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Zum Tode Peter Cornelis Bols : Ein stiller Treuhänder der alten Bildhauerkünste

  • -Aktualisiert am

Peter Cornelis Bol (1941 bis 2012) Bild: Wonge Bergmann

Ohne ihn wäre der Diskobol nicht im Frankfurter Liebieghaus: Zum Tod des deutsch-niederländischen Archäologen Peter Cornelis Bol.

          Er war der klassische Typus des in sich gekehrten, scheuen Wissenschaftlers. Auch deshalb kann man sagen, dass der deutsch-niederländische Archäologe Peter Cornelis Bol jahrzehntelang der stille gute Geist des Liebieghauses, Frankfurts Skulpturenmuseum, war. Doch man täusche sich nicht - wer dort je von ihm durch die Abteilungen antiker Plastik geführt wurde, erlebte einen blitzscharfen Geist, der, sacht im Tonfall, entschieden im Urteil, Kunst und Kultur, Licht und Schatten der Antike erschloss.

          Dass er die seltene Gabe des aufmerksamen, ja rücksichtsvollen Zuhörens besaß, und dennoch sehr wohl das Denken seiner Schüler in wissenschaftliche Bahnen zu lenken wusste, erfuhren zahlreiche Studenten, die ihn als Honorarprofessor für Klassische Archäologie an der Frankfurter Goethe-Universität erlebten.

          Ausgrabungen in Olympia

          Die Grundlagen seines umfassenden Wissens hatte Peter C. Bol sich beim Studium an der Universität Freiburg erarbeitet, das er mit der Promotion über griechische Plastiken abschloss. Genauer: Bol analysierte die Statuen des berühmten Schiffsfundes von Antikythera, bei dem zwischen 1900 und 1901 Schwammtaucher das Wrack eines antiken Handelsschiffes entdeckt hatten, aus dem sie vierundzwanzig Statuen und Büsten griechischer Götter, Heroen und Philosophen sowie weitere Fragmente von Kunstwerken bargen, die heute der Stolz des Nationalmuseums in Athen sind.

          Bols tiefschürfende Arbeit trug ihm das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts ein, an das sich mehrere Jahre Mitarbeit an den Ausgrabungen in Olympia anschlossen; eine Zeit praktischer Erfahrung, die seine späteren Untersuchungen und Deutungen antiker Kunstwerke mitbestimmte. 1974 wurde Peter C. Bol Kustos der Antikensammlung des Liebieghauses und habilitierte sich 1978 mit einer Arbeit zur Großplastik aus Bronze in Olympia.

          Erfolg mit dem „Antretenden Diskobol“

          Internationales Ansehen als Experte für Bronzen erwarb der Archäologe sich mit profunden Publikationsreihen wie der über die Antiken der Villa Albani in Rom sowie eine überwältigende materialreiche Geschichte der antiken Bildhauerkunst. Das Verfassen grundlegender Aufsätze - die Bandbreite reichte von minoischer bis zu byzantinischer Kunst - und die Betreuung zahlreicher Antikenausstellungen des Liebieghauses waren weitere Gebiete, auf denen er glänzte.

          Als persönlichen Höhepunkt seines Schaffens dürfte Peter C. Bol 1990 den Erwerb und die Präsentation des „Antretenden Diskobols“ angesehen haben. Rund um die Marmorstatue, die bisher vollständigste römische Kopie der legendären bronzenen Siegerstatue des Bildhauers Naukydes (um 400 vor Christus), versammelte der Archäologe eine einzigartige, hinreißend schöne und lehrreiche Sammlung vergleichbarer Meisterwerke. Die Schau war eine der erfolgreichsten des Museums.

          2006 ging Peter C. Bol, alle verdienten Ehrungen abwehrend, in den Ruhestand; sein Ansehen als im besten Sinne klassischer Gelehrter hält an Ort und Stelle der Diskobol wach, der beim Umbau des Liebieghauses 2009 als eine der weltberühmten Kostbarkeiten des Hauses eine Rotunde für sich allein zugewiesen bekam. Am 19. Juli ist Peter C. Bol siebzigjährig gestorben.

          Seither in einer eigenen Rotunde: der „Antretende Diskobol“ bei der Neupräsentation der Antikensammlung im Liebieghaus im Jahr 2009

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