https://www.faz.net/-gqz-x6hl

Zum Tod von Peter Rühmkorf : Schwebekunst

  • -Aktualisiert am

Ulla Hahn Bild: dpa/dpaweb

Peter Rühmkorf verstand es, mit der Schwere zu spielen, mutig und zart zugleich. Er brauchte keine großen Themen, um große Gedichte zu schreiben. „Graziös in Lebensgefahr“ bewegte er sich auf dem Drahtseil des Dichtens, meint die Schriftstellerin Ulla Hahn.

          Wenn mir einer Mut gemacht zu meinen ersten Gedichten, dann Peter Rühmkorf. Sein „agar agar - zaurzaurim“ „meine Bibel: Erlaubt ist, was gekonnt.“ Und Rühmkorf konnte so gut wie alles und alles gut. Konnte reimen, dass sich die Bananen bogen, reimte poofen auf Feuerofen, Adorno auf hardcoreporno, Bolle auf Frühlingsrolle; witzig, bissig, nie platt. Mutig und zart zugleich, eine seltene Mischung. Rühmkorf verstand es, mit der Schwere zu spielen. Wusste, wir Dichter müssen in Ketten tanzen, aber klirren hören darf man sie nicht. Doch nicht nur, was den unbefangenen Umgang mit Wörtern und Reimen angeht, habe ich von ihm gelernt. Es gab nichts, was Rühmkorf nicht in Dichtung hätte verwandeln können.

          Er brauchte keine großen Themen, um große Gedichte zu schreiben. Bei unserem letzten Glas Rotwein, nach einer Veranstaltung, es ging um Heine, erinnerte er mich noch einmal an „die Kunst zu schweben“. „Graziös in Lebensgefahr“, wie er in einem seiner berühmtesten Gedichte resümiert: Das war seine Haltung auf dem „Hochseil“. Seine Gedichte werden mich, werden seine Leser weiterhin vor dem Absturz bewahren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umstritten: An der geplanten Pkw-Maut gibt es viel Kritik.

          EuGH urteilt : Deutsche Pkw-Maut verstößt gegen EU-Recht

          Das Prestigeprojekt der CSU ist gescheitert: Der Europäische Gerichtshof gibt einer Klage von Österreich gegen die Maut in Deutschland statt. Die Richter halten die geplante Abgabe für diskriminierend.
          Matteo Salvini (Dritter von rechts) und Mike Pence (vierter von rechts) beim Gruppenfoto vor dem Weißen Haus am Montag

          Salvini in Washington : Imperiale Achse im Gepäck

          Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini preist bei seinem ersten Besuch in Washington Rom als verlässlichsten Partner in Europa an. Und verteilt Seitenhiebe gegen Paris, Berlin und Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.