, das Druckmuseum mit der einzigartigen Sammlung des Presse-Enthusiasten Martin Welke, die man zu Gast hatte, zu einem Druck- und Zeitungsmuseum auszubauen, wurde vertan. Welke zog nach Augsburg weiter.

          Im April vor zwei Jahren schließlich scheiterte die Idee, die Gutenberg-Bibeln für die Zeit eines Umbaus in einem vorgelagerten „Bibelturm“ unterzubringen, grandios. Für den Turm war eine fraktionsübergreifende Mehrheit des Stadtrats zuvor zwar eingetreten, doch wollte man lieber die Bürger fragen. Und die lehnten den klotzigen Turm mit der überwältigenden Mehrheit von 77,3 Prozent der abgegebenen Stimmen ab. Das freilich durfte man nicht allein als Ablehnung des „Bibelturms“, sondern als Quittung für das Auftreten einer Stadtregierung werten, die bei Tempo-30-Zonen und Dieselfahrverbot in Bewegung kommt, aber abtaucht, wenn es um das Erscheinungsbild des zentralen Stadtraums inklusive „Weltmuseum“ geht.

          Insbesondere der volkstümliche Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) glänzte durch Abwesenheit. Jetzt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur, seien Gespräche mit Bund und Land über das Gutenberg-Museum möglich. Damit spielt er auf das Beratungsergebnis der „Arbeitswerkstatt Gutenberg-Museum“ an, in der alle Parteien und engagierte Bürger vertreten waren und sich auf den Vorschlag verständigt haben, das baufällige Museum abzureißen, an derselben Stelle ein neues zu errichten, eine Stiftung mit dem Projekt zu betrauen und Bund und Land ins Boot zu holen. Bund und/oder Land als Mitträger halte er für das Haus für durchaus angemessen, sagt Ebling, handele es sich doch um ein Museum von zumindest nationalem Rang.

          Schön, dass der Oberbürgermeister der Stadt Mainz das auch schon bemerkt hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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