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Pleite mit „allesdichtmachen“ : Angstmacher

#allesdichtmachen: Sie habe sich das Denken abgewöhnt, sagt Nina Gummich. Sie meint es selbstverständlich nicht ernst. Bild: allesdichtmachen.de

Großer Aufruhr, schnelles Ende: Die Aktion #allesdichtmachen und die Reaktionen darauf zeigen, wie man besser nicht über Corona diskutiert. Es sei denn, man ist erpicht auf Realsatire.

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          Fünfzig Schauspielerinnen und Schauspieler haben von ihrem Recht auf misslungene Satire Gebrauch gemacht. „allesdichtmachen“ heißt ihre Aktion, mit der sie sich über die Corona-Politik der Bundesregierung und die Medien lustig machen, die ihre kritische Berichterstattung angeblich eingestellt haben.

          So hämisch der Tonfall der meisten Beiträge, so böse fielen im Netz viele Reaktionen aus. Applaus gab es aus der rechtskonservativen Ecke, also von der falschen Seite; Kontra aus der sich linksliberal und aufgeklärt dünkenden Twitterszene. Ein ganz normaler Tag also in der stets aufgeregten Internetblase, die von Leuten bevölkert wird, die in der Corona-Pandemie offenbar viel Zeit und nichts anderes zu tun haben, als andere abzukanzeln.

          Und wie das so ist, fühlten sich die Corona-Kritiker von ihren Kritikern missverstanden. Jan Josef Liefers, der als prominentestes Gesicht der Kampagne auffiel, verwahrte sich gegen eine „da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern“. Keine Partei im Bundestag stehe ihm ferner als die AfD, „Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte“ sowieso.

          Heike Makatsch, Meret Becker und Ken Duken zogen ihre Videos ob der Verdächtigungen zurück und entschuldigten sich. Dafür hatten sie insofern Grund, als ihre Aktion, die der Initiator, der Produzent Bernd K. Wunder, dem „Spiegel“ gegenüber als „Kunst“ auswies, in ihrer aufgesagten Überheblichkeit dazu angetan war, alle, die es sich in der Corona-Pandemie nicht leichtmachen, als ahnungslos oder böswillig zu denunzieren.

          Sollte das der Versuch gewesen sein, auf die Nöte der Kulturschaffenden in der Pandemie hinzuweisen, erwies er sich als gescheitert. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte gerade noch Verständnis bekundet und gesagt, er wolle gern das Gespräch mit den Protagonisten von „allesdichtmachen“ führen, da waren die ersten schon wieder weg.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters fuhr großes Geschütz auf: Von den Schauspielerinnen und Schauspielern hätte sie sich „deutlich mehr Empathie für die Menschen gewünscht, die vom Coronavirus betroffen sind oder im Gesundheitssystem harte Arbeit leisten“.

          Hart gearbeitet haben die Mimen an ihren Auftritten sicherlich, sie sind kunstfertig angelegt, zeigen aber in der Tat, dass die Mitwirkenden in der Pandemie nur den Blick für ihre eigene Lage haben. Da wundern sie sich, dass andere das nicht witzig finden?

          Der Schauspieler Volker Bruch spricht in seinem Clip, dem wohl zynischsten der Aktion, von der „Angst“, welche die Regierung den Menschen gemacht habe, die gar nicht groß genug sein könne und von der wir unbedingt mehr brauchen. Dass man sich nicht Angstmacher, sondern einen kritischen Diskurs mit Argumenten wünscht (den es seit Beginn der Pandemie gibt) und dass man, wenn schon, dann „Angst“ vor dem Virus haben kann, taucht bei ihm nicht auf.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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