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Zum Tod von Ursula Wölfel : Joschis Gärtnerin

Ursula Wölfel (1922 bis 2014) Bild: Thienemann Verlag

Ihre Helden waren Kinder, die gegen die Welt der Erwachsenen anrennen: Die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Ursula Wölfel ist im Alter von zweiundneunzig Jahren verstorben.

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          Eine der „Siebenundzwanzig Suppengeschichten“ von Ursula Wölfel endet mit einer tanzenden Mäusemutter, eine andere mit Ameisen, die ein „Brotfest“ feiern, eine dritte mit Eidechsen, die es „richtig warm und gemütlich haben“, eine vierte mit zwei Kinderfüßen, wohlig im Matsch. Kürzestgeschichten sind das, keine länger als eine Buchseite, gerade richtig, um sie einem Kind zu erzählen, das darüber seine Suppe zu Ende löffelt, bevor es endlich zum Spielen rennen darf, und wie die Autorin am Schluss jeweils den Geschichtenknoten schürzt, ist oft kühn und überraschend, mitunter meisterlich, immer aber am anvisierten kindlichen Publikum orientiert. Das ist bekanntlich gutwillig, aber unbestechlich, und die große Zustimmung, die Ursula Wölfels Kinderbücher seit Jahrzehnten erfahren, ist ebenso verdient wie hart erarbeitet.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Wölfel, die 1922 in Hamborn geboren wurde, wuchs im Ruhrgebiet auf, heiratete früh, verlor ihren Mann im Krieg und arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich als freie Schriftstellerin etablierte. Gleich ihr erstes Kinderbuch „Fliegender Stern“ (1959) wurde zum Klassiker, und die enorm produktive Autorin wurde in der Folge für ihr Werk hoch dekoriert, darunter 1991 mit dem Sonderpreis des deutschen Jugendliteraturpreises.

          Es fällt jedenfalls nicht schwer, das Besondere ihrer Kinder- und Jugendbücher zu erkennen. Ursula Wölfels Helden sind sehr oft Kinder, die gegen Mauern anrennen oder mit der Ignoranz von Erwachsenen zu kämpfen haben, die kein Verständnis für die eigenen Gesetze kindlicher Weltsicht besitzen. So ist es in „Der rote Rächer“ (1959) oder „Joschis Garten“ (1965). Dass sie mit freundlicher Distanz zwar, aber unverbrüchlich auf der Seite der Kinder steht, macht die Autorin rasch klar, aber auch, dass es zum Respekt für den anderen gehört, dass man ihm bei aller Freiheitsliebe Grenzen setzt. Am Mittwoch ist Ursula Wölfel in Heidelberg gestorben.

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