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Tanya Roberts in „Drei Engel für Charlie“ Bild: Picture-Alliance

Zum Tod von Tanya Roberts : Die Freude an der Rache für unverschämte Blicke

Mehr als ein Bond-Girl: In „Drei Engel für Charlie“ war sie eine Naturgewalt, die fast in jeder Folge einen Mann verprügelte. Jetzt ist Tanya Roberts im Alter von fünfundsechzig Jahren gestorben.

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          Tanya Roberts, deren Tod schon am Montag bekanntgegeben wurde, hat diese Falschmeldung nur um einen Tag überlebt – und das Vergnügen, in ihren eigenen Nachrufen zu lesen, wie bedeutend und wie beliebt sie war, ist ihr wohl nicht mehr vergönnt gewesen. Sie war 65, was ja heute, einerseits, kein Alter ist. Und andererseits schien sie aus einer Zeit zu kommen, die nicht nur vergangen, sondern geradezu überwunden ist. Worüber man mit ihr noch lange hätte sprechen müssen.

          Claudius Seidl

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass sie ein Bond-Girl gewesen sei, ist jetzt allseits zu lesen. Was natürlich falsch ist, weil sie eine Frau und kein Mädchen war in dem herrlich verrückten Bond-Film „Im Angesicht des Todes“, in dem Christopher Walken und Grace Jones so lustvoll die Bösen spielten, dass es für Tanya Roberts nicht so leicht war, sich als Gute zu behaupten. Sie schaffte das, obwohl nicht nur Roger Moore viel zu alt für sie war: Die ganze Inszenierung war es; dauernd musste die Kamera ihr auf die Beine und die Brüste glotzen, obwohl sie doch eine Geologin mit Doktortitel spielte.

          Tanya Roberts war, als alles anfing, ein schönes Mädchen aus der Bronx, meistens blond, mit ganz erstaunlich blauen Augen und dem sportlichen Talent, sich auch auf sehr hohen Absätzen sicher zu bewegen. So bekam sie eine Rolle in der Fernsehserie „Drei Engel für Charlie“, was ein Glück für sie war und ein Pech zugleich, weil es die letzte Staffel war. Die Engel, unter denen Tanya Roberts der am wenigsten engelsgleiche war, hatten als Agentinnen die Aufgabe, Verbrecher aufzuspüren. Zum Stil der Serie gehörte es aber, dass sie das in kürzesten Hot Pants, Röcken oder gleich im Bikini erledigten. Wenn man das heute wiedersieht, weiß man kaum, worüber man heftiger staunen soll: über die unverschämten Blicke der Kamera; oder darüber, dass Tanya Roberts in fast jeder Folge einen Mann verprügelt, der solche unverschämten Blicke auf sie wirft. Das war nicht die subversive Strategie feministischer Drehbuchschreiberinnen; es war nur der Versuch, beiden etwas zu geben: den Männern die Blicke und den Frauen die Freude an der Rache dafür. Dass es da einen Konflikt gab, wurde umso deutlicher sichtbar, und Tanya Roberts schien großes Vergnügen daran zu haben.

          Dass aus ihrer Kinokarriere dann doch nichts wurde, lag allerdings am Stumpfsinn jener Produzenten, die meinten, es reichte schon, sie halbnackt durch irgendeine Handlung laufen zu lassen, in „Sheena, Königin des Dschungels“ zum Beispiel. Dass sie später, mit viel Erfolg, in der Sitcom „Die wilden Siebziger“ diese Rollen ironisierte, war keine Rache, eine Genugtuung war es aber schon. Jetzt ist sie gestorben; dabei hätte sie noch mindestens ein Comeback verdient gehabt.

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